Review

Und so muss man sich mit einer Band beschäftigen, die nach verschlucktem Golfball klingt und Songs wie „Chinese Buffet“ oder „Untoon That Geetar“ auffährt. Mit „Tea Time For Pünks“ nehmen Mörglbl auf den ersten Blick kaum etwas ernst, am wenigsten sich selbst. Dabei klingt deren experimentelles Durcheinander aus Metal, Jazz und versierter Technik doch recht seriös. Drei Franzosen im Auftrag ihrer Majestät … oder so.

Aber wo bei so einem Projekt anfangen? Bei den funkigen, groovigen Licks gleich zu Beginn oder bei den Passagen, in denen Mörglbl mit ihrer metallischen Ader loslegen. Wirklich schwer, da jeder Song scheinbar seine eigene schizophrene Seite hat. „Tea Time For Pünks“ schneidet zunächst fröhliche Töne an und vergisst sich dann selber in bluesigem Hard Rock, der zunehmend weiter in den Metal abdriftet und dann in abgefahrenem Legatospiel endet. Aber zugegeben, wenn Riffs für Normalsterbliche dabei sind, sind diese äußerst catchy.

Es ist auch immer irgendwie gewöhnungsbedürftig, wenn einem als Hörer ein Song schon mit einer groovigen Einleitung fesselt, um nach einem Blick auf die Tracklist zu erfahren, dass dieser „Chinese Buffet“ heißt. Man sollte also nicht zu viel auf Titel wie „God Shaved The Queen“ (mal ehrlich, der Witz ist absolut ausgelutscht) achten, da sich dahinter oft echt gute Kompositionen verbergen. Was natürlich nicht heißen soll, dass Mörglbl auf „Tea Time For Pünks“ ihre eigene, nun ja sagen wir mal, Musik, die im Zirkus laufen könnte, praktizieren.

Überwiegend spielt sich die Platte instrumental ab, aber wie das bei solchen Bands ist, können die sich nicht davon abhalten, ihren eigenen verbalen Senf dazuzugeben. Behindert den Sound zwar nicht, bringt ihn aber auch nicht wirklich weiter. Wenn die Band allerdings etwas atmosphärischer klingen will, dann schafft sie das auch.
Laut Info klingen die Jungs wie eine Mischung aus Steve Vai und Primus. Dem ich vollkommen zustimme und noch gerne einen Hauch von Scale The Summit und eine verdrehte Art von Animals As Leaders hinzufüge. Stellenweise kommt auf „Tea Time For Pünks“ auch eine gewisse Tiefe vor, wie man sie beispielsweise auf Evan Brewers letzter Platte „Your Itinerary“ hören konnte.

Mörglbl (Copyright: Mörglbl)

Mörglbl (Copyright: Mörglbl)

Aber genug der obligatorischen Vergleiche, denn Mörglbl klingen durchweg immer noch nach sich selbst. Es ist wirklich schön anzuhören, wie jeder Einfluss mit einem effektvollen Schlagzeug unterlegt ist, welches diesen kreativen Wahnsinn gerade noch so zusammenhalten kann. Auch was die Übergänge von rockigen oder jazzigen Melodien zu pulsierendem Metal angeht, so wird der Hörer regelmäßig überrascht.

Dieses Album ist vielleicht nicht für jeden etwas, da es doch viele Ausschweifungen in die verschiedensten Genres unternimmt. Fans von eingängiger Musik würden von den „Stilbrüchen“ eventuell zu schnell überrollt werden. Die Franzosen haben sich ebenfalls ein wenig zu stark von den Soli hinreißen lassen. Diese halten sich zwar die Waage mit den durchaus hörbaren Riffs, wirken aber auf Dauer wie Wartephasen, auf dass der Song in den nächsten Teil übergeht.

Gute Musiker, viel Ideenreichtum und eine Menge Spaß an der Sache. So klingt „Tea Time For Pünks“ und das nicht nur einmal. Es wird wohl schwer sein, diese Platte der Reihe nach zu hören, da man aus einem Impuls heraus immer zwischen den Songs hin und her schaltet. Mörglbl sind auf ihrer Platte unberechenbar und ziehen den Hörer immer wieder in ihre akustische Welt aus willkürlichem Chaos, Metal und klassisch smoothen Tönen.

Trackliste

01 Ban Jovi
02 Rood
03 Tea Time For Pünks
04 Chinese Buffet
05 Mariachi´s Burger
06 Untoon That Geetar
07 Far Tea Time
08 Tree Ball
09 God Shaved The Queen
10 Atomic Tom Mohawk
11 Big Ben Shaved The Queen

Details

Mörglbl – Homepage
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Label: Free Electric Sound (Laser’s Edge Group)
Vö: 29.05.2015
Spielzeit: 1:02:43

Copyright Cover: Free Electric Sound



Über den Autor

Christopher