Review

Es gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton, dass Bands in gewissen Abständen Best-of Alben veröffentlichen. Daher ist es nun auch bei Melotron so weit, dass sie mit „Werkschau“ eine Platte produzieren, die ihre größten Hits beinhaltet.
Doch es wurden nicht einfach lieblos bereits existente Songs zusammengesucht und auf eine CD gepresst; vielmehr haben sich Melotron alle Songs noch einmal vorgenommen und neu eingespielt.
So ist „Werkschau“ ein Album, das auch jene überraschen wird, welche die jeweiligen Urformen der Songs schon besitzen. Zusätzlich gibt es in der vorliegenden 2CD-Version eine CD voller bisher ungehörter Raritäten, die ebenfalls neu eingespielt wurden.

Eröffnet wird „Werkschau“ vom wohltuenden „Du bist es nicht wert“. Diese Nummer findet im Mid-Tempo Sektor statt und wurde mit einem dezenten, aber wirkungsvollen Beat versehen. Man kann zu diesem Song genauso gut tanzen wie kuscheln oder sich einfach in den komplexen Melodien verlieren. Zusätzlich bieten Melotron einen Refrain, der extrem schnell ins Ohr geht und gerne mitgesungen werden möchte.

Das nun folgende „Love is calling“ besitzt einige balladeske Züge; diese haben auch nach dem Einsetzen des Basses noch Bestand. Der Bass ist deutlich aggressiver als noch beim Opener „Du bist es nicht wert“. Gleichzeitig sind die Melodien aber fröhlicher, was insgesamt einen positiven und ruhigen Eindruck vermittelt.
Abermals präsentieren Melotron einen Refrain mit großer Ohrwurmgefahr. Die geschickt eingewobenen Melodien sind extrem vielschichtig und verlangen nach mehreren Durchläufen, um komplett erschlossen zu werden.

Deutlich clubtauglicher kommt das schnellere „Dein Meister“ daher. Zwar handelt es sich auch bei diesem Track nicht um eine extrem schnelle Nummer mit einem BPM-Wert von hastenichgesehen, aber dennoch haben Melotron merklich an der Geschwindigkeitsschraube gedreht. Hinzu kommen ein recht düsterer Beat, aggressiv klingende Melodien sowie verzerrter Gesang. Diese Elemente verbinden sich zu einem stimmigen Gesamtkonzept, welches durchaus Freude bereitet und den Körper animiert, im Takt eine möglichst hohe Zahl an Extremitäten zu bewegen.

Melotron (Copyright: Melotron)

Melotron (Copyright: Melotron)

„Brüder“ startet schon einmal mit einer recht episch klingenden Introsequenz, die durchaus Vorfreude auf diesen Track schürt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich dieser Titel auf eine interessante Art und Weise weiter, bietet immer wieder spannende Melodien und einen Refrain, in dem der Song – obwohl er ebenfalls eher ruhig ist – fast ein wenig eskaliert.
Ein sehr gelungenes Stück, welches auch nach diversen Durchläufen noch eine Menge Spaß bereitet.

Durch „Sommer“ wird die zweite CD eröffnet. Abermals zeigen sich Melotron von ihrer ruhigen Seite, präsentieren mit „Sommer“ sogar eine melancholische Nummer, obwohl man bei diesem Titel eher an etwas Fröhliches denken mag. Dennoch ist „Sommer“ gelungen und lädt zum Entspannen ein.

„Venus“ ist ein spannender instrumentaler Titel mit vielen experimentellen Zügen, der komplett anders klingt, als vieles, was sich auf diesem Album findet. Trotzdem ist „Venus“ in sich stimmig und wartet vor allem mit einer hohen Komplexität auf.

„Werkschau“ von Melotron ist definitiv mehr als nur ein schnödes Best-of. Man merkt deutlich, dass sich die Band sowohl für die Auswahl als auch für die Überarbeitung der Songs viel Zeit genommen hat und so komme ich zu dem Urteil, dass man vieles schlechter, aber kaum etwas besser hätte machen können.
„Werkschau“ ist nicht nur für Melotron-Fans ein Muss, sondern sollte auch von all jenen näher ins Auge gefasst werden, die ein Faible für abwechslungsreiche und intelligente elektronische Musik haben, die eben nicht immer möglichst viel BPM beinhalten muss.

Video

Tracklist

CD 01

01 Du bist es nicht wert
02 Love is calling
03 Nur ein Licht
04 Arroganz der Liebe
05 Dein Meister
06 Das Herz
07 Gib mir alles
08 Kindertraum
09 Brüder
10 Stuck in the Mirror
11 Halt mich fest

CD 02

01 Sommer
02 Sie ist
03 Wohin
04 Wenn es nichts mehr gibt
05 Folge mir ins Licht
06 Venus
07 Damals
08 Kein Problem
09 Wir warten
10 Mir wird kalt wenn ich an Dich denke
11 Alles von Dir

Details

Melotron – Homepage
Melotron – Facebook

Label: Out of Line
Vö-Termin: 06.06.2014
Spielzeit: 47:20 (CD1), 60:26 (CD2)

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.