Review

Auffällige Bandnamen haben oft einen sehr banalen Ursprung. Die drei Jungs aus England haben ihre Band wohl nach den regelmäßigen Nickerchen im Matheunterricht benannt. Maths And The Moon scheinen auch definitiv nicht in unserer Welt, geschweige denn im gleichen Universum zu leben. In der Musik auf „Night Train Daydream“ leben sie wirklich ihre Tagträume aus. Dabei alternieren sie zwischen den verschiedensten Elementen hin und her.

Den Sound zusammenzufassen, fällt wirklich schwer, da man zunächst denkt, man weiß, worauf alles hinausläuft. Doch dann, von einem Track auf den nächsten, ändert sich das Arrangement der Titel komplett. „On A Knife Edge“ beginnt mit groovigen Drums und einem Sprechgesang, bei dem man sich wie in einem Poetry Slam vorkommt. Im Gegensatz dazu der Refrain, der an sehr druckvollen Neo Punk erinnert. Dann ist da „Old Days/New Daze“ (nettes Wortspiel mit der Aussprache), welcher mit viel Psychedelic und Atmosphäre daherkommt.

Maths And The Moon machen dem Genre „Alternative“ alle Ehre. Es wirkt fast so, als hätten die Jungs einen Song angefangen und mittendrin aus Lust und Laune irgendwelche Ideen hinein geworfen. Und damit kommen wir auch schon zum schwierigen Teil des Albums. Denn dieses willkürliche Zusammenwürfeln von Einflüssen passt teilweise. Aber leider auch nur teilweise.

Beispielsweise der Song „Hekyll And Hyde“, der zunächst mit sehr monotonen Riffs dahin tröpfelt, während der Gesang betrunken wirkt. Dazu kommen die doch sehr zweitklassigen Lyrics. Allerdings alles zu Beginn. Mittendrin spielt die Band dann noch ein wenig Rock ein, um alles etwas aufzulockern. Und dann, in der Mitte, kommt dieses total durchgedrehte Anti-Aggressions-Zählen von eins bis zehn, in welches sich der Sänger immer weiter reinsteigert. Bis schließlich die Vocals von einem total abgefahrenen und hupenden Gitarreneffekt abgelöst werden. Schade, dass dieser Ansatz nicht besser umgesetzt wurde und man sich dann mit nur einem zur Hälfte interessanten Song begnügen muss.

Maths and the Moon (Copyright: Maths and the Moon)

Maths and the Moon (Copyright: Maths and the Moon)

„Night Train Daydream“ ist auf der einen Seite bizarr und auf der anderen doch irgendwie interessant. Obwohl hauptsächlich experimentelle und psychedelische Titel überwiegen, finden sich doch auch einige zugänglichere wie „Light at the 11th Hour“. Hier zu finden sind arroganter Rock mit einer Ohrwurm Hook. „Polychrome“ hingegen enthält gegen Ende dann noch einmal eine Mischung aus Elektro und Punk für den Hörer bereit.

Zwischen den Tracks hat die Band auch kleinere Interludes eingebaut, die überwiegend aus einer Menge Geräuschen bestehen. „WWYB (The Demons March)“ wirkt wie ein Alptraum. Durch dieses höhnische „Dam Dam Da Dam“ fühlt man sich schon fast verfolgt, was die Lyrics „We want your Blood“ zum Schluss auch nicht besser machen. Aber dennoch sind diese kleinen Zwischenspiele doch gut anzuhören, wie „Recurring Dream Number 13“ mit seiner verdrehten Lounge-Musik.

Es ist schwer, den Sound und die Intention der Band richtig einzuordnen. Die Platte hat durchaus seine starken Momente und doch wirkt sie stellenweise sehr abgedriftet und instabil. Wer es vielseitig mag, der wird „Night Train Daydream“ eine Menge abgewinnen können. Mit jedem neuen Song erwartet den Hörer eine neue Überraschung und Maths And The Moon zeigen sich durchaus wandelbar, was die Songstrukturen angeht. Ihr mögt es alternativ? Sehr alternativ? Dann ist dieses Album für euch.

Video

Trackliste

01 FFwD (Fly From Danger)
02 On A Knife Edge
03 Hekyll And Hyde
04 It´s Okay To Be Afraid
05 Recurring Dream Number 13
06 Old Days/New Daze
07 WWYB (The Demons March)
08  Anxious Cats
09 Monochrome
10 Lolocomo
11 Lights At The 11th Hour
12 Polychrome

Details

Maths and the Moon – Facebook

Label: inellipse records / Timezone
Vö-Termin: 24.10.2014
Spielzeit: 55:01

Copyright Cover:



Über den Autor

Christopher