Review

Ihr steht auf Metal, Opern und Klassik? Dann ist Molllust mit ihrem Symphonic Opera Metal eure Band – vorausgesetzt, ihr mögt es darüber hinaus noch ein wenig expressionistisch, experimentell und aufwühlend, denn während Klassik häufig der Entspannung dient, setzt das Sextett um Sopranistin Janika Groß, die ebenfalls in der Band Haggard mitmischt, auf dem neuen und inzwischen zweiten Studioalbum namens „In Deep Waters“ alles daran, den Hörer nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

Ob komplexe Strukturen, Disharmonien, Doublebass-Attacken, die die klassischen Arrangements regelmäßig durchbrechen und aufmischen oder Groß‘ klassisch ausgebildeter Sopran, der in den höchsten Höhen die Trommelfelle erzittern lässt – glaubt man, in die Welt von Molllust abtauchen zu können, so muss man sich auf eine turbulente Reise gefasst machen. Und diese kann auf der Überlänge des Albums von knapp 75 Minuten bei Hörern mit „herkömmlichen“ Hörgewohnheiten schon mal anstrengend werden.

Los geht es jedoch erst mal komplett tiefenentspannt. Mit „Ouvertüre Nr. 2“ präsentieren Molllust bereits den gesamten Bombast, den die Band zu bieten hat. Cineastische Tauglichkeit inklusive. Stimmung wird aufgebaut, Erwartungen ebenso. Der noch ohne Gesang auskommende Eröffnungstrack könnte in seinem Stil ewig so weitergehen.

Das tut er aber nicht, denn Molllust haben sich auf „In Deep Waters“ einiges vorgenommen. 15 Titel gilt es durchzuhören, und im Idealfall sogar mehrmals. Gesagt sei an dieser Stelle schon: Es ist durchaus ratsam, dem Album weitere Runden im Player zu gönnen, denn es braucht ein wenig Einhörvermögen, um mit der Mehrzahl der Tracks warm zu werden.

Obwohl immer wieder gefällige Melodien die orchestrale, fast schon progressiv-experimentell angehauchte Ebene durchziehen und Abwechslung durch mehrsprachige (z.B. englische, deutsche, italienische und französische) Songtexte geschaffen wird, werden Zugang zu Molllusts Musik nur jene finden, die den Metal-Klassik-Mix der Band mögen. Andernfalls ist es schwer, Gefallen an den anspruchsvollen Songkreationen zu finden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Molllust ihr Handwerk nicht verstehen. Im Gegenteil, dies bleibt eine unumstrittene Tatsache, die mit ziemlicher Sicherheit live noch weitaus eindrucksvoller bestätigt werden kann.

Gewöhnungsbedürftig wird es auf „In Deep Waters“ vor allem dann, wenn zu den melodischen Phasen, in denen man von disharmonischen Tönen absieht, der Text (z.B. durch fehlenden Reim und dadurch holprigen Klang, der eher an eine Vertonung eines Gedichts bzw. eines Textes gemahnt als an einen Song; festzustellen in „Sabrina“) „unharmonisch“ wirkt. Dies hätte phasenweise besser gelöst werden können.

Molllust (Copyright: Molllust)

Molllust (Copyright: Molllust)

Positiv hingegen: In „Spring“ oder „Number in a Cage“ präsentiert die Band den Hörern klassische Einlagen mit fröhlichem Unterton, wie er gerne auch mal in „Die Zauberflöte“ und Co. anzutreffen ist. Molllust haben also prinzipiell Lust auf Moll, verbleiben jedoch nicht permanent in diesem Tongeschlecht, sodass kurzfristig die tragende, episch angelegte Grundstimmung aufgelockert wird. Dies ändert allerdings nichts daran, dass – zumindest mir – stellenweise und vor allem durch das Zusammenspiel der meist mehr gesprochenen statt gesungenen männlichen und sopranen weiblichen Vocals die Band Angizia als Vergleich in den Sinn kommt.

Nicht zuletzt dieser Umstand erweitert allerdings die Zielgruppe über Fans der Band hinweg, denn wer sich zudem für Haggard und Angizia erwärmen kann, sollte hier mal ein Ohr riskieren.
Besagte potenzielle Hörer und Albumkäufer dürfen daher auch gerne einen weiteren Stern zur Bewertung hinzufügen. Alle anderen hören vorab Probe.

Video

Tracklist

01 Ouvertüre Nr.2
02 Unschuld
03 Evenfall
04 Paradis Perdu
05 Voices of the Dead
06 Paradise on Earth
07 Spring
08 Lampedusa
09 König der Welt
10 Number in a Cage
11 Papa
12 Passage nostalgique
13 Sabrina
14 Erlkönigs Töchter
15 Traumwelt

Details

Molllust – Homepage
Molllust – Facebook
Molllust – Twitter

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 25.09.2015
Spielzeit: 74:26

Copyright Cover: Molllust



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde