Review

Sieben Jahre preschen die Jungs aus Goateborg nun schon mit den Hörnern voran durch die Musikwelt. Mit „Goatgrind“ ist ab sofort allerdings Schluss mit genüsslichem Stroh-Verzehr und dem Ablecken von Salzsteinen. Nach sechs Platten, darunter ein Abstecher in die Welt der Covermusik, wollen Milking The Goatmachine ihrem selbsternannten Genre nun Form verleihen. Es beginnt die Grindcore-Invasion für die Ohren und den restlichen Teil der menschlichen Zellenmasse.

Nun folgt das obligatorische Einwerfen der Keywords „Gebolze“, „Gebretter“ und alle weiteren hölzernen Referenzen, vor die man das Präfix „Ge-“ setzen kann. Und wer das von diesem Album erwartet, der bekommt das auch. Ob Humpa-Beats oder Blast, Milking The Goatmachine ziehen beides durch. Für die Energie, aber auch um die Songs plötzlich aus dem Nichts explodieren zu lassen. Damit man als Normalsterblicher dann auch mal hinterherkommt, wartet die Band in seinen Beat-Down Passagen auf den Hörer. Nur um ihn erneut am Genick zu packen und durch die Wand nach vorne zu drücken.

An den Griff oberhalb der Schultern muss man sich auf „Goatgrind“ gewöhnen, denn der Rhythmus der Songs lässt einen im puren Wahnsinn mitnicken. Hier zeigt sich auch wieder die übliche Manier der Jungs, ihre Titel Trommelfelle zwar überrollen, aber von Beginn an einfach einsteigen zu lassen. Nicht umsonst nehmen sie eine Menge ihrer brachialen Songstrukturen von ihren vorherigen Werken mit auf „Goatgrind“.

Während die Powerchords auf den fünfzehn Songs regelmäßig gekickt werden, frischen Milking The Goatmachine ihre Riffs mit ein paar melodischen Einschüben auf. Und auch hier wird wieder das groovige Legato-Spiel reingeworfen. Außerdem wird den Titeln durch die Soli eine Menge Atmosphäre verpasst; ein angenehmer Kontrast zu dem üblichen Grindcore-Marathon. Es beweist, dass man nicht immer gleich die Saiten zerschreddern muss, um Akzente zu setzen und den Sound auszubauen.

Milking The Goatmachine (Copyright: Milking The Goatmachine)

Milking The Goatmachine (Copyright: Milking The Goatmachine)

Nach all dem Charisma, das Milking The Goatmachine in ihrer Musik immer automatisch mitbringen, weist „Goatgrind“ doch ein paar Flecken auf. Auf dieser Platte fehlt leider der typische, catchige Faktor, der bis dato immer auf einem Erzeugnis der Ziegenmänner vorhanden war. Es brettert alles komplett durch, ohne dass man auf Anhieb direkt einen Favoriten hat, der den Hörer fesselt. Vermisst werden Songs in der Art von „Human Domestication“, „Crunchy & Tasty“ oder „Clockwork Udder“, die sofort gezündet haben. Natürlich finden sich hin und wieder ein paar nette Parts wieder, aber es ist einfach nicht dasselbe. Wir haben es ja hier mit durchaus guten Musikern zu tun, die eine Menge gute Ideen haben. „Goatgrind“ zeugt allerdings von einem sehr repetitiven Charakter.

Dennoch, „Goatgrind“ ist ein Brecher. Und zwar einer, mit dem nicht nur Fans glücklich werden dürften. Wieder mal vertreten: eine Menge „Goat“-Wortspiele, denn dieser Running Gag muss irgendwie immer vorhanden sein. Die Titel packen einen und ziehen einen direkt in die Mitte des Pits. Die Gitarren schreien, der Bass pumpt und das Schlagzeug kracht. Außerdem wird man in gewohnter Manier wieder angebrüllt und die Ziege mutiert gerne mal zur Sau.

Auf „Stallzeit“ kamen sie noch in Frieden, auf „Goatgrind“ zeigt sich die wahre Intention: Versklavung.

Anspieltipps:
#Idiot / Mrs. Goatfire (Nanny Of The Damned) / The Goatastic Four

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Preview:

Video zu #Idiot

Trackliste

01 Goatgrind
02 Farm Of The Mutilated
03 Blow Your Sneakers
04 Fear The Goathammer
05 #Idiot
06 U.H.T. Milk Is Murder
07 Mrs. Goatfire (Nanny Of The Damned)
08 Talk To The Hoof
09 No More Space In Herd
10 Shadows And Crust
11 The Goatastic Four
12 Burn Your Shed
13 Sound Of Breaking Horns
14 Wolf Expander
15 Wheels Of Fire (Manowar Cover)

Details

Milking The Goatmachine – Facebook

Label: NoiseArt Records
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 42:52

Copyright Cover: NoiseArt Records



Über den Autor

Christopher