Review

Die Bezeichnung „Independent Hardrock“ ziert die Genrebeschreibung auf der Facebookpräsenz der Band Mirrorplain. Was man sich darunter vorzustellen hat, soll nun der erste Longplayer „Path Of Salvation“ der Truppe aus dem Sauerland verdeutlichen.

Zu erwarten ist laut Band eine Mischung aus Hardrock und Heavy Metal, während es das Label Fastball Music, bei dem sie seit 2017 unter Vertrag stehen, kurz und schmerzlos mit der Ankündigung eines „melodischen Rock-Albums“ auf den Punkt zu bringen versucht.

Ungewöhnlich hart, teilweise beinahe metallisch startet „Fortune“ entgegen der Erwartung einer mehr rockigen Ausrichtung in das Debüt und überzeugt durch gute Melodien, eine gewisse Eingängigkeit sowie ein modernes Klangbild. Was dem Hörer auch im weiteren Verlauf noch viele Male begegnen wird, findet bereits jetzt einen Platz im Opener, darunter vor allem die Streicher.

Während viele Ideen konsequent auf Albumlänge durchgezogen werden und steten Eingang in die Songs finden, sieht sich der Hörer im Verlauf des Songs „Eternal Jack“ kurzzeitig gezwungen, zu überprüfen, ob tatsächlich noch dasselbe Album derselben Band im Player steckt, denn hörbar erlebt „Path Of Salvation“ an dieser Stelle einen Bruch. Der präsentierte Schnitt im Stil fällt derart markant aus, dass er negativ wahrgenommen wird. Anschließend schaffen es Mirrorplain nicht mehr, an den starken Beginn des Albums anzuknüpfen und es manifestiert sich der Eindruck, als fehle dem Album ein schlüssiger roter Faden.

Gelungen adaptieren Mirrorplain hingegen traditionelle Stilmerkmale an die Gegenwart und lassen ihre neun Tracks des Albums sehr zeitgemäß klingen. Doch trotz Stilbrüche, Balladen und eine dadurch bemühte Abwechslung wirkt „Path Of Salvation“ recht eintönig; Motivation zum mehrmaligen Hören ist somit nur bedingt gegeben. Eine Ausnahme bildet der Bonustrack „Jerz Off“, der in seiner reduzierten Art am Ende des Albums noch einmal zum Hinhörer mutiert und stark an Gotyes „Somebody That I Used To Know“ erinnert.

Insgesamt nutzen sich zudem die guten Ideen und eingesetzten Elemente wie beispielsweise die orchestralen Zugaben auf „Path Of Salvation“ ziemlich schnell ab. Jene hätte die Band besser als Highlights fungieren lassen und akzentuierter statt überstrapaziert in ihre Songs einbinden sollen. Obwohl Mirrorplain ihren Hörern somit stets viel anbieten, vermisst man das gewisse Etwas; zu häufig plätschern die einzelnen Tracks am Konsumenten vorbei.

Mirrorplain (Copyright: Mirrorplain)

Auch der Gesang bietet wenig Variationen an und ist auf der Albumlänge von knapp 50 Minuten schnell sattgehört. Dass hier definitiv mehr ginge, zeigt die unterschiedliche stilistische Schwerpunktsetzung (mit Songs wie „Fortune“ im eher härteren Gewand, die in der Mehrheit gefahrene (Hard)Rock-Schiene oder der Ausflug in balladeske und/oder akustische Gefilde), bei der sich stimmlich durchaus angepasst werden kann. Das diesbezügliche Potenzial wird bis dato aber nicht ausgeschöpft.

Zusammengenommen bleibt hier noch einiges an Luft nach oben offen. Es deutet sich allerdings an, dass Mirrorplain das nötige Know-how mitbringen, um jenes zukünftig weiterzuentwickeln und auszubauen.

Video

Tracklist

01 Fortune
02 Mirrorplain
03 Salvation
04 Eternal Jack
05 Reparation
06 Unsought
07 Angel Without Wings
08 Tower Of Babel
09 Jerz Off (Bonustrack)

Details

Mirrorplain – Homepage
Mirrorplain – Facebook

Label: Fastball Music / Soulfood
Vö-Termin: 08.09.2017
Spielzeit: 49:55

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde