Review

Nach ihrem Debüt „Attende“ legt die Band Mistur mit dem Album „In Memoriam“ nach – und wenn es auf dem Cover zwar nicht brennende Kirchen, sondern in Flammen stehende Scheunen sind, so ist durch das Artwork und anhand der sechs Titel auf „In Memoriam“ jedem klar, dass die musikalische Reise im Black und Viking Metal Gewand nach Norwegen führt.

Bei sechs Songs und sechs Bandmitgliedern scheint das Line-up von Mistur zunächst praller auszufallen, als der Inhalt ihres neuen Silberlings, doch ein Blick auf die Spielzeit des Tonträgers zeigt, dass hier mit knapp 56 Minuten doch mehr als reichlich Musik geboten wird. Die Überlängen der Songs nutzt das Sextett sowohl für treibende, aggressive Parts als auch für erhabene, melodische Momente, deren Epik vor allem durch die sinfonischen Zugaben erzeugt wird.

Auf diese Weise führen Mistur ihre Hörer mit dem Opener „Downfall“ in das Album ein, dem ein atmosphärisches, mit orchestralen Elementen versehenes Intro vorangestellt wird. Langsam baut sich hier ein Songeinstieg auf, der in einem Drumgewitter und einem inbrünstigen Growl mündet. Der von gelungenen Melodien getragene Track stellt im weiteren Verlauf den gutturalen Gesang in den Vordergrund, verzichtet aber auch auf Klargesangspassagen nicht.

Herrschten zu Beginn noch Melodien und Atmosphäre vor, driften Mistur mit Folgesong „Distant Peaks“ ins Brachiale ab. Die Felle zum Glühen bringend und das Organ heiser growlend, sorgen auch die integrierten süßlichen Keyboardklänge nicht dafür, dass der Beginn weniger monoton ausfällt. Erst ein instrumentales Zwischenspiel mit Fokus auf die Gitarre gewährt eine Verschnaufpause und leitet schließlich einen abwechslungsreicheren Part ein.

Es ist eine Geschmacksfrage, inwieweit Klargesangpassagen Songs dieses Metiers bereichern oder eher stören, im Falle von „In Memoriam“ tragen sie allerdings gelungen zur Auflockerung einzelner Stücke bei und können in ihrer wohldosierten und -überlegten Platzierung als Bereicherung angesehen werden, die oftmals ein allzu eintöniges Hörerlebnis zu verhindern weiß.

Mistur (Copyright: cbfoto.no)

Mistur (Copyright: cbfoto.no)

„In Memoriam“ ist aggressiv, brachial und prescht auch tempotechnisch nach vorne. Gleichzeitig bergen die einzelnen Titel stets epische Sequenzen mit Opulenz und Melodik, die Band und Hörer immer wieder zu Atem kommen lassen. Zudem sorgen diese Zusätze für die passende Stimmung, die eine derart ausgerichtete skandinavische Band braucht bzw. die man von ihr erwartet.

Was man letztlich jedoch vermisst – Mistur setzen stattdessen auf viel Input und Länge in nur einem Titel – sind jene Tracks, die auch nachhaltig im Kopf bleiben. So ist „In Memoriam“ alles in allem ein hervorragendes Album, auf dem es während des Abspielens viel zu entdecken gibt, das das Interesse des Hörers aber auch nur auf Albumlänge aufrecht hält. Was bleibt, ist anschließend nur der Eindruck komplexer und erhaben wirkender Songs, von denen man sich gewünscht hätte, sie hätten sich intensiver und langfristiger in die Gehörgänge gefräst, wie es zum Beispiel Phasen gegen Ende von „Matriarch’s Lament“ im Ansatz schaffen.

Video

Tracklist

01 Downfall
02 Distant Peaks
03 Firstborn Son
04 Matriarch’s Lament
05 The Sight
06 Tears of Remembrance

Details

Mistur – Homepage
Mistur – Facebook

Label: Dark Essence Records / Soulfood
Vö-Termin: 13.05.2016
Spielzeit: 55:14

Copyright Cover: Dark Essence Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde