Review

Außen Kunst, innen urgesteiniger Heavy Metal, so könnte man das aktuelle Gesamtpaket von Manilla Road umschreiben, die mit „The Blessed Curse“ ihr 17. Studioalbum an den Start bringen und für ihre Hörer in dem Digipak, dessen Cover ein Ölgemälde von Paolo Girardi ziert, eine weitere CD namens „After The Muse“ bereithalten.

Manilla Road können, gegründet im Jahr 1977, auf eine lange Bandgeschichte zurückblicken und gelten als Erfinder des Epic Metal. Unbegreiflich also eigentlich, wieso sie bisher an mir und vielleicht auch vielen anderen vorbeigegangen sind, ohne nennenswert Notiz von ihnen zu nehmen?

Eine Erklärung liefert vielleicht der Sound der Band. Manilla Road scheinen diesbezüglich noch nicht im Jahr 2015 angekommen zu sein. Vielmehr konzentrieren sie sich auf klassischen und ursprünglich klingenden Heavy Metal, der trotzdem oder gerade deshalb vor allem Fans der ersten Stunde ansprechen wird. Es fehlt soundtechnisch einfach die Power und Energie der Neuzeit. Die Gitarren (in Soli überzeugender!) und Drums klingen insgesamt sehr hell bzw. blechern, was zwar zum Gesamtgeschehen auf „The Blessed Curse“ passt, mit den mittlerweile gewohnten Standards jedoch nicht mithalten kann.

Nun werden einige sagen, dass es doch gut ist, wenn einige Bands an ihren Wurzeln festhalten und dies auch im Sound widerspiegeln. Richtig, und doch täten den Songkonzepten des Doppelalbums klangliche Finessen und Intensitäten nicht weh. Da oftmals lange Gitarrensoli und ausgiebiges Drumming in die Songs eingebaut werden, hätte es nicht geschadet, wenn diese auch druckvoller herausgearbeitet worden wären.

Davon abgesehen gibt es insbesondere auf „The Blessed Curse“ viele melodische Phasen, die das Hören angenehm machen. Es ist unumstritten, dass die Mannen hier wissen, was sie tun.

Manilla Road (Copyright: Richard Cathey)

Manilla Road (Copyright: Richard Cathey)

„After The Muse“ ist hingegen ruhiger angelegt. Akustikgitarren kommen zum Einsatz, die Vocals stehen oftmals im Vordergrund. Simon & Garfunkel-mäßig ist diese CD geeignet, ein paar schöne Momente zu erleben und bei den fast schon zarten Metalklängen den Alltag auszublenden. Gleichzeitig findet sich hier ein Highlight für Fans wieder, denn bei dem Song „All Hallow’s Eve“ handelt es sich um einen in den 80er Jahren entstandenen Titel, der einst im Proberaum der Band mitgeschnitten wurde, jedoch nicht in Gänze, denn nach zwölf Minuten war das Band zu Ende. Das Ergebnis gibt es nun dennoch zu hören und mehr noch, der Song wurde neu eingespielt und befindet sich in der „2014er Fassung“ ebenfalls auf dem Silberling „After The Muse“.
Von dieser Fan-Perle abgesehen verfallen Manilla Road hier allerdings zu oft in Eintönigkeit. Die Titel klingen beim oberflächlichen Hören recht ähnlich und die Aufmerksamkeit der Zuhörer geht zu häufig flöten. Nur wahre Manilla Road-Liebhaber wird man damit vom Hocker reißen.

„The Blessed Curse / After The Muse“ beherbergt u.a. ein interessantes Konzept, das die christliche Religion infrage stellt. Schade, dass das Doppelalbum zugleich die Frage aufwirft, inwieweit Manilla Road mit ihrem Sound heutzutage begeistern können. Fans werden durchaus auf ihre Kosten kommen, neue Hörer wird man jedoch eher nicht gewinnen können.

Tracklist

CD 01 – The Blessed Curse
01 The Blessed Curse
02 Truth in the Ash
03 Tomes of Clay
04 The Dead Still Speak
05 Falling
06 Kings of Invention
07 Reign of Dreams
08 Luxifera’s Light
09 Sword of Hate
10 The Muses Kiss

CD 02 – After The Muse
01 After the Muse
02 Life Goes On
03 All Hallows Eve 1981 (Live Rehearsal)
04 in Search of the Lost Chord
05 Reach
06 All Hallows Eve (2014 Studio Recording)

Details

Manilla Road – Homepage
Manilla Road – Facebook

Label: GoldenCore Records / ZYX
Vö-Termin: 13.02.2015
Spielzeit: 48:18 + 50:52

Copright Cover: GoldenCore / ZYX



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde