Review

Unsere Schwerstmetaller aus Schweden, Meshuggah, melden sich 2016 mit ihrem neuen Werk „The Violent Sleep Of Reason“ zurück.

Meshuggah ist eine Band, die man sich aus der Metalszene nicht mehr wegdenken kann. Ihr kompromissloser Mix aus Death Metal, Technical Death Metal und absoluter Perfektion in Rhythmus und Sound sind das Markenzeichen der Krachmacher.
Die Jungs stachen gerade auf den letzten Alben mit ihrem klinischen Gesamtsound hervor, als hätte eine Maschine die Platte inszeniert, doch in Wirklichkeit wurde alles so aufgenommen, dass es perfekt sitzt. In 2016 verfolgt man einen anderen Ansatz: back to the roots – und natürlich soll es auch so klingen. Daher nahmen Meshuggah ihre Songs live in kompletter Bandbesetzung auf. Das bringt einen gewaltigen Dynamikzuwachs und lässt an die alten Werke erinnern.

Wie kann eine Band eine so dermaßen heftige Macht sein? Der erste Song auf „The Violent Sleep Of Reason“ heißt „Clockworks“. Man würde einen perfekten Sound wie in einem Uhrwerk erwarten. Etwas anders startet die Scheibe dann aber doch. Pure Gewalt und mechanische Klänge prasseln auf die Hörer nieder, jedoch sehr chaotisch und stark an die „I“-EP erinnernd. Kurz darauf wird es technisch und ungewohnt metallisch. Tomas Haake hat Bock auf Doublebass und spielt sein Können deutlich mehr aus. So viel Geschwindigkeit und Schlagzeugarbeit wie auf dieser Platte hat man selten von ihm gehört.

Nicht nur am Schlagzeug gibt es viel zu bestaunen, Meshuggah bringen zudem deutlich mehr Melodie und straightes Songwriting auf „The Violent Sleep Of Reason“ mit. So kann man öfter mal den Kopf wippen lassen, ohne sich völlig zu verzetteln.

Bezüglich der Rückbesinnung sollte man aber keine Angst haben, dass die Platte nach Proberaum und schlechten Aufnahmen klingt. In „Born In Dissonance“ klingen Meshuggah vielmehr nach ihren Alben „Koloss“ oder „obZen“. Der Sound ist jedoch etwas offener und lädt den Hörer deutlicher ein. Das dürfte den Weg für Nicht-Meshuggah-Hörer etwas ebnen. Der Band wäre es zu wünschen, denn noch hören sie viel zu wenig. Eingefleischte Fans finden die Songs vielleicht sogar zu Mainstream, denn man wird das Gefühl nicht los, dass die Band ein wenig nach anderen Truppen klingt – und nicht anders herum. Vielleicht hat man sich inspirieren lassen. Schlecht ist das nicht, da die Jungs dadurch frischer und energiereicher denn je wirken und man dennoch den geliebten Prog-Anteil wiederfindet.

Meshuggah (Copyright: Nuclear Blast)

Meshuggah (Copyright: Olle Carlsson)

Was man auch wiederfindet, ist der unverwechselbare Gitarrensound von Fredrik und Marten. Die Jungs reißen mit ihren 8-Saiter-Monstern so gut wie alles nieder. Ihre catchigen Riffs, die zum Grooven einladen, findet man auf ihrem neusten Werk natürlich ebenfalls – und diesbezüglich legen sie sogar noch einmal eine ordentliche Schippe Groove drauf. Zwar gibt es kein „Bleed“ oder „Do Not Look Down“, dafür kriegt man mit dem Titeltrack, „Nostrum“ und „Into Decay“ absolut dissonante Groove-Monster, die sich einbrennen. Großartig sind hierbei auch die eingestreuten Soli, die schon immer ungewöhnlich waren, aber super zur Musik passen.

Unfassbar, was Meshuggah dieses Jahr mit „The Violent Sleep Of Reason“ auf den Markt bringen. Mehr Metal, mehr Dynamik und vor allem wieder ein Powerhouse. Diese Scheibe dürfte nun endlich auch Meshuggah-Neulinge zur Band bringen. Mit „The Violent Sleep Of Reason“ bieten sie uns jedenfalls eine facettenreiche Scheibe, die man so nirgendwo anders zu hören bekommt.

Video

Trackliste

01 Clockworks
02 Born In Dissonance
03 MonstroCity
04 By The Ton
05 Violent Sleep Of Reason
06 Ivory Tower
07 Stifled
08 Nostrum
09 Our Rage Won’t Die
10 Into Decay

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 07.10.2016
Spielzeit: 58:55

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus