Review

„Soon Before Sundown“ lautet der Titel des neuen Albums von microClocks, einer Band, die zwar international klingt, aber beweist, dass gute Musik auch aus Deutschland (in diesem Fall aus dem Ruhrgebiet) kommen kann. Der Name „Soon Before Sundown“ ist allerdings nicht als Anleitung zum Hören zu verstehen, denn die auf dem Silberling befindlichen elf Songs sorgen nicht nur „kurz vor Sonnenuntergang“ für Freude. Durch die großgeschriebene Abwechslung, die das Quartett hier bietet, ist für jede Tages- und Nachtzeit ein tauglicher Song vorhanden und jene variieren auch in ihrer Stimmung und heraufbeschworenen Atmosphäre.

Somit treibt „Soon Before Sundown“ Tanzwütige auf die Dancefloors der Clubs, während selbst Bewegungslegasthenikern das eine oder andere Kopfknicken und Mitwippen durch mitreißende Melodien und Beats automatisch gelingen wird. Dass microClocks das Tempo auch mal drosseln können, zeigen ruhige melancholische Titel wie „Here I Am“, „Confession“ oder „Nothing But A Thought“.

Die Band stilistisch exakt einzuordnen fällt hingegen schwer. Von harschen Electrobeats über Industrial- oder angedeuteten Dubstep-Momenten bis hin zum gitarrenlastigen Rocksound, der nicht selten mit dem Rock der 70er und dem Pop der 80er Jahre kokettiert, lässt sich die Musik von microClocks als moderner progressiver Synth-Rock-Pop beschreiben – oder kurz: als experimentierfreudigen Electrorock.

Orchestrale Zusätze sorgen dabei ebenso für Dichte wie die gelungene Produktion des Albums. Letztere wundert insofern nicht, da die Band auf professionelle und namhafte Unterstützung zurückgriff. Ein exzellenter Sound für exzellente Songs ist das Ergebnis.

microClocks (Copyright: Lars Besten / microClocks)

microClocks (Copyright: Lars Besten / microClocks)

Bei derart eingeflochtenen unterschiedlichen Stilelementen und der damit einhergehenden Abwechslung klingt kein Song wie der andere und keine weitere Band wie microClocks. Allerdings werden eventuell nicht alle Hörer gleichermaßen Gefallen an den einzelnen Titeln finden. Dem einen könnten die 70er Jahre-Anleihen im modernen Electrosound (beispielsweise im Titeltrack zu hören) nicht zusprechen, dem anderen sind die orchestralen Beigaben (u.a. in „The Edge“) vielleicht zu opulent. Unter dem Oberbegriff Electrorock und mit ihren progressiven Zügen schaffen es microClocks aber sehr gut, die verschiedenen Zutaten zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden. Indem sie ihre Titel zusätzlich sehr melodisch anlegen und damit für den einen oder anderen Ohrwurm sorgen, bleibt „Soon Before Sundown“ nicht nur lange Zeit interessant, sondern birgt auch einiges an Hitpotenzial.

Wer nicht länger 08/15-Synthpop hören möchte, sondern ein musikalisches Unikat mit Anspruch erleben will, dem es zudem nicht an Eingängigkeit mangelt, der sollte hier unbedingt reinhören!

Video

Tracklist

01 Follow The…
02 White Rabbit
03 Soon Before Sundown
04 Love’s End
05 The Edge (Album Version)
06 Here I Am
07 Life Is Grim
08 Confession
09 Nothing But A Thought
10 To A Friend
11 Raptor

Details

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Label: Echozone / Soulfood
Vö-Termin: 18.11.2016
Spielzeit: 45:15

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde