Review

Pure hatred! Das beschreibt die Musik von Manège Noir ziemlich gut. Doch geht es für das Quartett nicht darum, allgemeinen Hass zu verbreiten; mehr wollen sie mit der EP „MMXV“ auf die aktuellen Missstände aufmerksam machen und die Menschheit ermutigen, sich zu erheben und eben nicht nur alles nachzusprechen und hinzunehmen. „Ändern können wir ja eh nichts“ gibt es für die Band nicht. Sie nutzen Manège Noir als Sprachrohr.

Brutaler Death Metal in seiner hasserfülltesten Form steht an der Tagesordnung. Dafür finden sich langjährige Musiker zusammen, darunter Krimh (Septicflesh, ex-Decapitated), Sänger Chris Breetzi (Kill the Lycan), Jörg Varga (Call The Mothership) und Thomas Fèanis (Call the Mothership). Bekannte Nasen wollen also mit Punk-Attitüde und derbem Death Metal die Szene aufmischen? Wir hören, ob die Message bei uns ankommt.

Fast schon klischeehaft beginnt „MMXV“ mit einem aussagekräftigen Sampler. „Ich will, dass ihr böse werdet!“ Der Aufschrei ist an euch gerichtet und jener wird in etwa auch die Meinung der Band widerspiegeln.
„Heart: Diatribes“ beginnt allein mit Gesang und das in gekonnter Chris-Manier. Direkt danach bricht die Groove-Maschine aus. So viel Schwere habe ich schon lange nicht mehr gehört. Krimhs saftige Drums gehen so richtig ins Ohr und in den Fuß über. Die langsamen Choc-Choc Riffs von Jörg klingen gar nicht so modern, wie man es vielleicht denkt. Vom Tempo her hat es fast Balladen-Feeling. Ein ziemlich geiles Stück Musik. Ab der Mitte kann sich Krimh aber nicht mehr halten und geht in einen derben Blast mit minimalen Gitarrensounds über. Pure Gewalt regnet auf euch nieder. Macht eure Ohren auf, denn was Manège Noir hier rüberbringen, ist keine Zukunftsmusik, sondern Realität.

Dabei sei gleich gesagt, dass man hier weder Decapitated noch Behemoth erwarten kann. Die Songs sind solide und schieben nach vorne, aber ein technisches Spektakel fackeln die Jungs nicht ab.

„Mind: Demoncracy“ ist der Groover vor dem Herrn. Langsame Doublebass mit dissonanten Gitarrenklängen ziehen sich langsam wie Kaugummi und zermalmen den Hörern das Gesicht. Ist das geschafft, geht das Chaos erst los und es wird ziemlich deathcorig. Das erinnert stark an Oceano oder Whitechapel. Chris macht auch hier eine gute Figur, die gerne in die Richtung der eben genannten Bands gehen kann.

„Soul: Decay“ verblüfft schließlich in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist es der beste Song der Platte und zum anderen ein Titel mit deutschen Texten, der gefällt. In bester Krimh-Gitarrenmanier startet das Epos. Einzelne Drumsounds erklingen und leiten den Song perfekt ein. Lange keinen so guten Einstieg mehr gehört. Sobald die Jungs in den Groove gehen, zermalmen sie langsam euren Schädel. Pure Epicness. Der Text bezieht sich auf die Unmündigkeit des Volkes. Wir schauen Nachrichten, die uns vorgeben, wie wir zu denken haben. Keiner macht sich noch selbst Gedanken, somit also wirklich ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann. Was bei diesem Song allerdings negativ ins Gewicht fällt, ist der äußerst heftige und klinische Gitarrensound. Anfangs überzeugt er, später dient er eher als Soundwand.

Manège Noir (Copyright: Manège Noir)

Manège Noir (Copyright: Manège Noir)

„Body: Genocide“ ist eine gute Mid-Tempo-Nummer, die mal eine andere Seite der Band zeigt. Die Riffs sind etwas ausgefallener und allgemein hat der Song mehr Platz zum Atmen. Allein das aggressive Crashbecken ist der Wahnsinn. Viel Blasts und Doublebass in Verbindung mit negativen Gitarrenlinien dominieren den Track. Wer auch mal wieder Pig Squeals hören möchte, ist hier genau richtig.

Fazit: Manège Noir dient als Sprachrohr, um die Menschen wach zu rütteln. Durch pure Aggression und harten Death Metal funktioniert das ziemlich gut. Viele Kompromisse lässt die Band nicht zu, dennoch ist der eine oder andere freiere Part dabei. Das Konzept von „MMXV“ ist zu begrüßen. Wer mit dem brachialen Sound etwas anfangen kann, wird hier eine Menge Spaß haben. Positiv zu bemerken: die Jungs haben vieles selbst gemacht und dafür ist die Produktion echt ordentlich. Leider ist die Scheibe aber zu kurz. Deshalb: Mehr Material Jungs!
Als kleinen Anreiz: die EP gibt es wahlweise auch kostenlos als digitalen Download.

Video

Trackliste

01 Intro
02 Heart: Diatribes
03 Mind: Demoncracy
04 Soul: Decay
05 Body: Genocide

Details

Manège Noir – Facebook

Label: Self Release
Vö-Termin: 10.10.2015
Spielzeit: 18:26

Copyright Cover: Manège Noir



Über den Autor

Marcus
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