Review

Dieses Mal gibt es mit dem Album „Highwire Haywire“ wieder etwas für alle Folk-Liebhaber unter euch. Die Geschwister Max & Laura Braun geben sich mit diesem Machwerk ein zweites Mal die Ehre. Und auch hier steht die Entschleunigung deutlich im Vordergrund. Ruhig und gelassen geht es in den zehn untereinander abgestimmten Songs zu. Neben dem allgemeinen Folk-Einfluss gesellen sich Pop- und leichte Jazzattitüden hinzu.

Überwiegend begleitet werden die Titel auf „Highwire Haywire“ von einer gezupften Gitarre, die grundsätzlich den Rhythmus angibt. Allerdings darf auch die weich gespielte Percussion nicht fehlen. Die restlichen Lücken werden beispielsweise vom Xylofon, einem Banjo oder Streichinstrumenten gefüllt.

Der Sound auf diesem Album nähert sich immer an die Grenzen einer positiven Atmosphäre an, ohne jedoch ihren melancholischen Grundton zu verlieren. An vielen Stellen hat man als Hörer das Gefühl, die Musik würde vorne überkippen, bis sie sich in sich selbst wieder fängt. Passend dazu Lauras weiche, betörende Stimme, welche die Stimmung im weiteren Verlauf der Platte immer stabil hält.

Besonders nett anzuhören ist der dezent jazzige Titeltrack „Highwire Haywire“, der in ruhigem Tempo voranschreitet. Das Arrangement der Instrumente sorgt für einen vollen Sound, der durchaus greifbar klingt.

Max & Laura Braun (Copyright: David San Millán del Río)

Max & Laura Braun (Copyright: David San Millán del Río)

Etwas unkonventioneller geht es in „While I’m Asleep“ vonstatten. Dieser Titel weist eine leicht komplexere Struktur auf. Von der Platte auf jeden Fall der interessanteste von allen. Und auch die Grundstimmung wird hier noch einmal um ein paar Meter abgesenkt. Das durchgehende Fingerpicking wird von den Klängen des Xylofons passend untermalt. Gegen Ende hin wird der Folk-Sound dann noch etwas durch Riffs und Basslinien überholt.

Über Texte im Folk lässt sich ja bekanntlich streiten. Es werden häufig nicht allzu komplizierte Lyrics aufgestellt, bei denen man nicht um zig Ecken denken muss, um sie zu verstehen. Dennoch hätte ich mir von „Highwire Haywire“ ein paar weniger „simple“ Texte versprochen. Hauptsächlich wirken sie auf diesem Album sehr oberflächlich, was sich aber in dem bezaubernden Gesang oft genug verliert.

Wer neben dem mäßigen Tempo auch mal schnellere Passagen erwartet, ist mit „Highwire Haywire“ definitiv an der falschen Stelle. Max & Laura Braun nehmen sich eine Menge Zeit, ihre musikalischen Intentionen gut rüberzubringen. Daher sollte man nicht gerade mit 180 Sachen über die Autobahn rasen, während man sich das Album anhört. Es sei denn, man möchte seinen Herzschlag dabei unter Kontrolle halten.

Also am besten eine Menge Geduld und Zeit in diesen Folk investieren, der durch Jazz und Pop stellenweise noch einmal eine Spur aufgerieben wird. Geeignet für die innere Ausgeglichenheit, bei der außerdem die Hirnwindungen etwas beansprucht werden.

Video

Trackliste

01 Plea
02 Beyond The Houses
03 Highwire Haywire
04 It Has Been Raining
05 The Weatherman
06 Summer Song
07 The Nature Of Things
08 Time Is Taking All My Time
09 While I´m Asleep
10 Tired Years

Details

Max & Laura Braun – Homepage
Max & Laura Braun – Facebook

Label: Interbang Records / Broken Silence
Vö-Termin 20.03.2015
Spielzeit: 40:41

Copyright Cover: Interbang Records



Über den Autor

Christopher