Review

Kollaborationsprojekt MalefistuM

2019 gründete Dawn of Destiny-Gitarrist Jens Faber das Kollaborationsprojekt MalefistuM und holte sich dafür illustre Verstärkung. So geben sich hier Melissa Bonny (u.a. Ad Infinitum, Rage Of Light) und Federica Lanna (Sleeping Romance) sowie Eric Dow (Helsott) und Zagan (Black Messiah) die Klinke respektive das Mikro in die Hand.

In gesanglicher Hinsicht dürfte das Projekt somit schon einmal – mit Clean Vocals und Growls – breit aufgestellt sein. Ob das auch auf die musikalische und kompositorische Ebene zutrifft, wird nun das Album „Enemy“ zeigen.

Die Songs

Einen ersten Ausblick auf den 12 Tracks umfassenden Silberling verschafften MalefistuM ihren Hörern bereits im Februar mit der Single „Towards the Sun“. Der uptempo Power Metal Track, auf dem Album direkt im Anschluss an das ruhige, weltmusikalische a capella Intro „Try to touch the Sun“ platziert, kommt sehr kurzweilig daher und wartet sowohl mit Growls, als auch mit diese in den Hintergrund verschiebendem Klargesang auf.

Mit dem Wechselspiel aus Growls und Clean Vocals geht es auch im folgenden typischen und schnörkellosen Power Metal Track „This Memory“ weiter, der zudem äußerst melodisch angelegt ist und im Refrain mit Mehrstimmigkeit auftrumpft.

Von der Power Metal-Marschrichtung weicht auch der anschließende kurze Titel „Left without a Cause“ nicht ab, der allerdings erstmals leichte Pagan-Einflüsse vernehmen lässt. Einen guten Kontrast bilden dabei die gegrowlten Strophen im Vergleich zu einem sehr melodiebetonten Refrain.

Nach den ersten drei schnellen Songs ist es dann Zeit für eine kurze Verschnaufpause und es schließt sich die schön und gefühlvoll gesungene Halbballade „Time“ an. Zeit ist hier zudem das Stichwort. So ist „Time“ mit knapp 7  Minuten Spielzeit nicht nur der längste Titel des Albums, er nutzt zudem den Raum, der ihm geboten wird, um ihn sinnvoll zu füllen. Abwechslungsreich kann sich der Song somit entfalten und langweilt auch in seinen Wiederholungen nicht.

In „The Answer“ darf dann – nach Melissa Bonny – Eric Dow ans Mikro und verpasst dem catchy Titel ebenfalls sowohl Growls als auch Klargesang. Assoziationen zu Equilibrium-Songs werden geweckt, während der Song insgesamt härter als seine Vorgänger wirkt.

Als krasses Gegenteil folgt die Ballade „Fear of tomorrow“. Mit reduzierter Instrumentierung und einer sanft singenden Melissa Bonny erscheint der Titel inmitten der durchschlagenden Tracks auf „Enemy“ beinahe schon fehlplatziert.

So wundert es auch nicht, dass sich mit „The seed in your life“ abermals ein Pagan-dominiertes Stück anschließt, das im Refrain melodiestark und ansonsten gerne auch mal mit Blastbeats daherkommt.

In „Adore me“ ist es dann an Federica Lanna, für den Gesang zu sorgen. Verstärkt mit Chorpassagen im Refrain erinnert der rhythmische Track zuweilen an Songs von Therion oder auch Imperial Age.

Ensiferum lässt wiederum in dem mit asiatischen Einflüssen, male Growls, bedrohlicher Atmosphäre und einem überraschenden Mittelteil versehenen „Atomic bomb“ grüßen. Auch „I will know your name“ schlägt in diese Kerbe, mahnt mit seinen Pagan-Nuancen wieder an Equilibrium und fällt viel zu kurz aus, ehe „My Enemy“ das Album mit einem ebenfalls flotten Abschluss besiegelt.

Bewertung

Trotz genannter Ähnlichkeiten zu und Referenzen wie Equilibrium, Ensiferum, Therion oder Imperial Age geben sich MalefistuM durchaus eigenständig. Ihre Songs offenbaren verschiedene Charakteristika und schöpfen vor allem die Bandbreite an Pagan und Power Metal Einflüssen aus. Der abwechslungsreiche Gesang, der von male und female Vocals über klare und gutturale Parts bis hin zu vereinzelt integrierten Chören reicht, hält darüber hinaus das Interesse am Album aufrecht.

MalefistuM (Copyright: MalefistuM)

Bemängeln könnte man hingegen die Anordnung der Songs auf „Enemy“. Diese erscheint nicht optimal, da sich vor allem die ersten Titel sehr ähneln. Zudem fehlt den schnelleren Songs das gewisse Etwas in Bezug auf die Arrangements und dem Sound insgesamt an Perfektion. So hätte beispielsweise der Bass druckvoller sein können.

Fazit

Mit starken Vocalartists im Gepäck sorgt MalefistuM für ausdrucksstarke Songs, denen es auch an guten und eingängigen Melodien nicht mangelt. Zwar lässt sich der eine oder andere Kritikpunkt nicht von der Hand weisen, dennoch kommen Fans einer interessanten Mischung aus Epic, Symphonic, Pagan und Power Metal hier auf ihre Kosten.

Video

Tracklist

01 Try to touch the sun (Intro)
02 Towards the sun (feat. Melissa Bonny)
03 This Memory (feat. Melissa Bonny)
04 Left without a cause (feat. Melissa Bonny)
05 Time (feat. Melissa Bonny)
06 The answer (feat. Eric Dow)
07 Fear of tomorrow (feat. Melissa Bonny)
08 The seed in your life (feat. Melissa Bonny)
09 Adore me (feat. Federica Lanna)
10 Atomic bomb (feat. Melissa Bonny)
11 I will know your name (feat. Zagan)
12 My enemy (feat. Melissa Bonny)

Details

MalefistuM – Facebook

Label: Fastball Music / Soulfood
Vö-Termin: 15.05.2020
Spielzeit: 49:26

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde