Review

Nachdem ich mich beim Hören von Adrenaline Rushs selbstbetiteltem Album erst kürzlich gefragt habe, ob es das Pop-Rock-Projekt Vanilla Ninja noch gibt, erhalte ich mit dem Album „Moonland“ von gleichnamiger Band bereits die Antwort, denn die Musiker, die sich hier zusammengefunden haben, scharen sich allesamt um Frontfrau Lenna Kuurmaa, einem ehemaligen Vanilla Ninja-Mitglied. Diese Tatsache erkennt man auch umgehend am Gesang, denn Kuurmaa gibt bei Moonland – wie auch schon bei Vanilla Ninja – gelungen den Ton an.

Ganz so massenkompatiblen Pop-Rock wie zu Vanilla Ninja-Zeiten gibt es auf „Moonland“ jedoch nicht, vielmehr fügt das Projekt ihren zwölf Rocksongs AOR-taugliche Klänge hinzu und versetzt sie mit einer eher dezenten Pop-Note, meist durch das Keyboardspiel zum Ausdruck gebracht.

An genretypischen eingängigen Melodien mangelt es dem Silberling aber trotzdem (oder gerade deswegen) nicht. Bereits der Opener „Heaven Is To Be Close To You“ entpuppt sich als Dauerbrenner, der zwar simpel konstruiert, dafür aber solide eingespielt wurde.

Was so vielversprechend begann, wird leider im weiteren Verlauf nicht mehr gesteigert. Alle folgenden Titel – ob Melodic Rock Nummern oder Balladen dieser Ausrichtung – halten das anfangs gezeigte Niveau aufrecht, verpassen „Moonland“ jedoch keine Highlights. Gemäß dem Motto „kennt man einen, kennt man alle“ reihen sich die Titel aneinander und sind beinahe (auch textlich) austauschbar, so beliebig hantiert man mit bereits bekannten Melodien und Phrasen. Da wirkt das etwas härtere Gitarrensolo in „Out Of Reach“ doch geradezu erfrischend.

Lenna Kuurmaa von Moonland (Copyright: Lenna Kuurmaa)

Lenna Kuurmaa von Moonland (Copyright: Lenna Kuurmaa)

Insgesamt klingen die Songarrangements auf „Moonland“ zudem sehr seicht. Das, was Kuurmaa an Gesangstalent mitbringt, wird nicht vollständig gezeigt. Teilweise wirkt die Sängerin sogar unterfordert. Mehr Bombast in den Songs und das Ausschöpfen des gesamten Potenzials ihrer Stimme wären wünschenswert gewesen, um darüber hinaus auch weitere Akzente zu setzen, als zu belanglos zu klingen.
Zusätzlich fehlt es dem Album an Emotionen. Fast schon (soundtechnisch und gesanglich) steril plätschern die Songs aus den Boxen, und selbst die balladesken Titel wissen nur selten zu berühren und Gänsehaut zu erzeugen. Schade.

Schlecht gemacht ist „Moonland“ deshalb aber nicht, denn handwerklich haben die Jungs und die Mädels hinter Moonland durchaus einiges drauf. So werden all jene Hörer auf ihre Kosten kommen, die sich für melodischen Classic Rock begeistern können, bei dem eine weibliche Stimme das Mikro beherrscht.
Empfehlenswert ist „Moonland“ daher auch genau für diese Zielgruppe, welche gerne bedenkenlos der Endwertung einen Punkt hinzuaddieren darf.

Video

Tracklist

01 Heaven Is To Be Close to You
02 Open Your Heart
03 Crime of Love
04 Poison Angel
05 When Love Is Gone
06 Out of Reach
07 Live and Let Go
08 Cold as Ice
09 Over Me
10 Heart Made of Steel
11 Look at Us Now
12 Another Day in Paradise

Details

Moonland – Facebook

Label: Frontiers Records / Soulfood
Vö-Termin: 19.09.2014
Spielzeit: 51:15

Copyright Cover: Frontiers Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde