Review

Sänger im emotionalen Tief, Gitarrist und Keyboarderin kurz vor dem Ausstieg. Die Aussichten für die Entstehung des zweiten Albums waren alles andere als rosig. Dennoch schaffte es die Londoner Band I Am In Love ihre Platte über Velocity Sounds Records raus zu bringen. Und das Ergebnis ihrer Katharsis ist „Raw Heart“.

Auf zwölf Songs präsentiert die Band ihren sehr düsteren Pop-Stil, gepaart mit Synthi-Klängen, die stark an die 80er erinnern.
Am Bandnamen erkennt man schon, um welches Thema es sich hauptsächlich in den Texten handelt. Allerdings entführen I Am In Love den Hörer in eine verdrehte Welt der chemischen Reaktionen im Kopf mit positiven und negativen Einschnitten. Auf „Raw Heart“ reichen sich Liebe und Hass die Hände.

Auffällig hierbei ist der polarisierende Kopfstimmengesang, der doch einiges zum Charakter der Songs beiträgt.
Auch textlich schweift man zwischen leidenschaftlicher Euphorie und niederschlagender Depression hin und her. Eine gute Mischung, in der keine der beiden Seiten überwiegt.
Lyrisch haben I Am In Love auch einiges zu bieten, wie zum Beispiel im Song „Mirrors and Smoke“, der nur so überläuft mit Metaphern. Gleichzeitig profitieren viele kurz gehaltene Teile des Albums durch Wiederholungen, die erst im Gesamtpaket ihre Vollen entfalten.

Zum Sound erst einmal ein großes Lob an den Schlagzeuger, der durch Rhythmus und Groove die oft ausschweifenden Gitarren- und Keyboardklänge im Zaum hält. Hinzu kommen super Effekte mit Snare und Tom, um noch mehr Abwechslung zu bieten.

Atmosphärische Synthesizer-Geräusche füllen „Raw Heart“, zusammen mit sanft gespieltem Palm Muting der Gitarre. Und sollte es doch einmal etwas rauer und lauter werden, finden sich diese Elemente ebenfalls ein.

I Am In Love (Copyright: I Am In Love)

I Am In Love (Copyright: I Am In Love)

Durch dieses Arrangement der Instrumente entstehen Songs wie „My Heart, Your Soul“ (Modern Talking Nostalgie kommt auf), „Palm“ oder „Proposal“, die sich im Kopf niederlassen, um dort für lange Zeit zu verweilen. Hauptsächlich geschaffen durch simple Songstrukturen, die leicht zu begreifen sind und nachträglich nicht schwer im Magen liegen bleiben.

I Am In Love haben es geschafft, viele Genre-Elemente der 80er und 90er zu verbinden und ihnen einen neuen, modern Anstrich zu verpassen. Selbst wenn es Mängel geben würde, würden diese gar nicht auffallen, da sich die Platte dafür einfach zu angenehm und flüssig anhört.

„Raw Heart“ macht seinem Namen alle Ehre. Ein rauer und dunkler Sound, der alles andere als nur eine leere Hülle ist.

 

Video

Tracklist

01 Shiver
02 My Heart, Your Soul
03 Palm
04 Mirrors And Smoke
05 The Ropes
06 The Lust, The Heat
07 Tired Heart
08 Proposal
09 Stop Hurting
10 Arms
11 My Little Animal
12 Raw Heart

Details

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Label: Velocity Sounds Rec.
Vö-Termin: 25.10.2013
Spielzeit: 48:34

Copyright Cover: VelocitySounds Rec.



Über den Autor

Christopher