Review

Vom postmodernen Bluesrock hin zu den Gefilden des Alternative und Rock, so zeichnet sich der stilistische Weg von Marius Tilly. ab, der sich in seiner aktuellen Scheibe „Nebula Rising“ manifestiert und mit zwölf neuen Songs widergespiegelt wird. Während die eindringlichen Basslinien noch von seinem einstigen musikalischen Schaffensgebiet zeugen, ist der „neue“ Marius Tilly. nun weitgehend im Wirkungskreis von Bands und Künstlern wie The Arctic Monkeys und Robert Plant anzusiedeln.

Verantwortlich dafür kann unter anderem das Mastering von Brian Lucey sein, der bereits mit den Arctic Monkeys gearbeitet hat. Vor allem ein einzigartiger Titel wie „Animal Serenade“ (unbedingter Anspieltipp!) würde ohne Weiteres auch in die Setlist der britischen Indie-Rock Band passen.

In diesem und auch in allen anderen Songs fällt stets der eher rohe und erdige Sound auf. Indem die Titel von „Nebula Rising“ zu 90% live eingespielt wurden, strömt dem Hörer hier kein glattpolierter Mainstream-Alternative oder Stadionrock aus den Boxen entgegen, sondern ehrliche, authentische handgemachte Musik, die zwar in ihrer retroesken Eigenwilligkeit eine Geschmacksfrage darstellt, gleichzeitig aber im Kontext von „Nebula Rising“ durchgehend passend arrangiert erscheint.

Die aus Produktion und letztlich Sound resultierende Natürlichkeit bringt zudem schon mal einige knarzende, gelungen übersteuerte und verzerrte Momente mit sich, was der Stimmung und dem gewählten Thema ‚Weltraum‘ der CD zugutekommt; auch wenn teilweise eher ein psychedelischer Touch statt Sci-Fi-Atmo das musikalische Geschehen zu dominieren scheint.
Und auch mit seichtem Americana-Flair wartet Marius Tilly. auf. So reißt der Song „Solar Woman“ den Hörer auf chillig-lässige Weise mit und beeindruckt vor allem durch seine Drumarbeit, während auch gesanglich die einzelnen Titel stets passend interpretiert werden.

Marius Tilly. (Copyright: Marius Tilly.)

Marius Tilly. (Copyright: Marius Tilly.)

Stimmlich lullt Marius Tilly. den Konsumenten (im positiven Sinne) ein, und fesselt ihn mal mit modernen Gesangslinien, mal mit leichten Zerrsounds und Hall versehenen Lyrics wie im Beatles-esken „Orion“. Wenn also selbst die eigentlich als unbequem empfundenen Töne zu einem Genuss werden, dann hat der Musiker hier alles richtig gemacht. Umso erfreulicher, dass in Titeln wie „Slender Man“ Stimme und Gesang derart viel Raum gegeben werden.

„Nebula Rising“ ist allerdings kein Album mit offensichtlichen Ohrwürmern, lädt aber (vielleicht gerade dadurch) zum mehrmaligen Durchhören ein. Da der Fokus der Veröffentlichung vielmehr auf dem Songwriting liegt, gibt es somit spannende Details zu entdecken, die die mal groovenden, mal hoch energetischen Songs bereithalten. Rein subjektiv betrachtet hätte es noch mehr Material im Stile von „Animal Serenade“ geben können, doch gerade gegen Ende des Albums fährt Marius Tilly. noch einmal all sein Können auf, sodass „Nebula Rising“ alles in allem nicht nur abwechslungsreich, sondern auch äußerst spannend ausfällt.

Video

Tracklist

01 Dinosaur
02 Danger
03 Vespa
04 Colder Below
05 Animal Serenade
06 Palooza You
07 Solar Woman
08 Orion
09 Slender Man
10 Revel outer Space
11 Son of a Siren
12 Nebula Rising

Details

Marius Tilly. – Homepage
Marius Tilly. – Facebook

Label: String Commander / M.i.G. Music / Indigo
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 46:04

Copyright Cover: String Commander



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde