Review

Kommt einem die Bandbesetzung von Masquerade bekannt vor, hat man eventuell kürzlich ihr weiteres Projekt Virgin in Veil kennengelernt, das mit „Deviances“ debütierte und sich auf Deathrock konzentriert.
Unter dem Banner Masquerade blicken die Finnen hingegen schon auf einige Veröffentlichungen zurück und liefern mit „Ritual“ nun ihren neuen Streich – und zwar im Postpunk Bereich.

Im Gegensatz zu Virgin in Veil werden bei Masquerade zunächst einmal die Hauptrollen in gesanglicher Hinsicht getauscht. Hat Jacques Saph noch die Leadvocals bei Virgin in Veil übernommen, kommt bei Masquerade seine Background- und Bandkollegin Suzi Sabotage zum Zug. Somit dominiert hier der Frauengesang und hebt die beiden Projekte voneinander ab.

Auch stilistisch beschreitet man – wie bereits erwähnt – unterschiedliche Wege.
Deutlich hörbar fehlt es „Ritual“ im direkten Vergleich zu „Deviances“ an Eingängigkeit. Der Fokus liegt auf einer sehr experimentellen Ausrichtung und Interpretation des hier gelebten Genres. Das hat dann schon mal Disharmonien und unbequeme Tempowechsel zur Folge, die den einen oder anderen Hörer aus dem Konzept bringen könnten und es ihnen auch nur bedingt leicht machen, den Weg auf die Tanzflächen der schwarzen Clubs zu finden.

Oftmals sehr minimalistisch gehalten weisen die Titel an sich aber durch die Experimentierfreudigkeit der Band viel Abwechslung auf. Auch wenn dies stets mit einer gewissen Sperrigkeit einhergeht, so sind Songentwicklungen herauszuhören, die dazu einladen, das Album „Ritual“ genauer statt nur nebenbei zu hören. Ebenso trägt die unterschwellige melancholische Stimmung des Silberlings dazu bei, sich mit dem Werk intensiver zu beschäftigen.

Masquerade (Copyright: Julie Dahlgren, 2016 | Tampere, Finland)

Masquerade (Copyright: Julie Dahlgren, 2016 | Tampere, Finland)

Obschon einige Phasen innerhalb der zehn Songs dazu animieren, sich in die Musik einzufinden, wird der Zugang zu „Ritual“ jedoch nicht jedem vergönnt sein; zu selten blitzen umgehend fesselnde und zündende Titel wie „Panic Paranoia“ auf. In der Mehrheit befinden sich Songs auf „Ritual“, die schwergängig arrangiert und ebenso schwergängig greifbar sind. Dies fördert die Atmosphäre des Albums, verhindert allerdings, dass Masquerade auf allzu großen Zuspruch stoßen werden. Ein schleppendes „Salt The Earth“ zeigt aber beispielsweise, dass sich ein Eintauchen in und Einlassen auf „Ritual“ für Fans des Genres durchaus lohnen kann.

Eine Portion weniger Experimentierfreude wäre dennoch für das nächste Mal wünschenswert, denn „Ritual“ lässt immer mal wieder erkennen, dass Masquerade ihr Handwerk verstehen und auch in der Lage sind, mit Atmosphäre und zugänglicheren Titeln ihre Hörer gefangen zu nehmen. Schade, wenn jene dann wiederholt durch viele unbequeme und einhörbedürftige Phasen den Faden verlieren.

Video

Tracklist

01 Drawn And Quartered
02 Deathmarch
03 Salt The Earth
04 Panic Paranoia
05 Lunacy
06 Siberia
07 Sinners Like Us
08 Angst
09 Madhouse
10 With Razorblades

Details

Masquerade – Homepage
Masquerade – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 14.10.2016
Spielzeit: 36:11

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde