Review

Mit „Terlingua“ veröffentlichen Mono Inc. ihr neues Studioalbum und laut eigener Aussage schien es Zeit für eine Veränderung respektive Weiterentwicklung gewesen zu sein. So verkündete die Band aus Hamburg:

Wir sind als Band gereift und mit dem neuen Album einen großen Schritt gegangen. Terlingua sollte anders klingen als alles, was wir in unserer zehnjährigen Geschichte als Band gemacht haben.

Weniger dark-rockig düster, dafür eher in Richtung radiotauglichen Alternative Rock blinzelnd, so möchte sich Mono Inc. 2015 vermutlich verstanden wissen. Doch die Band gibt sich verlässlich, sodass sich der gemeine Mono Inc.-Hörer trotz dieser Ankündigungen nicht mit gravierenden Veränderungen auseinandersetzen muss, denn vieles ist auf „Terlingua“ noch so, wie es schon vor dem neuen Album war.

Dem einen oder anderen drängen sich dennoch zunächst Erinnerungen an die Entwicklung von Unheilig auf, doch schon mit den ersten Songs auf „Terlingua“ macht sich ein vertrautes Gefühl breit, denn in ihren Grundzügen bleiben sich Mono Inc. immer noch treu, während sie darüber hinaus ihren Bezug zur „Szene“, in der sie groß geworden sind, nicht verlieren.

Die Fans mit einem abrupten Stilwechsel vor den Kopf zu stoßen, das ist bei einer derart fannahen Band wie Mono Inc. letztlich auch undenkbar, und so sind nicht nur der perfekte Sound, sondern auch das Händchen für Ohrwürmer und die oft leicht melancholischen, mitreißenden Melodien unverändert geblieben. Dennoch geht das Quartett mit der Mehrheit der 13 Titel auf „Terlingua“ auf Nummer sicher. Man präsentiert Bewährtes, gibt sich an anderer Stelle jedoch auch äußerst „zahm“, um sich einer breiten Masse von Hörern öffnen zu können. Damit verbunden treten die rockigen harten Gitarrenriffs in den Hintergrund und machen elektronischen Sounds Platz. Gerade die hellen elektronischen Einsprengsel verleihen den betreffenden Songs unweigerlich eine poppige Note, in „Love Lies“ rütteln sogar Klangflächen bekannt aus Stilen wie Dance und Techno am ansonsten Mono Inc’schen Songgerüst. Gewöhnungsbedürftig, wäre der Track ohne Gesang auch auf Veranstaltungen wie The Dome und Co. denkbar.

Was sich schon auf dem letzten Album „Nimmermehr“ abzeichnete, setzt sich auch auf „Terlingua“ verstärkt fort. Sieben deutschsprachige Songs stehen fünf englischsprachigen gegenüber, während mit „Emory Peak“ zudem ein reines, aber mit nur 35 Sekunden Spielzeit kurzes Instrumentalstück seinen Platz auf dem Silberling gefunden hat. Macht in der Summe 13 Tracks, die verstärkt auf die deutsche Sprache setzen.

Drückt ein Instrumental oftmals den Anspruch eines Künstlers an sich und sein Werk aus, oder nimmt die Rolle eines Interludes ein, das das Album auflockern bzw. stimmungsvolle Übergänge schaffen soll, wird es von vielen Hörern oftmals nur als Lückenfüller wahrgenommen. Ähnlich ergeht es auch „Emory Peak“. Ein bisschen Westernidylle versprühend, ein wenig Atmosphäre schaffend, fällt es ansonsten im Kontext der CD nicht nennenswert auf.

Mono Inc. (Copyright: Mono Inc.)

Mono Inc. (Copyright: Mono Inc.)

Die Songs in deutscher Sprache jedoch zünden überraschend gut. Nicht immer verzichten Mono Inc. dabei auf klischeebehaftete Texte, die in deutscher Sprache natürlich deutlicher und unmittelbarer auffallen als in englischer, davon abgesehen kommen aber auch die Emotionen, die die Tracks transportieren wollen, direkter beim Hörer an.

Dazu trägt natürlich auch die wiedererkennungswürdige Stimme Martin Englers entscheidend bei, die getrost als Aushängeschild der Band angesehen werden kann. Gesanglich in den Hintergrund rückt dafür Schlagzeugerin Katha Mia, die auf „Terlingua“ eher selten mit ihren bewährten Background-„ah“s in Erscheinung tritt. Wenn sie aber doch mal das Mikro erobert, tragen ihre Gesangsanteile zur Dichte der Songs bei.

Auch wenn Mono Inc. auf „Terlingua“ einige kleinere stilistische Veränderungen durchschimmern lassen, sind sie immer noch unverkennbar Mono Inc., ein Garant für Hits, die sowohl auf dem Album als auch live überzeugen werden. Der eine oder andere Track benötigt eventuell einen Hördurchgang mehr, um vollständig zu begeistern, schlussendlich wird dies jedoch der Fall sein, sodass eine epische Wertung von 4,5 Punkten die Folge ist.

Trailer

Video

Tracklist

01 Mondschein
02 Never-Ending Love Song
03 Heiland
04 It Never Rains
05 Tag X
06 118
07 Die Noten Deines Lebens
08 Still
09 An klaren Tagen
10 Emory Peak
11 Love Lies
12 Terlingua
13 Study Butte

Details

Mono Inc – Homepage
Mono Inc. – Facebook
Mono Inc. – Twitter

Label: NoCut / SPV
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 55:22

Copyright Cover: NoCut



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde