Review

Mit ihrem Song „I Idolize You“ trugen Massive Ego nicht nur zur Tracklist der letzten Ausgabe des Out of Line hauseigenen Samplers „Electrostorm Volume 6“ bei, sondern lieferten mit dem Club-Smasher gleich einen Hit ab, der auf mehr hoffen ließ.
One-Hit-Wonder oder ein vielversprechendes Projekt, das mit Massive Ego 2015 auf Freunde des gepflegten Electro zukommt? Das war die Frage – und eine Antwort soll die EP „Noise In The Machine“ geben.

Allzu viele neue Eindrücke bescheren uns Massive Ego darauf allerdings nicht, denn abgesehen von „I Idolize You“ werden dem tanzwütigen Volk gerade mal zwei weitere neue Songs (mit Namen „Generation V“ und „Dead Silence Rising“) präsentiert. Um den übrigen Platz EP-würdig zu füllen, legten sowohl Leaether Strip als auch Aesthetic Perfection Hand an den Titel „I Idolize You“ an, und auch Massive Ego selbst tobten sich in weiteren Eigenfassungen der neuen Songs aus. Als eine Art Bonus gibt es dann noch den Titel „Low Life“ zu hören, der bereits 2014 auf einer EP von Empire State Human veröffentlicht wurde, mit denen Massive Ego diesbezüglich zusammenarbeiteten.
Macht in der Summe schließlich neun Tracks, doch kann die Qualität mit der Quantität mithalten?

Der Song „I Idolize You“ zeigt sich kritikresistent bzw. wird man keinerlei Kritikpunkte finden, die dem Titel anzudichten wären. Vielmehr legen Massive Ego damit eine Punktlandung hin. Kaum, dass die ersten verzerrten Synthie-Töne erklingen, drängt der Song den Hörer zur Bewegung. Stampfend und eindringlich geht es in den Strophen weiter, während der Refrain durch Simplizität, überschaubare Lyrics, positive Monotonie und repetitiven Charakter überzeugt. „I Idolize You“ geht schnell ins Ohr und nur schwer wieder aus dem Kopf.

Dem „Original“ stehen auch die unterschiedlichen Remixe auf „Noise In The Machine“ in nichts nach. Während Leaether Strip ihrer Fassung eher dunklere und „reduziertere“ Züge verleihen, sodass vor allem die hypnotische Wirkung des Refrains bestens zum Ausdruck gebracht wird, bringen Aesthetic Perfection zeitweilig mehr Tempo und harschere Beats in den Titel.

Einer Hymne gleich entwickelt sich „Generation V“. Spätestens damit wird deutlich, dass es sich lohnt, auch auf die Texte von Massive Ego zu hören, die unter anderem einen Blick hinter die Kulissen der photogeshoppten Glamourwelt werfen oder zeitgenössisch der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.
Gepitchte Vocals, Zerrsounds und dichte Synthiewände dominieren den Song, der darüber hinaus enorm eingängig ausgefallen ist.

Letzteres kann ebenso „Dead Silence Rising“ von sich behaupten, der zugleich ein guter Beleg dafür ist, dass bei Massive Egos Musik immer auch von einer – wie das Infoschreiben zur EP so treffend formuliert – „Weiterentwicklung der New-Romantic-Bewegung der 80er“ die Rede sein kann. 80er Feeling, synthpoppige Grundstrukturen und ein Hauch Dark Pop sind spürbar und ein mitschwingender Retrocharme wird der Moderne klanglich angepasst.

Massive Ego (Copyright: Matt Spike)

Massive Ego (Copyright: Matt Spike)

Für Fans von Remixversionen gibt es natürlich auch zu den beiden Titeln „Generation V“ und „Dead Silence Rising“ entsprechendes Material zu hören.
Interessanter ist da allerdings eher der Song „Low Life“, der hier als „Zarkoff Remix“ vertreten ist. Teils arhythmisch erscheint die elektronische Basis des Tracks und verpasst ihm dadurch das gewisse Etwas. Der Chorus hingegen kommt sehr gemäßigt daher und wirkt in sich stimmiger. Alles in allem eine Nummer, die als Rauswurf gerade recht kommt und den ersten guten Eindruck mehr als bestätigt.

Da Projektmitgründer Marc Massive in seiner Vergangenheit unter anderem als Bühnentänzer für Boy George tätig war, wäre es nur wünschenswert, Massive Ego mit mehr Songs im Gepäck nächstes Jahr auf dem einen oder anderen Festival hierzulande begutachten zu können. Der extrovertierte Look (vor allem der beiden Projekt-Vorsteher) und die eingängig-tanzbaren Hits, denn anders kann man die neuen Titel der Londoner nicht bezeichnen, schreien förmlich danach, live erlebt werden zu wollen.

Dass es im Falle von „Noise In The Machine“ nicht für die Höchstwertung gereicht hat, liegt letztlich nicht an der Qualität der hier zu findenden Titel. Es ist vielmehr der Enttäuschung darüber zuzuschreiben, dass es nicht mehr neue Songs sind, die Massive Ego den Hörern bieten, sowie eine rein individuelle Geschmacksfrage hinsichtlich der Remixfassungen der Tracks.

Trailer

Video

Tracklist

01 I Idolize You (Modification Edit)
02 Generation V (Frixion Mix)
03 Dead Silence Rising (Frixion Mix)
04 I Idolize You (Leaether Strip Remix)
05 I Idolize You (Aesthetic Perfection Mix)
06 I Idolize You (Modification Extended Mix)
07 Generation V (Frixion Extended Mix)
08 Dead Silence Rising (Hellfire Mix)
09 Low Life (Zarkoff Remix)

Details

Massive Ego – Homepage
Massive Ego – Facebook
Massive Ego – Twitter

Label: Out of Line
Vö-Termin: 24.07.2015
Spielzeit: 49:47

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde