Review

Traditionelle Klänge schlagen Monument aus London an, denn auch auf ihrem Album „Hair Of The Dog“ verschreibt sich das Quintett ganz der NWoBHM. Im Stile von Iron Maiden, Judas Priest, Scanner und Co. zocken Sänger Peter Ellis (ex-White Wizzard) und seine Jungs auf zehn Songs klassischen, temporeichen Heavy Metal und adaptieren ein gewisses Retro-Feeling soundtechnisch an die Neuzeit. Die Frage ist dennoch: Kommen Monument mit ihrem Werk 30 Jahre zu spät oder holen sie auch gegenwärtig noch potenzielle Hörer ab?

Ihr solides musikalisches Auftreten, an dem es auch handwerklich nichts auszusetzen gibt, spricht Genreliebhaber sicherlich an. Das macht bereits der Opener und gleichzeitige Titeltrack „Hair Of The Dog“ deutlich, ein Highlight des gesamten Albums, das man derart frühzeitig präsentiert. Auf Tempo und mit griffigem Riffing gespielt versorgt der eingängige Refrain die Hörer mit einem angehenden Ohrwurm des Genres, während auch gesanglich die stilistische Bandbreite bedient wird, sodass die insgesamt hellen Töne bis hin zur Kopfstimme reichen. An die gute alte Zeit gemahnt schließlich noch das integrierte Gitarrensolo, welches in modernere Saitenakrobatik mündet. Auch innerhalb einzelner Songs gelingt Monument somit der Spagat zwischen Old School und Neuzeit.

Im direkten Vergleich zu den meist temporeichen Titeln wirken jedoch die balladeskeren Stücke umso langweiliger. Ein Punkt, der dafür sorgt, dass das Album kurzzeitig an Dynamik einbüßt.
Einige Stimmen könnten dagegenhalten, dass jene ruhigen Tracks dringend benötigt werden, um „Hair Of The Dog“ nicht allzu monoton wirken zu lassen, denn mit den solide gespielten Heavy Metal Nummern erfinden die Briten das Rad des Genres sicherlich nicht neu, im Gegenteil, lehnen sie doch ihre Songs gewollt an oben genannten Bands an und laufen damit Gefahr, an Eigenständigkeit zu verlieren. Somit wurde durch die Integration von Balladen oder auch des Instrumentals „Olympus“ ein Kompromiss gefunden, der dafür sorgt, dass „Monument“ ein wenig Abwechslung aufweist.

Apropos „Olympus“: Was bei vielen Bands als Lückenfüller dient, wird hier von Monument sinnvoll arrangiert. Das Instrumental lässt den Gesang nicht missen und wirkt dazu nicht unglaubwürdig inszeniert oder aufgesetzt. Flüssig gespielt und ohne Experimente wagend, setzt die Instrumentalfront erneut auf Geschwindigkeit.

Monument (Copyright: Monument)

Monument (Copyright: Monument)

Mit „Lionheart“ verabschiedet die Band ihre Hörer schließlich in Running Wild-Manier aus dem Album. Der Titel weist vor allem in der Gitarrenarbeit eine so deutliche Handschrift der Hamburger auf, dass man kurzerhand meinen könnte, die Disc gewechselt zu haben. Ein Song, der zwar überzeugt, jedoch erneut wenig Eigenständigkeit besitzt.

Nichtsdestotrotz kommen Genre-Liebhaber auf ihre Kosten, sodass die eingangs gestellte Frage wie folgt beantwortet werden kann: Monument kommen tatsächlich 30 Jahre zu spät, um mit Innovation oder Ideenreichtum zu beeindrucken. Dafür bewegen sie sich stilsicher in ihrem Metier und werden durch den an die Jetztzeit angepassten Sound auch gegenwärtig noch Freunde des klassischen Heavy Metals begeistern können. Empfehlenswert ist „Hair Of The Dog“ daher für genau diese Zielgruppe, die mit den zehn Songs nicht enttäuscht werden.

Video

Tracklist

01 Hair of the Dog
02 Blood Red Sky
03 Streets of Rage
04 Imhotep (The High Priest)
05 Crobar
06 Emily
07 Olympus
08 A Bridge Too Far
09 Heart of Stone
10 Lionheart

Details

Monument – Homepage
Monument – Facebook
Monument – Twitter

Label: Roar! / Soulfood
Vö-Termin: 10.06.2016
Spielzeit: 51:55

Copyright Cover: Roar!



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde