Review

Mono, eine Band für sich. In Japan seit 1999 aktiv, stürmen sie auch in Übersee die Bühnen und verströmen ihren wilden und instrumentalen Post-Rock an alle, die es hören wollen. Denn das muss man sagen, Mono ist keine Band, die sich jeder anhören kann. Man muss auf instrumentale Musik stehen und eine Vorliebe für lange Arrangements haben, da Mono gerade Zweiteres sehr intensiv zelebrieren.

Nach neun veröffentlichten Alben und Preisen in verschiedenen Kategorien ist es an der Zeit, das neue Werk auf den Markt zu bringen – und auf „Requiem For Hell“ finden sich Powertracks und ruhige Stücke wieder.

Die Platte beginnt, was hätte man auch anderes erwartet, sehr ruhig. Minimalistische Gitarrenklänge leiten das Hauptthema ein und stehen ganz allein im Raum. Nicht bei allen Hörern bildet sich da bereits Gänsehaut. Wenn dann jedoch die Drums mit einem regelmäßigen Bass-Drum-Klang hinzukommen, wird die Stimmung schon ziemlich dicht. Daran muss man sich bei Mono auch gewöhnen. Jeder Schlag hat einen Sinn und so viele Noten und Schlagzeugfills oder Beats gibt es nicht. Riffs werden in schier endloser Wiederholung angespielt, was erst einmal langweilig klingt. Doch Mono schaffen es, dabei so viel Spannung zu erzeugen und dynamisch den Track immer weiter aufzubauen, dass es einen fast zerreißt, bis man endlich einen klaren Schlagzeugbeat erhört und somit erlöst wird. Paradebeispiel dafür ist der erste Track „Death in Rebirth“, der genau das verkörpert, was Mono ausmacht.

Dazu gesellt sich der Titeltrack „Requiem For Hell“ mit einer unfassbaren Länge von über 17 Minuten. Die erste Hälfte klingt nach einer Art Vorbereitung, sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Das gespielte Riff frisst sich in den Schädel, geht dank der darüber gelegten Effekte unter die Haut und sollte auch den Gefühlsapparat des Hörers gekonnt durcheinanderbringen. Leider kann der poppige Schlagzeugbeat nicht ganz überzeugen, denn er bricht extrem mit der gefühlvollen Vorlage. Dafür wird die zweite Hälfte umso extremer und intensiver. Die Band gibt richtig Gas. Von einem Konzept kann nicht die Rede sein, blankes Chaos regiert – und ich finde es klasse.

Mono (Copyright: Pelagic Records)

Mono (Copyright: Pelagic Records)

Zu diesen Tracks stehen die anderen drei Titel „Stellar“, „Ely’s Heartbeat“ und „The Last Scene“ im krassen Kontrast, da sie sehr ruhig sind und eigentlich nicht ausbrechen. „Ely’s Heartbeat“ sticht jedoch besonders hervor, denn hier hört man den Herzschlag eines Kindes. Es handelt sich um das Kind eines Freundes der Band. Diese Intro-Idee ist an Zuneigung gar nicht zu übertreffen und wird Ely hoffentlich viel Freude bereiten, wenn er älter geworden ist.

So schafft es die Band immer wieder, für Atmosphäre zu sorgen und den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Ein wenig mehr hätte man jedoch noch ausbrechen können, denn Klanglandschaften mit einer Wand aus Sound sind normalerweise ihre Leibspeise.

Mono können mit „Requiem For Hell“ somit fast auf ganzer Linie überzeugen. Ihre Songs sind gefühlvoll und ausdrucksstark. Wäre die Band noch etwas härter gewesen und hätten wir noch mehr Songs bekommen, müsste man Mono eigentlich jedem empfehlen.
Übrigens, wer sie noch nicht live gesehen hat, sollte auch dies bei Gelegenheit unbedingt nachholen.

Video

Trackliste

01 Death In Rebirth
02 Stellar
03 Requiem For Hell
04 Ely’s Heartbeat
05 The Last Scene

Details

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Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 14.10.2016
Spielzeit: 45:57

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Marcus
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