Review

Bereits 1988 gründete M.W.Wild die Band The Cascades. 2017 (und elf Jahre nach seinem Ausstieg aus besagter Truppe) veröffentlicht er sein erstes Soloalbum namens „The Third Decade“, auf dem man unverkennbar die musikalischen Wurzeln des Urhebers heraushört: Beeinflusst von 80er Szenegrößen und um Hooks-Rezepte à la The 69 Eyes und Co. ergänzt, wird dem Hörer traditioneller Gothic Rock serviert, der vorrangig durch den tief-düsteren Gesang ins Ohr springt, sich durch einiges Hitpotenzial dort festsetzt und den eben erbrachten Vergleich zu den finnischen Genre-Stars durchaus rechtfertigt.

„The Third Decade“ startet M.W.Wild nicht nur mit dem Titeltrack, sondern gleichsam mit einem wahren Gothic Rock Kracher, dem auf Albumlänge, die immerhin satte 13 Titel umfasst, noch viele weitere folgen sollen.

Die gut platzierten Backgroundvocals sorgen immer wieder für Dichte und unterstützen somit die Intensität eines Titels. Ob jene eher tragend wie „Writing On The Wall“ oder treibend wie „Dark All Over“ ausfallen, ist dabei egal, denn M.W.Wild weiß seine Tracks stets zündend zu arrangieren. Dabei hilft zudem die hervorragende Gitarrenarbeit und auch die Keys laufen nicht Gefahr, allzu süßlich zu klingen, sondern verpassen dem jeweiligen Song das gewisse Etwas.

Da M.W.Wild sich jedoch nicht gänzlich auf beim Hörer umgehend funktionierendes Songwriting konzentriert und sich vielmehr durch Titel wie „Mirrors“ immer mal wieder wavigen-Strukturen annähert oder zumindest von Goth-rockigen-Schablonen ein wenig entfernt, steht er mit diesen Momenten der Eingängigkeit etwas im Weg. Ebenso hätten die ruhigeren Titel (z.B. „Spring Again“) noch emotionaler ausfallen können. Zu oft plätschern jene nur unaufdringlich und ohne wirkliche Höhepunkte am Hörer vorbei.

M.W.Wild (Copyright: Holger Meyer)

Nichtsdestotrotz beweist M.W.Wild mit „The Third Decade“, dass sich ein Künstler gegenwärtig nicht zwangsläufig modernen Musiktrends anpassen muss, um sich in einem Genre erfolgreich etablieren zu können. Mit stimmiger Atmosphäre, traditionellen Klängen und einer markanten, den Stil unterstreichenden Stimme gelingt es ihm, das Gothic Rock Herz wiederholt zum heftigen Schlagen zu bringen. Und obschon sich auf alte Zeiten besonnen wird, fehlt es dem Album nicht an zeitgenössischem Soundgewand und Durchschlagskraft. Dass M.W.Wild darüber hinaus hier im Alleingang unterwegs ist, macht die Leistung und das Ergebnis umso beachtlicher.

Ein stilistisch nostalgischer Trip, der zeitlos auch in Jahren noch Bestätigung finden wird.

Video

Tracklist

01 The Third Decade
02 Red Carpet
03 Marionettes
04 Writing On The Wall
05 Nobody
06 Exit The Grey
07 Dark All Over
08 Mirrors
09 Spring Again
10 Fly With Angels
11 Russian Roulette
12 Turning Leaf
13 Danubia

Details

M.W.Wild – Homepage
M.W.Wild – Facebook

Label: Echozone / Soulfood
Vö-Termin: 28.04.2017
Spielzeit: 54:28

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde