Review

In den letzten Jahren hat sich die Band Messer vereinzelt anderen Projekten gewidmet, in denen sie sich verwirklicht hat, doch für 2016 kündigen sie nun das dritte Album an, welches unter dem Titel „Jalousie“ im August erscheinen wird. Mittlerweile zu fünft schieben die Jungs jedoch erst mal die EP „Kachelbad“ dazwischen. Die Auskopplung von drei offiziellen Songs des Langspielers macht das Warten aber nur noch unerträglicher.

Seit der letzten Platte „Die Unsichtbaren“ hat sich einiges getan. Anhand der EP kann man schon hören, dass sich Messer neu definiert haben und doch irgendwie die Alten geblieben sind. Die Band hat die Grenzen des klassischen Genres verschwimmen lassen. Von dem „Neonlicht“ ist nicht mehr viel geblieben.

Eingeläutet wird mit einem Prolog zu „Kachelbad“, der bereits erste Hörer abschrecken könnte, sollte man nicht in die wortgewandte Art und Weise abtauchen können, wie dieser Titel präsentiert wird. Abgesehen von einem exzentrischen Vortrag und atmosphärischem Free Jazz passiert hier eigentlich nicht viel und doch reicht es aus, um die Hörer auf eine seltsam unangenehme Art in den Bann dieser EP zu ziehen.

Darauf folgen die zwei Songs, die schon mal auf das kommende Album einstimmen sollen: „Der Mann, der zweimal lebte“ und „Detektive“. Ersterer zeigt, dass Messer immer noch irgendwo auf ihrem eigenen Planeten herumschweben, sich aber die Zeit genommen haben, ihren Sound ein wenig konformer zu gestalten. Typisch gibt man sich hier lyrisch wieder metaphorisch und verliebt in diverse Wortspiele. Dieser Titel überzeugt vor allem deswegen, weil er mit minimalen Einsätzen durchweg eine Menge Substanz transportiert.

Gesanglich brachten Messer schon immer eine Mischung aus Martin Semmelrogge und Greg Puciato (The Dillinger Escape Plan) hervor. Im Nachhinein klingt dies doch etwas weit hergeholt, aber das ist es eben, was diese Stimme ausmacht: sehr markant und auch auf „Detektive“ wieder äußerst präsent. Verständlicherweise gewöhnungsbedürftig, aber man sollte sich darauf einlassen, zumal das Organ auf „Kachelbad“ deutlich zugänglicher klingt.

Wie auch immer. „Detektive“ würde gut das musikalische Thema zu einer klassisch amerikanischen Crime-Sendung liefern. Die Gitarren sind scharf und der Rhythmus galoppiert stets voran. Auch die Percussion gibt einen kleinen Einblick in die Experimentierfreudigkeit. Ab da wird klar, dass Messer weitgehend auf den treibenden Bass verzichtet haben, der viele ihrer älteren Songs prägte. Ob „Jalousie“ diesen wieder aufnehmen wird, um mehr Punk in die Musik zu bringen, wird sich zeigen.

Messer (Copyright: Katja Ruge)

Messer (Copyright: Katja Ruge)

Weniger punkig, aber deutlich elektronischer geht es auf dem kleinen Bonus zu, der mit der EP zusammen geliefert wird: die drei Remixe des Songs „Detektive“. Allgemein betrachtet nur ein nettes Gimmick, wobei der „She Has A Cold, Cold Heart“-Mix viele Elemente aus dem Titel aufgreift und die knarzigen Synthis schon sehr unterhaltsam klingen. Auch der vorhergegangene Percussion-Sound am Ende bringt das gewisse Etwas mit sich.

Man kann davon ausgehen, dass sich das zukünftige Album noch spannender gestalten wird, wenn bereits zwei Songs dem Hörer zeigen, wie die Band sich weiterentwickelt hat.
Messer sind also zurück. Und das ist auch gut so!

Video

Trackliste

01 Kachelbad (Prolog)
02 Der Mann, der zeimal lebte (Albumversion)
03 Detektive (Albumversion)
04 Detektive (Thomas Moebius Remix)
05 Detektive (Nik Void / Factory Floor Remix)
06 Detective (She Has A Cold, Cold Heart Remix)

Details

Messer – Homepage
Messer – Facebook

Label: Trocadero
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 29:16

Copyright Cover: Trocadero



Über den Autor

Christopher