Review

Masters of Metal – das ist, wie man eventuell aufgrund der plakativen Titulierung vermuten könnte, weder der Name eines Sideprojekts von Manowar noch ein neues Album ebenjener Altveteranen, sondern derart „bescheiden“ nennt sich die Kollaboration aus ehemaligen Mitgliedern von Agent Steel, Possessed, Body Count und Fates Warning. Genauer gesagt toben sich hier Bernie Versailles, Juan Garcia, Robert Cardenas und Rigo Amezcua musikalisch aus. Talent und Erfahrung bringen die Herren also schon mal mit, entsprechend hoch sind die Erwartungen an ihr Debütalbum „From Worlds Beyond“, denn wo Masters of Metal draufsteht, sollten auch Meister vom Fach drinstecken.

Die ersten Durchgänge von „From Worlds Beyond“ zeigen jedoch, hin und wieder hat man sich mit der hochgegriffenen Bandbezeichnung selbst ein Ei gelegt.
An den Fähigkeiten von Masters of Metal gibt es zwar rein gar nichts auszusetzen, dies wird beispielsweise nicht zuletzt anhand der hervorragenden Gitarrensoli (von denen einige aber auch von Helstar-Mitglied Larry Barragan in seiner Rolle als Gastmusiker eingespielt wurden) deutlich, und auf der Spielzeit von knapp 47 Minuten liefern die Mannen auch mehr als solide ab, allerdings bleiben viele Songs hinter ihrem Potenzial zurück, dem Sound fehlt es an Druck und Durchschlagskraft, den Melodien an Nachhaltigkeit und insgesamt bleiben die zu erwartenden Highlights weitgehend aus.

Dabei fängt alles so gut an. ‚Speedy‘ „Supremacy“ erinnert sowohl an frühe Blind Guardian als auch – durch den Wechsel von tiefen Cleanvocals zum gelungenen schrillen Falsettgesang – an King Diamond.
Dieser Wechsel wird dem Album jedoch recht schnell zum Verhängnis, denn da diese gesangliche Welle in der Mehrheit der Songs auf „From Worlds Beyond“ über den Hörer schwappt, droht dieser darin insofern zu ertrinken, dass die betroffenen Songs einfach zu oft zu ähnlich klingen.

Doch als ob man dem Einhalt gebieten möchte, kommen Masters of Metal in „Third Eye“ erstmals mit progressiven Elementen und dezent gutturalen Anleihen um die Ecke. Das Tempo wird ebenfalls zurückgenommen, sodass der Track fast schon schleppende oder zumindest tragende Phasen besitzt.

In „Evolution Of Being“ kombiniert man den Speed- und Progressive-Anteil wiederum sehr harmonisch miteinander, sodass hier vor allem die Melodic-Fans auf ihre Kosten kommen. Stimmlich wird es in diesem Song zuweilen ebenfalls sehr melodisch, doch auch vor core-artigen Backing“shouts“ macht man nicht Halt. Das bringt dem Track eine gute Dynamik ein.

Für den Rauswurf trumpft man zusätzlich mit einem Gastauftritt des Helstar- und Vicious Rumors-Sängers James Rivera auf, der an Kopfstimmen-Parts nicht geizt. Doch auch hier wäre eine kraftvollere Produktion von Vorteil gewesen.

Was man jedoch außerdem positiv erwähnen muss, ist die Tatsache, dass Bernie Versailles auf „From Worlds Beyond“ insgesamt eine hervorragende gesangliche Leistung abliefert – und das, obwohl der Musiker noch während der Fertigstellung des Albums aufgrund einer Hirnverletzung zwischenzeitlich im Koma lag. Glücklicherweise gehört dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit an und seinen Kampfgeist, mit dem er sich vermutlich ins Leben zurückgebracht hat, meint man auch in seinem Gesang durch energischen Vocal-Einsatz wahrzunehmen.

Masters of Metal (Copyright: Masters of Metal)

Masters of Metal (Copyright: Masters of Metal)

Masters of Metal beleben mit einigen Songs auf „From Worlds Beyond“ den traditionellen (Melodic) Speed Metal der 80er und 90er Jahre wieder. Böse Zungen könnten nun behaupten, der Zusammenschluss der vier erfahrenen Musiker käme damit 10 bis 20 Jahre zu spät und soundtechnisch wäre hier auch noch deutlich mehr drin gewesen, doch in Zeiten des Booms an Death-, Thrash- und Core-Bands jeglicher Fasson ist es doch mal wieder schön, derartige Töne, wie die Masters of Metal sie hier zeitweilig „zelebrieren“, zu vernehmen. Daher tut es zwar der Abwechslung gut, dass einigen Titeln progressive Strukturen verliehen wurden, gleichzeitig fällt „From Worlds Beyond“ dadurch aber immer wieder aus seiner zunächst im Opener „Supremacy“ und im anschließenden „World Left In Cinders“ gezeigten und beim Hörer willkommenen Fassung. Alles in allem bleibt aber ein gutes Debüt, das allen Genrefans empfohlen werden kann. Legt man beim nächsten Output noch einen Schuss Melodik zu und merzt die oben erwähnten Kritikpunkte aus, kann man sich auch zukünftig auf weiteres Material der Masters of Metal freuen. Es gilt daher, die Herren auch weiterhin im Auge zu behalten.

Video

Tracklist

01 Supremacy
02 World Left in Cinders
03 Third Eye
04 Tomb Of Ra
05 Eclipse
06 The Mindless
07 M.K. Ultra
08 Into The Vortex
09 Doors Beyond Our Galaxy
10 Evolution Of Being
11 Vengeance & Might (ft. James Rivera)

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 21.08.2015
Spielzeit: 46:55

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde