Review

Marilyn Manson Alben nähert man sich ja immer mit einer gewissen Erwartungshaltung. Dementsprechend (und optimistisch wie wir nun einmal sind) erklärten wir noch vor der Veröffentlichung das neue Werk „The Pale Emperor“ zum Album des Monats Januar. Ob wir damit zu großzügig waren oder dieser Positionierung auf ganzer Linie zugestimmt werden kann, das erfahrt ihr im Folgenden.

Den ersten Vorgeschmack auf „The Pale Emperor“ bot uns das Label Vertigo Berlin (Universal Music) mit der Singleauskopplung des Songs „Deep Six“, der am ehesten noch als Repräsentant für die einst härtere (Gitarren)Gangart des wandlungsfähigen Musikers angesehen werden kann. Gleichzeitig darf „Deep Six“ nicht stellvertretend für das gesamte Album gedeutet werden, denn wie bereits bei den beiden Alben „The High End of Low“ und „Born Villain“ zuvor, werden insbesondere Fans frühzeitig erkennen, dass sich Marilyn Manson keineswegs mehr auf seine Wurzeln rückbesinnt und somit die Dynamik und Härte einstiger Hits und Klassiker aufweist.

Trotzdem, kaum, dass die ersten Töne des zehn Songs umfassenden Machwerks mit dem Opener „Killing Strangers“ erklingen, hört man im Kopf schon förmlich die mit viel Wiedererkennungswert gesegnete Stimme Mansons. Es besteht also kein Zweifel daran, wer hinter „The Pale Emperor“ steckt; Sound, Musik und Stimme gehören auch auf diesem Album unweigerlich zusammen und zeigen dennoch eine weitere Seite des Musikers, der allerdings eindeutig älter und zahmer geworden ist, denn viele Songs sind ruhiger Natur.

So laden Titel wie „Third Day Of A Seven Day Binge“ u.a. durch ihren Blues-Einfluss und die Entschleunigung zum Chillen und zur Nutzung als Hintergrundbeschallung diverser Lounge-Bereiche ein. Oft dominiert in diesen Songs, welche die Mehrheit auf dem Album darstellen, der Bass.
Dies soll nicht heißen, dass die Produktion einseitig ausgefallen ist. Wie gewohnt wurde diesbezüglich sauber gearbeitet.

Daneben finden sich die gewohnten Stimmverzerrungen, Halleffekte sowie Samples (z.B. in „Slave Only Dreams To Be King“) wieder, die mal mehr, mal weniger aufdringlich in die jeweiligen Titel integriert wurden. Das muss man mögen, andernfalls skippt man.

Marilyn Manson (Copyright: Nicholas Alan Cope)

Marilyn Manson (Copyright: Nicholas Alan Cope)

Der Schockrocker von einst gibt sich auf „The Pale Emperor“ handzahm. Dem „Antichrist Superstar“ ist das Antichristliche scheinbar abhandengekommen, auch wenn mit Songnamen wie „The Mephistopheles of Los Angeles“, „The Devil Beneath My Feet“ oder „Birds of Hell Awaiting“ der Schein noch halbwegs gewahrt wird. Es sind daher die Fans der ersten Stunde, die sich den Silberling zur Komplettierung ihrer Manson Sammlung ins Haus holen, anschließend im Regal jedoch vermutlich verstauben lassen. Anders sieht es mit jenen Hörern aus, die offen für die Wandlung des Musikers sind.

Natürlich lässt sich eine gewisse Monotonie des Albums durch monoton wirkende Songs, die oftmals aus zu vielen Wiederholungen bestehen, statt mit Innovationen in Sachen Musik und Text zu überzeugen, nicht leugnen, gibt man „The Pale Emperor“ aber die eine oder andere Umdrehung im Player, so wird man mit den Tracks immer wärmer. Geschadet hätten mehr Ohrwürmer und potenzielle zukünftige Klassiker zwar nicht, und auch wenn es insgesamt gemächlicher zugeht, so muss man Marilyn Manson nichtsdestotrotz zugestehen, recht solide, wenn auch lieblos wirkende Arbeit geleistet zu haben. Jetzt noch ein wenig mehr hörbare Leidenschaft und die Punkte würden abermals steigen.

Video

Preview

Tracklist

01 Killing Strangers
02 Deep Six
03 Third Day Of A Seven Day Binge
04 The Mephistopheles Of Los Angeles
05 Warship My Wreck
06 Slave Only Dreams To Be King
07 The Devil Beneath My Feet
08 Birds Of Hell Awaiting
09 Cupid Carries A Gun
10 Odds Of Even

Details

Marilyn Manson – Homepage
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Label: Vertigo Berlin / Universal Music
Vö-Termin: 16.01.2015
Spielzeit: 52:05

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde