Review

Messer Brüder, ehemals bestehend aus Florian Malicke und Thomas Buchenauer, wuchsen 2015 um „Messer Schwester“ Julia Rothfuchs an und sind seitdem als Trio unterwegs. Mit „Fahr zur Hölle“ präsentiert das Gespann nun ihr neues Album und siedelt sich mit den darauf zu hörenden acht Tracks im Gros der elektronischen Musik an.

Indie, Electropop und einige vernehmbare Züge der NDW verschmelzen in ihrem Sound, der die Hörer vor allem durch die außergewöhnlichen Texte und eine gute Portion Eingängigkeit anspricht.

Mal auf Deutsch, mal auf Englisch gesungen ist es nicht unbedingt die Qualität der stimmlichen Darbietung, die dabei auf Albumlänge überzeugt; vielmehr sorgen der Wiedererkennungswert der Stimme und die abermals an NDW-Zeiten erinnernde Vortragskunst von Julia Rothfuchs für Gefallen. Passend zu den teils unterhaltenden Lyrics bilden diese Inhalte und der Gesang eine harmonische Einheit.

Zuträglich für den „ins Ohr gehenden“ Aspekt der Songs ist zudem der oftmals lässige Beat. So groovt „Mister Disco DJ“ chillig durch die Boxen und versprüht eine gar fröhliche Atmosphäre zum Text, der den Tod des DJs fordert.

Ähnlich „morbide“ gehen Messer Brüder auch das „Smartphone“ im ebenso betitelten Song an. Jener weiß sich zu steigern und zu entwickeln, indem ihn Messer Brüder zunächst überraschend bedächtig einleiten, im Refrain eine Ohrwurmmelodie liefern, die von prägnanten Gitarren begleitet wird, und schließlich wieder zu den ruhigeren Strophen zurückkehren.

Messer Brüder (Copyright: Messer Brüder)

Auf ähnliche Weise ließen sich alle der acht Tracks als Anspieltipps und/oder Albumrepräsentanten hervorheben. Dabei sind es nicht immer die kompliziertesten Songarrangements, mit denen Messer Brüder punkten; doch gerade die teilweise so simple Art sowie die Leichtigkeit und Lässigkeit der Songs tragen maßgeblich dazu bei. Nicht zu vergessen, dass hier insgesamt und in jeder Hinsicht sehr „künstlerisch“ agiert wird. Ein Ansatz, den man vermutlich nicht unweigerlich im Electropop-Bereich erwarten würde und umso erfreulicher durch kleine innovative Ideen aufgenommen wird.

Mit knapp einer halben Stunde Laufzeit ist „Fahr zur Hölle“ allerdings leider ein wenig kurz ausgefallen. Da auch die einzelnen Titel von einer gewissen Kurzweil zeugen, ist das Hörvergnügen, an dem sowohl Electropop- als auch NDW-Fans ihre Freude haben sollten, somit im Nu vorbei. Hier hätten Messer Brüder der Qualität des Albums auch die Quantität anpassen sollen.

Video

Tracklist

01 Elite Partner
02 Rote Ampel
03 Future Retro
04 Mexican Love Affair
05 Fake Fake Coypright
06 Smartphone
07 Mister Disco DJ
08 Public Self-Defense

Details

Messer Brüder – Bandcamp

Label: Reptile Music / Mira Records / Altone
Vö-Termin: 07.04.2017
Spielzeit: 33:46

Copyright Cover: Reptile Music / Mira Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde