Review

Es wird wieder mal debütiert. Dieses Mal trifft es die Band Meraine und ihr selbstbetiteltes Album. Und was erwartet einen darauf? Eine Mischung aus energetischem, vielleicht sogar hyperaktivem Post-Hardcore, gepaart mit dem verstörenden Einfluss des Noise.

Ein dicker Pluspunkt direkt zu Beginn: Der Sound auf dieser Platte ist gewaltig. Er scheint dem Hörer buchstäblich mit all seinem Gewicht auf die Ohren herunterzufallen. Meraine gehen diesbezüglich nur wenige Kompromisse ein. Mit einer nie enden wollenden Flut aus Gehämmer auf den Drums und dem Heißglühen der Saiten wird man schon nach der obligatorischen Rückkopplung mit „Empathy“ empfangen.

Doch an Empathie ist kaum zu denken, denn für das Quartett geht es eigentlich nur nach vorne. Einzig ein paar atmosphärische Einlagen vermögen es, das Ganze im Zaum zu halten. Für den Rest explodiert „Meraine“ immer wieder aufs Neue. Doch selbst in den etwas langsameren Passagen wie in „Entropy“ fehlt der Truppe nicht die Energie und hier sind besonders die Betonungen am Schlagzeug hervorzuheben.

Leider wirkt dieses akustische Gehacke auf Dauer aber sehr ermüdend. Man möchte natürlich sehr aggressiv auftreten und das noch mit Geschrei untermauern. Dies betreffend erfüllen Meraine auch sämtliche Wünsche, allerdings nicht, wenn es darum geht, mal etwas Abwechslung einzubringen.

So ähnelt sich ein Großteil der Songs und man kann kaum einen Anfang geschweige denn ein Ende ausmachen. Live ist das Gebolze überaus angebracht, aber für eine längere Albumdauer wirkt es stumpf, und weil sich dabei auch nicht die innovativsten Elemente eröffnen, fehlt an manchen Stellen ein bleibender Eindruck. In dieser Hinsicht ist noch eine Menge Luft nach oben.

Meraine (Copyright: Isabel Schürholz)

Meraine (Copyright: Isabel Schürholz)

Dennoch kann man sagen, dass „Meraine“ vor allem durch seine Extreme besticht. Dazu noch eine sehr raue Produktion, die wie eine direkte Aufnahme aus dem Proberaum klingt. Auch der exzessive Gebrauch der Vocals verstärkt das Gefühl, dass hier schweißtreibende Arbeit betrieben wird. Wenn sich die Band einmal selbst stoppt, klingt das dann so, als wäre man plötzlich in eine andere musikalische Welt geraten.

Am Ende etwas zu monoton, aber wenn man sich dem Grundprinzip anschließen kann, hebt die Band mit „Meraine“ den Adrenalinspiegel und den damit verbunden Drang, sich zu bewegen, deutlich an.

Trackliste

01 Empathy
02 Teeth
03 Entropy
04 Limbs
05 Rusted Veins
06 Black Raven
07 Floatage
08 Abandon
09 Marrow

Details

Meraine – Facebook

Label: Moment Of Collapse Records
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 29:47

Copyright Cover: Moment Of Collapse Records



Über den Autor

Christopher