Review

Wer sich als Rockband guten Gewissens als Aushängeschild eines ganzen Bundeslandes bezeichnen kann, hat es weit gebracht. Und auch wenn es sich dabei um ein so kleines Bundesland wie Bremen handelt, ist die Entwicklung von Monolith aller Achtung wert! 2010 mehr oder weniger als Fun-Projekt gegründet, hat sich die vierköpfige Band zu einem echten Unikat entwickelt, welches Fans in der gesamten Republik und auch über die Grenzen hinaus begeistert.

Mit „Mountain“ legen die Hansestädter nun ihren zweiten Silberling vor, dessen Bewertung mir ehrlich gesagt nicht ganz leicht gefallen ist. Wie immer, wenn ein Album nicht sofort zündet, neigt man als Rezensent dazu, sich mit einer belanglosen Review aus der Affäre zu ziehen. Aber das hat diese Band nicht verdient. Und so werde ich auch nicht zum zehnten Mal wiederholen, dass Monolith Doom spielen, Sänger Ralf Brummerloh wie Ozzy Osbourne und die Mucke wie Black Sabbath klingt und irgendwie nicht schlecht, aber auch nicht gut ist. Wie kommen Schreiberlinge auf so was?

Auf der Suche nach der Ursache bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Monolith eine Band ist, die polarisiert. Irgendwo zwischen gefeiertem Act in Szene-Mags und unverstandenem Black-Sabbath-Klon anderswo. Es scheint fast so, als biete dieses Album direkt am Anfang zwei Möglichkeiten abzubiegen. Ich habe mich entschieden, nicht die „Black-Sabbath-Klon“-Ausfahrt zu nehmen und kann euch verraten: Es hat sich gelohnt.

Mit „Mountain“ startet das Album direkt mit dem Titeltrack, dem vielleicht sperrigsten Song des Albums. Dieser bietet viele ruhige Passagen, wird allerdings immer wieder von einem genialen Riff mit ordentlichem Wiedererkennungswert zusammengehalten. Und ja, die Mucke ist langsam. Aber nicht alles, was langsam ist, ist Doom. Eher fragt man sich bei diesem Song hin und wieder: „Wo kommt eigentlich der Hammond-Sound her?“ Klingt super nach Vintage, ist aber einfach der genialen und durchaus kreativen Gitarrenarbeit des Klampfen-Duos Ralf Brummerloh und Rob Osenbrück zu verdanken, die trotz der meist simplen Songstrukturen immer wieder mit virtuosen Soli und auch mal vertrackt-progressiven Rhythmen ihr Werk garnieren. Diese Kleinigkeiten sind es, die „Mountain“ in meinen Augen zu einem tollen Album machen.

Niemand erwartet von einer Band aus der Stoner- oder Vintage-Ecke, innovativ zu sein oder komplexe Skalen durchzuzocken. Nein, beides können auch Monolith nicht unbedingt liefern. Wohl aber bietet das Quartett eine dichte (welch Wortwitz) und lebendige Vintage-Rock-Inkarnation auf ziemlich hohem Niveau, die auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär daher kommt, auf den zweiten, dritten oder vierten Blick doch echt im Ohr bleibt. Und wer dürfte sich diesen Luxus leisten, wenn nicht eine Band, die sich offensichtlich selbst sehr gern im Sound der 70er Jahre aus Psychedelic Rock, Krautrock und einfach klassischem Hard-Rock suhlt? Monolith ist sicher nichts für Hipster, die im Internet einerseits darüber schwadronieren, dass alles außer 180g Vinyl scheiße ist und gleichzeitig ihre Spotify-Playlists durchskippen, wenn ein Song nach 30 Sekunden nicht zündet. Nein, Monolith ist Mucke für Leute, die nicht hibbelig werden, wenn ein Album mal komplett durchläuft … oder wenn die vier Bremer im einen oder anderen Song mal eine Minute lang den Fuß vom Gas nehmen. „Standing Tall“ zum Beispiel ist so ein Song, schwankend zwischen Resignation, Wut und der Hoffnung, sich durch ein virtuoses Gitarrensolo doch noch aus der dieser Welt in höhere Sphären zu erheben.

Monolith (Copyright: Monolith)

Monolith (Copyright: Monolith)

Es wirkt fast, als hätten Monolith den selbigen ins Rollen gebracht, so sehr nimmt „Mountain“ mit einer Selbstverständlichkeit und unaufhaltsam seinen weiteren Lauf. Absolut genial. Schleppend, aber nicht depressiv oder einschläfernd. Mit „Moonshine Medication“ folgt zur Mitte des Albums dann noch ein Uptempo-Song mit viel Drive, der durchaus auch als Single-Auskopplung taugen könnte. Spätestens hier fragt man sich, was an dieser CD ein Black-Sabbath-Abklatsch sein soll? Wer Monolith aufgrund ein paar langsamer Riffs auf Black Sabbath und die Stimme von Ralf Brummerloh aufgrund leicht näselnden Klangs auf Ozzy Osbourne reduziert, wird weder dem ersten, noch dem zweiten gerecht.

Halten wir fest: Viele Riffs auf „Mountain“ sind schleppend und Ralfs Stimme funktioniert nicht durch auskomponierte Gesangslinien mit aalglatter Intonation, sondern durch die Fähigkeit, trotz aller Monotonie immer wieder die Emotionen perfekt rüber zu bringen. Dazu überzeugt das Album durch eine ungemeine Wucht, zu der sicher der Fakt beiträgt, dass dieses Album wie schon der Vorgänger „Dystopia“ komplett live eingespielt wurde. Monolith präsentieren sich selbst und ihre Songs und das gesamte Album als eine gewaltige Einheit, die offenherzigen Fans von Hard-Rock, Psychedelic Rock und Stoner Rock viel Freude bereiten wird.

Wer also gerne Led Zeppelin hört, sollte hier zugrei… nein, sollte einfach Led Zeppelin hören, zum Geier! Wer sich aber auch im Jahr 2016 noch an guter, handgemachter Mucke freuen und diese einfach mal genießen kann, ohne im Kopf gleich nach „Das klingt wie…“ zu suchen, der kann mit dieser Scheibe viele schöne Stunden und einen guten Begleiter für den abendlichen Genussmittelkonsum haben.

Video

Tracklist

01 Mountain
02 Vultures
03 Standing Tall
04 High Horse
05 Moonshine Medication
06 Lies And Deceit
07 Tide
08 Blackbird

Details

Monolith – Facebook

Label: Final Gate Records
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 38:58

Copyright Cover: Final Gate Records



Über den Autor

Tim
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Je länger man kaut, desto süßer das Brot!