Review

Aus dem „Kachelbad“ werfen Messer nun einen Blick durch die „Jalousie“. Worauf man sich mit der EP im Juni bereits vorbereiten konnte, setzt die Band nun in die Tat um. Dabei scheint sich die Musik noch um einiges unnahbarer anzufühlen, als „Kachelbad“ es noch hätte prophezeien können.

„Der Mann, der zweimal lebte“ sowie „Detektive“ waren bereits auf „Kachelbad“ vertreten und beides sind Songs, die sich sofort ins Gehör einbrennen. Mit den neun weiteren Titeln bauen Messer mehr oder weniger auf diesen Stilen auf.

Statt eines „Prologs“ gibt es auf der aktuellen Platte „So sollte es sein“ als Einstieg.
In dem Sound liegt etwas Melancholisches, was nicht zuletzt durch die Klänge der Orgel zusätzlich verstärkt wird. Generell spricht dieser Titel obgleich seiner schleppenden Art die Hörer an. Ähnlich verhält es sich mit „Der Staub zwischen den Planeten“, auch wenn es hier etwas zügiger und psychedelischer zugeht.

„Jalousie“ kann man eigentlich nur einen negativen Aspekt anheften. Die Songs sind nicht gerade das, was man beim ersten Durchlauf begreifen kann. Messer bewegen sich musikalisch und lyrisch stets in ihrer eigenen Welt und es fällt oft schwer, ihnen dorthin zu folgen.

Dabei birgt das Album viel Potenzial, einen Ohrwurm nach dem anderen an den Start zu bringen. Und das ist genau das, was aus dieser Musik mehr werden lässt, als nur generischen Post- oder Indie-Rock.
Gefühlt bringen Messer sehr simple, aber effektive Elemente ein, wobei auch manchmal nur ein einfaches Gitarrenriff oder ein Akkord mit genug Hall ausreicht. Im Grunde wird ein Großteil der Songs aber von den Drums und dessen Effekten sowie den Basslinien gehalten. Ein solides Fundament, auf das die Band ihren Groove und generell eine Menge Einflüsse aufbauen kann.

Lyrisch fließen ebenfalls wieder viel Exzentrik und Eigenart mit ein. Dafür sorgt zudem der polarisierende Gesang, welcher sicherlich nicht für jedermann geschaffen ist, im Kontext der Musik aber alles andere als fehl am Platz wirkt. Zwischen Wortspielen und vielen elementaren Metaphern kommt es auch gerne mal zu Passagen, über die man sich keinen Kopf mehr machen will oder kann, da dann zu viele Gedanken auf einmal aufeinandertreffen würden.

Messer (Copyright: Messer)

Messer (Copyright: Katja Ruge)

So verwässert der Sound auch manchmal klingt, kann er doch nach vorne gehen. Gut zu hören in „Die Echse“, obwohl hier die zündende Idee fehlt, um den Titel länger im Ohr zu behalten; im Gegensatz zu „Meine Lust“, welcher mit hämmernden Rhythmen auch viel Substanz mitbringt.

Man muss für „Jalousie“ sicherlich ein gutes Maß an Geduld mitbringen, um auch alle Feinheiten des Albums zu erkennen, denn Atmosphäre und Stimmung sind bei Messer Begrifflichkeiten, die spätestens nach dem nächsten Durchlauf nicht mehr klar definierbar sind. Ständig erscheint die Musik den Hörer zu erdrücken, tut dies aber auf melodische Art und Weise. Daher fällt es schwer, sich dem Bann von „Jalousie“ zu entziehen, hat man sich erst einmal auf die Platte eingelassen.

Messer füllen ihre Diskografie mit einem weiteren Werk, auf dem sie zeigen, dass sie zwar eine Entwicklung durchgemacht haben, ihrem Stil aber immer noch treu geblieben sind.

Video

Trackliste

01 So sollte es sein
02 Der Mann, der zweimal lebte
03 Detektive
04 Der Staub zwischen den Planeten
05 Meine Lust
06 Im Jahr der Obsessionen
07 Niemals
08 Die Hölle
09 Die Echse
10 Schwarzer Qualm
11 Schaumbergs Vermächtnis

Details

Messer – Homepage
Messer – Facebook

Label: Trocadero
Vö-Termin: 19.08.2016
Spielzeit: 41:21

Copyright Cover: Trocadero



Über den Autor

Christopher