Review

Ein Blick auf das Genre, Noisecore, mit anschließendem Auge auf den Albumtitel „Reflect Your Pain“ lässt einen kurz erschaudern. Muss man hier eine Beschallung abstrakter Geräusche in unlogischen Rhythmen der Trommelfelle erwarten, bis man den Punkt überschreitet, an dem man sich in einem Anfall voll psychischer Ekstase darin verliert? Nein. Membrane aus Frankreich vollführen überwiegend pulsierenden Hardcore mit Noise und leichten Rock-Einflüssen. Beschallt wird man zwar auch mit einer Menge Sound, der aber eine mitziehende Energie in sich vereint.

Zu beinahe keinem Zeitpunkt bleiben die Gitarren oder der Bass still. Von dem Schlagzeug ganz zu schweigen. Oft mit einem Finger auf den Bünden, die Akkorde geradlinig über die stampfenden Drums hinunterspielend. Dazu die dröhnenden Basslinien, die sich wie ein dunkler Mantel auf „Reflect Your Pain“ niederlegen. Von zwei Seiten kommt Hardcore-Gebrüll. Die überwiegend höhere Stimme (nicht falsch verstehen, die bringt eine Menge Kraft mit) wird zwischendurch von tieferem Gegröle abgelöst.

Weil Membrane Wert auf einen sehr zielstrebigen Sound legen, lässt sich ihre Platte auch flüssig in einem durchhören. Die tiefen, verzerrten Riffs enden zunehmend auch in melodischen Akkorden, die ein wenig Licht in die durchgehend düstere Atmosphäre bringen. Leider ist es so, dass man als Hörer oft das Gefühl hat, aufgrund der wenigen Differenzierungen unter den Songs, sich einem langen Song widmen zu müssen, als mehreren einzelnen. Und auch die melodischen Parts unterscheiden sich nur begrenzt voneinander. Beispielsweise klingen „Leaving A Trail“ und „Breath“ zu Beginn sehr ähnlich, besonders aufgrund der Abfolge der Akkorde und deren gewisse Ähnlichkeit zueinander.

Ein wenig Abwechslung gibt es mit dem Schlusslicht „Lonesome“. Hier gibt es in Sachen Stimmen zusätzlich weibliche Unterstützung. Dieser Titel hat, indem sich die Band mehr Zeit für die Strukturen nimmt, im Gegensatz zum Rest des Albums einen stark doomigen Charakter. Aber auch ohne diese Ausschweifungen bolzt sich „Reflect Your Pain“ gut voran, mit einer Menge energetischen Hardcore, stellenweise groovigen Rhythmen und seiner aggressiven Herangehensweise.

Membrane (Copyright: Membrane)

Membrane (Copyright: Membrane)

Membrane profitieren von einer durch und durch finsteren Einstellung, die sich durch die gesamte Platte zieht. Die Bässe pumpen ordentlich in den Sound hinein und die Vocals verleihen dem Ganzen etwas Episches. Leider ist es so, dass „Reflect Your Pain“ etwas Greifbares fehlt, etwas woran man den typischen Membrane-Sound erkennen kann. Hauptsächlich ist es so, dass viele der Details in dem großen Ganzen einfach untergehen. Die Platte klingt viel zu viel auf Power getrimmt, als auf auffrischende Variationen.

Und dennoch hat die Band Momente, in denen sie durchaus hervorstechen kann. Davon aber viel zu wenige, oder sie bleiben im Verlauf der Platte unbeachtet. Da geht auf jeden Fall noch mehr. Ein solider Gesamteindruck bleibt dennoch bestehen. „Reflect Your Pain“ nutzt man als Entladung seines Frusts, in dem man die Musik förmlich einsaugt und unablässig mit dem Kopf dazu nickt. Hardcore, der schmerzlos Wände durchschreitet und zugleich auch Gefühl zeigen kann.

Vdeo

Trackliste

01 A Dead Weight
02 The Face
03 Leaving A Trail
04 Breath
05 Never Ending
06 Lonesome

Details

Membrane – Homepage
Membrane – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 15.04.2015
Spielzeit: 35:42

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher