Review

Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Die Luft vibriert. Monophonas pulsierende Klänge kriechen übers Land. Zwei Jahre sind seit „The Spy“ vergangen und nun will das Trio 2015 ihre omnipräsente Musik aus Elektro und Down-Tempo erneut unter Beweis stellen.
Besonders auffällig ist der düstere Sound der Luxemburger, fernab jeglicher Klischees von Traurigkeit oder Hass. Monophona halten auf „Black On Black“ die Waage zwischen drückender Stimmung und warmen Hörgenuss.

Gleich nach Abspielen des ersten Songs sinkt die Raumtemperatur direkt um ein paar Grad Celsius. Dumpfe Elektronik und knirschende Synthies pressen sich gegen die Gehörgänge. Der Hörer wird das komplette Album in ein schwarzes Loch gesogen. Die einzige Lichtquelle kommt vom weiblichen Gesang, der einen starken Kontrast zu der dunklen Atmosphäre bildet.

Zu den dezenten, elektrischen Geräuschen gesellen sich klare Saiten einer Westerngitarre. Und so trumpft „Thumb“ mit rhythmischen Riffs auf, die sich über ein grooviges Schlagzeug legen.

Weiter geht es mit den hypnotisierenden Klangwellen vom Song „Yes Yes“. Dieses Mal mit Gitarreneffekten und einer melodischen Rock-Attitüde. An dieser Stelle zeigt sich auch eine deutliche Zugänglichkeit auf „Black On Black“. Als Hörer findet man sich schnell in die Titel ein und braucht sich von da an nur noch treiben lassen.

Monophona erzeugen durch langsame Electronica, kombiniert mit akustischen bzw. elektrischen Einflüssen, eine räumlich Tiefe, die einem als Hörer eine Gänsehaut verpasst. So verliert sich das Konzept in „Forest Of Wonders“ in eine Art dynamischen House mit einer Menge atmosphärischem Raum.

Allerdings lebt „Black On Black“ auch seine Prosa musikalisch aus. Wie zu hören in „The Hill“, einer der Songs, der den Hörer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Immer wieder tauchen zwischen dem brummenden Bass diverse kratzende Samples auf, was nur zur Unwirklichkeit des Titels beiträgt.

Je weiter diese Platte fortschreitet, desto besser wird sie. Mit „Heavier Slower“ bekommt man wieder eine Ladung klimpernder Gitarrensaiten, die schon fast progressive Formen annehmen. Dieser ist sogar einer der „fröhlicheren“ Titel (wenn man so etwas angesichts dieses Machwerks überhaupt so sagen kann), der sogar noch Tage später im Kopf hängen bleibt.
Gleiches gilt für die Single „Ribbons“, die auch deutlich farbenfroher erscheint als der Rest.

Monophona (Copyright: Monophona)

Monophona (Copyright: Monophona)

Gibt es noch etwas, mit dem man das ganze Lob runterziehen kann? Höchstens, dass die Songs manchmal etwas zu lang sind, als es für sie gut wäre. Hörer mit einer geringeren Aufmerksamkeitsspanne werden schneller versucht sein, angesichts der breiten Geräuschkulisse weiterzuschalten. Dennoch ist diese „Kritik“ subjektiver Natur und mit einer Durchschnittszeit von drei bis vier Minuten pro Track bleibt „Black On Black“ noch im Rahmen.

Chvrches böse Zwillingsschwester und Laurel Halos beste Freundin, das ist Monophona. Zwischen verdrehten, zwielichtigen Geräuschen schleichen sich ansprechende Strukturen. „Black On Black“ bringt einen authentischen Sound mit, der gerade so düster ist, dass er einen als Hörer emotional nicht direkt runterzieht; vielmehr versinkt man in ihm.

Wer sich dieser Platte widmet, muss sich nicht durch komplizierte Songelemente zwingen, bekommt aber dennoch eine Vielzahl an Variationen. Hinzu kommt der ansprechende Gesamtsound, der einen das Album tagelang nicht aus Hand legen lässt.

Video

Trackliste

01 Black On Black
02 Thumb Master
03 Yes Yes
04 A Mole Like A Breadcrumb
05 Forest Of Wonders
06 The Hill
07 Heavier Slower
08 Ribbons
09 All Downhill
10 Ricochet

Details

Monophona – Homepage
Monophona – Facebook

Label: Kapitän Platte
Vö-Termin: 30.01.2015
Spielzeit: 39:30

Copyright Cover: Kapitän Platte



Über den Autor

Christopher