Review

Mit ihrem vierten Album in voller Länge treten die vier Jungs aus Watford aus dem Schatten ins direkte Rampenlicht. Auf der selbstbetitelten Platte verfolgen Lower Than Atlantis einen durchaus melodischeren und vor allem zugänglicheren Stil. Man merkt der Band an, dass sie mit ihrer Musik so langsam ein deutlich breiteres Publikum ansprechen wollen, was ihnen 40 Minuten lang durchaus gelingen mag. Aber heißt das gleichzeitig, dass die Musik an sich gut ist?

Zunächst einmal ist lobend zu erwähnen, dass, wie hätte es anders sein können, die Produktion wirklich sauber und flüssig klingt. Besonders durch den zusätzlichen Druck des Basses und der Drums wirkt die Platte noch einen Tick energetischer. Aber auch die eigentliche Materie, den Umgang mit ihren Instrumenten, beherrschen Lower Than Atlantis. Dass sie ihren Sound von ihrem alten Stil stark in eine andere Richtung lenken konnten, spricht für ihre Fähigkeit, die Titel effektiv zu arrangieren.

Aber auch wenn sich die Songs stark dem Geschmack der Masse anpassen, lassen Lower Than Atlantis stets ein rockiges Gefühl aufkommen. Dabei driften sie nicht allzu sehr in den Schmuse-Bereich ab, sondern liefern hier zudem äußerst dynamische Riffs mit Geschwindigkeit ab.
Außerdem bringt die Band noch viele weitere verschiedene Stilmittel ein. „Ain’t No Friend“ hat einen starken Club-Beat, „Stays The Same“ bringt sehr harte Percussion und „Criminal“ Streich-Ensembles mit ins Spiel. An Abwechslung mangelt es jedenfalls schon mal nicht.

Als Fan wird man dann wohl zwiegespalten sein. Früheres Material zeugte von sehr starkem Punk bis hin zu melodischem Post-Hardcore, welcher den Charakter der Band ausmachte. Dieser alte Stil flammt zwar zwischendurch immer mal wieder auf, mehr als ein leichtes Glimmen bleibt danach jedoch nicht übrig. Vergleichen könnte man den Werdegang mit dem einer äußerst bekannten Band aus Florida, nämlich A Day To Remember. Auch dort wurden neue musikalische Aspekte erforscht und mit einem Sound experimentiert, der eingängig, aber dennoch stimmungsvoll rüberkommt. Von Lower Than Atlantis wird dies ebenfalls praktiziert; im gleichen Maße erfolgreich, doch zugleich wirkt dieses Album absolut vorhersehbar.

Lower Than Atlantis (Copyright: Lower Than Atlantis)

Lower Than Atlantis (Copyright: Lower Than Atlantis)

Viele der Riffs und Strukturen kommen einem im Verlauf zunehmend bekannt vor, ebenso schleichen sich leichte Einschübe von eben genanntem A Day To Remember-Pop-Punk, etwas Breaking Benjamin und die punkigen Aspekte von Rise Against ein. Manchmal klingt das Ganze nach einem soliden Rock-Sound und manchmal einfach nur nach Highschool-Punk. Zugegeben, die Stimme bietet sich aber auch für alles irgendwie an.

Dennoch wird die Platte gegen Ende mit gleich drei Titeln etwas stärker. Auf „Time“ und „Just What You Need“ packen die Jungs ein paar echt catchigere Riffs aus, die sich in den poppigen Faktor gut eingliedern. „Number One“ zeugt zusätzlich zum Abschluss von einer Menge starker Atmosphäre in punkiger Form.

„Lower Than Atlantis“ sorgt für viel mehr Eingängigkeit, mit der selbst Neueinsteiger sofort klarkommen werden. Es klingt nicht zu abgestumpft, und obwohl es sich etwas zu viel nach Konzept anfühlt, frischt die Band jeden Song mit verschiedenen Mitteln wieder auf. Leider fehlt es auf dem Album einfach an Überraschungen und Innovationen, die die Band von momentanen Mainstream-Bands unterscheidet. Dennoch eine angenehme Scheibe, die einen von Beginn an anspricht; vermeiden sollte man dieses Werk jedenfalls nicht unbedingt.

Video

Trackliste

01 Here We Go
02 Ain’t No Friend
03 English Kids I America
04 Criminal
05 Words Don´t Come So Easily
06 Emily
07 Stays The Same
08 Live Slow, Die Old
09 Damn Nation
10 Time
11 Just What You Need
12 Number One

Details

Lower Than Atlantis – Homepage
Lower Than Atlantis – Facebook

Label: Sony Music
Vö-Termin: 03.07.2015
Spielzeit: 41:48

Copyright Cover: Sony Music



Über den Autor

Christopher