Review

Rau und düster, so muss es für das Duo Mirrors For Psychic Warfare klingen. Durch den Einsatz verschiedener Noise-, Drone- und vor allem Ambient-Elemente schafft man sich auf dem selbstbetitelten Album seine eigene Vorstellung von einer drückenden Atmosphäre.

Es ist ein Album, bei dem man sich inmitten eines pechschwarzen Raums befindet, während allerlei akustische Reize auf einen einwirken und langsam in den Wahnsinn treiben. Dabei geht man auf den fünf Songs doch melodisch vor, anstatt den Hörer einer Flut aus undefinierbaren Geräuschen zu überlassen.

Mit „A Thorn To See“ gibt es zu Beginn auch direkt die ersten Gitarrenriffs. Minimal gehalten und in einem Tempo, dem Beschleunigung fremd ist, verschafft man sich hier den gewissen Doom-Effekt.
Doch von der einen auf die andere Sekunde können sich Mirrors For Psychic Warfare ebenso in reine Noise-Verzerrung auflösen. Beim Song „CNN WTZ“ bleibt einem sogar die Gitarre erhalten, die unbeeindruckt ihr Ding weiter durchzieht.

Zwischendurch gibt es auch ein paar Vocal-Tracks, welche definitiv zu den Accessoires auf „Mirrors For Psychic Warfare“ gehören und nur mit bedrohlicher Präsenz das erstickende Gefühl weiter steigern. Und diese gewisse Stimmung bringt die Band durchweg erstaunlich gut rüber. Hier weiß man, auf welche Nerven man im Ohr drücken muss, damit auch das Hirn Paranoia bekommt.

Für den ersten Moment jedenfalls, denn eine Menge Passagen ziehen sich bis ins Unermessliche hin und lassen dadurch die ersten thematischen Eindrücke der Platte verenden. Der letzte Titel „43“ besticht durch ein Piano und Blasinstrumente, die im Laufe des Songs gut ausgearbeitet werden, welche sich aber dann in Wiederholungen verlieren und im Schnitt kein wirklich rundes Bild ergeben.

Mirrors For Psychic Warfare (Copyright: John Sturdy)

Mirrors For Psychic Warfare (Copyright: John Sturdy)

Zudem fällt auf, dass man hier zwar am akustischen Wahnsinn kratzt, ihn aber nie für sich in Anspruch nimmt. Das kommt durch die vielen langen Passagen, die eine gewisse Grenze nie überschreiten. Manchmal hat man diesbezüglich das Gefühl, als würde sich das Album zu einem Höhepunkt aufbauen, den es niemals erreichen wird, bevor nicht schon der nächste Titel gespielt wird. Bis zum Schluss fehlt der gewisse Biss, der den Hörer völlig fassungslos zurücklässt. Sobald man sich daran gewöhnt hat, klingt „Mirrors For Psychic Warfare“ deutlich harmloser.

Wenn auch harmlos, ist es dennoch atmosphärisch und solide konstruiert. Dieser Platte wird man als Liebhaber einiges abgewinnen können, ohne auf diverse Ausschweifungen zu hoffen. Es ist besonders der Einsatz der verschiedenen Instrumente, die dieses Werk so flüssig am Laufen halten und dafür sorgen, dass man in der Dunkelheit des Sounds versinkt.

Video

Trackliste

01 Oracles Hex
02 A Thorn To See
03 CNN WTZ
04 I’ll Try You All
05 43

Details

Label: Neurot Recordings / Cargo Records
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 45:28

Copyright Cover: Neurot Recordings



Über den Autor

Christopher