Review

„Now You Know“ verspricht der Titel des neuen Albums von der singenden und Songs schreibenden Rockmusikerin Madame Mayhem, die sich für ihre 14 Tracks mit Billy Sheehan (Mr. Big, Winery Dogs), Ray Luzier (KoRn, KXM), Ron „Bumblefoot“ Thal (Guns N‘ Roses), Russ Parrish (Steel Panther) und Corey Lowery (Stuck Mojo) namhafte Unterstützung an der Instrumentalfront geholt hat. So ganz überträgt sich diese Verheißung allerdings nicht auf die Hörer, aber nach dem Konsum des Silberlings ist vor allem eines klar: Eine klare musikalische Richtung und Linie gibt es bei Madame Mayhem nicht. Vielmehr lebt sie ihre vielseitigen stilistischen Einflüsse und Vorlieben auch in ihren eigenen Kompositionen aus.

Das hat zur Folge, dass das Album mit „Monster“ zunächst einmal sehr metallastig eröffnet wird. Ein melodischer Refrain wird von tiefen Gitarrenriffs und energetischen Drums getragen. Assoziationen zu Lacuna Coil werden mit diesem dicht arrangierten Track schnell wach, wenngleich die Produktion auf „Now You Know“ weit weniger klar und schneidend ausfällt und auch der Härtefaktor um einiges verhaltener wirkt.

Nach dieser (nennen wir es mal) „Lacuna Coil auf Sparflamme“-Performance präsentiert Madame Mayhem mit ihren Kollegen ein „Perfect Nightmare“. Damit bleibt man abermals im Metal-Bereich und liefert auf kurzweiligen 3:13 Minuten einen melodischen Ohrwurm. Entsprechend der kompakten Spielzeit kommen die Musiker hier umgehend auf den Punkt, während der Titel insgesamt von seinen repetitiven Phasen lebt. Dadurch ist der Song schnell im Ohr und mitsingbar.

Zeigte Madame Mayhem bisher am Mikro vollen Einsatz, wird ihr Gesang in „Something Better (Now You Know)“ erstmals anstrengend. Hoch, laut und oftmals in den Höhen sehr gepresst dringt ihre Stimme phasenweise Micky Maus-artig an die Hörer und es kristallisiert sich heraus, dass ihre tiefer vorgetragenen Lyrics weitaus angenehmer zu hören sind. Jene finden auch in dem sanfter vorgetragenen balladeskeren Titel „Left For Dead“ ihren Platz; eine kleine Verschnaufpause, bis es mit „Witchcraft“ ein weiteres Mal vocaltechnisch stellenweise (im wahrsten Sinne des Wortes) hoch hergeht. Die eher schrilleren Töne finden schließlich ihren Höhepunkt in der Ballade „Better Days“, wodurch der Titel viel an seiner Emotionalität einbüßt.

Madame Mayhem (Copyright: Simi Friedman)

Madame Mayhem (Copyright: Simi Friedman)

Deutlich wird im weiteren Verlauf jedoch nicht nur, dass der Gesang zuweilen sehr einseitig und anstrengend wirkt, sondern auch, dass sich Madame Mayhem musikalisch mehr in die Rock-Ecke manövriert. Akustikgitarren, Blues-Einflüsse, Singer-Songwriter-Anleihen und Hardrock-Facetten werden stärker betont; vom modernen Metal-Beginn bleibt nicht mehr viel übrig. Wird damit zwar Abwechslung geboten, verliert das Album „Now You Know“ gleichsam ein wenig an anfangs gezeigter Durchschlagskraft. Wäre hier nicht der Umstand gegeben, immer mal wieder ein Händchen für eingängige Melodien unter Beweis zu stellen, würde sich das Ganze schnell abnutzen. Doch gerade diese Stärke rettet „Now You Know“ vor dem allzu voreiligen Vergessen.

Als Rauswurf hat sich Madame Mayhem schließlich noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen, denn „Anyone Who Had A Heart“ fällt stilistisch komplett aus dem bisherigen Rock- und Metal-Rahmen. Ob es an der Andersartigkeit oder am Überraschungsmoment liegt, ist schwer zu beurteilen, fest steht aber, dass die Künstlerin mit diesem Song noch einmal die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers gewinnt.

Und so bleibt ein Album, das all jenen zu empfehlen ist, die einer Rockröhre nicht widerstehen können, die hier ihre stilistische Bandbreite zwischen Metal und Rock aufzeigt. Gesanglich manchmal etwas unbequem zu hören, bleibt die Mehrheit der Titel durch gelungene Hooks doch im Ohr. Und wer sich jetzt noch fragt, wie eine bunt gemischte Zusammenstellung renommierter Musiker klingt, findet hier eine mögliche Antwort.

Video

Tracklist

01 Monster
02 Perfect Nightmare
03 Something Better (Now You Know)
04 Left For Dead
05 Witchcraft
06 More Than Misery
07 Better Days
08 … After 2 AM
09 Nothing To Lose
10 Under The Microscope
11 Sacrifice
12 Pain
13 Can’t Stand
14 Anyone Who Had A Heart

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 26.08.2016
Spielzeit: 52:19

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde