Review

Augustus Gregorio-Rossi lautet der Name des Urhebers, der sich hinter dem Projekt Maenifesto verbirgt. Jener verschreibt sich – das macht der Opener „The Emperor’s Lament“ seines Albums „Veni Vidi Vici“ bereits deutlich – eher den Klängen, die den herkömmlichen Hörgewohnheiten widersprechen, denn seine Avantgarde-Techno-Sounds, gespeist aus barocken und dunkel-elektronischen Tönen, sind nur bedingt dafür gemacht, die Hörer umgehend anzusprechen.

Inmitten der insgesamt neun Songs stechen einzig „For All Eternity“ und „Neon Cleopatra“ als sofort greifbare Tracks heraus, die sich durch eingängige Melodien und trotz des avantgardistisch-experimentellen Einschlags prompt und auch nachhaltig im Ohr festsetzen.
Während „For All Eternity“ einen balladesken Charakter besitzt und den Hörer zu sanften Akustikgitarrenanschlägen zum Träumen und Schwelgen einlädt, dürfte gerade „Neon Cleopatra“ solide die Tanzflächen der Clubs füllen, in denen er die Playlist bereichert.

Auf Albumlänge gibt es allerdings leider zu wenig solcher Momente. Vielmehr agiert Maenifesto in der Mehrheit der Titel äußerst kunstvoll mit unterschiedlichen Klangexperimenten, die mal an The Prodigy erinnern, oftmals mit aggressiv nach vorne drängenden Beats bestückt sind und zu häufig allzu verkünstelt und verschachtelt sind, um sich angemessen darauf einlassen zu können, sofern man nicht tief mit den Genrezutaten des Projekts verwurzelt ist.

Der Hörer sieht sich daher konfrontiert mit einem Album, das inhaltlich viel zu sagen hat (Maenifesto verbindet thematisch die Krise des alten Römischen Reiches mit den aktuellen Zerfallserscheinungen Europas), dessen Botschaften aber durch die unbequeme Machart fern eines Mainstreamgedankens nicht jeden erreichen werden.

Augustus Gregorio-Rossi (Maenifesto) | Copyright: Augustus Gregorio-Rossi (Maenifesto)

Zuträglich ist diesbezüglich auch der unkonventionell verzerrte Gesang nicht, dessen „zittrige“ Nuance in beinahe allen Titeln Eingang findet; dies passt häufig zum harschen (technoiden) Grundsound, oft genug hindert es jedoch auch einen Song daran, in all seinen vielen Details wahrgenommen zu werden.

Für Avantgarde Techno-Fans – und im Prinzip auch ausschließlich für exakt jene – ist „Veni Vidi Vici“ eine kleine musikalische Offenbarung, die Maenifesto mit einem Händchen für innovative Sound- und Klangzusammensetzungen kreiert hat. Alle anderen Hörer werden wohl eher vom experimentellen Charme des Silberlings abgeschreckt sein.

Video

Tracklist

01 The Emperor’s Lament
02 Pantheon
03 Minerva
04 For All Eternity
05 Neon Cleopatra
06 Prodigal Son
07 Oderint Dum Metuant
08 Der Tanz der Jungfrau Drusilla
09 Total Despotism

Details

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Label: Danse Macabre / Al!ve
Vö-Termin: 20.01.2017
Spielzeit: 41:20

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde