Review

Einst mit Placebo in der Rolle als Schlagzeuger unterwegs, verselbstständigte sich Steve Hewitt vor rund fünf Jahren mit Love Amongst Ruin und gab bzw. gibt dort auch gesanglich den Ton an.
„Lose Your Way“ heißt das neue Album des Musikers, der auf zehn Songs seinen modernen synthlastigen Rock mit hin und wieder hörbarer britpoppiger Note unters Volk bringen will. Eine Kombination, die in ihrer Ausführung überzeugt.

Während es schon im Opener und gleichzeitigen Titeltrack „Lose Your Way“ an allen Ecken und Enden kracht und knarzt, wofür sich hauptsächlich das verzerrt schrebbelnde Gitarrenspiel verantwortlich zeigt, sind es in „Modern War Song“ oder „Paper Tigers“ die ruhigen, fast schon hypnotischen Klänge, die dominieren.
Diesen Wechsel aus frischen, dynamischen Rocksongs und soften, bedächtigen Tracks behält Love Amongst Ruin auch im weiteren Verlauf des Albums bei.

Der meist warme Gesang bildet einen netten Kontrast zu den harten kühlen Gitarren und Synthis, doch Steve Hewitt kann auch – so zum Beispiel in den rockigeren Phasen – seine Stimme durchaus variieren, um sie stets den Bedürfnissen der Tracks und Lyrics anzupassen. Damit verfehlen die Songs auf „Love Your Way“ ihre Wirkung nicht.
Allen Titeln ist gemein, dass sie mit einem dichten Sound und einer intensiven Atmosphäre aufwarten, was neben den oftmals sehr gelungenen Melodien für Wohlgefallen beim Hörer sorgt. Zusätzliche Hall-Effekte verpassen dem Album zudem einen wavigen Touch. Und in „Menace Ballad“ wird es dann sogar angenehm disharmonisch, indem die Gitarren scheinbar tun, was sie wollen.

Steve Hewitt - Love Amongst Ruin (Copyright: Steve Hewitt)

Steve Hewitt – Love Amongst Ruin (Copyright: Steve Hewitt)

Doch trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Und so überschreitet Love Amongst Ruin selten die sich scheinbar selbst auferlegten Grenzen. Der Wechsel von rockig zu hypnotisch wird zwar konsequent vollzogen, dabei wird die Instrumentierung auch mal sehr reduziert eingesetzt, was der Stimmung des Rundlings zugutekommt, doch die jeweiligen Songs, die sich den beiden Gruppen zuordnen lassen, klingen allesamt sehr ähnlich. Ob die durch die Britpop-Elemente hervorgerufene Monotonie (positiv beispielsweise in „So Close“ zu hören), die repetitiven Momente innerhalb der Songs oder die insgesamt fehlenden Variationen der Lieder, „Lose Your Way“ klingt auf der Länge von knapp 48 Minuten zu oft zu gleich.

Darüber hinweg tröstet die Tatsache, dass sich jedoch einige Ohrwürmer und große Momente (diesbezüglich besonders hervorzuheben: das melancholische mit Streichern durchsetzte „Oh God“) auf „Lose Your Way“ befinden, sodass auch ein wiederholter Hördurchgang durchaus Laune macht. Obwohl Love Amongst Ruin zudem auf Atmosphäre setzt, bietet sich „Lose Your Way“ sowohl zum intensiven, als auch zum chilligen nebenbei Hören an.

Teaser

Video

Tracklist

01 Lose Your Way (Radio Edit)
02 Modern War Song
03 Watch Myself
04 Swan Killer
05 Paper Tigers
06 So Close
07 Menace Ballad
08 Oh God
09 Lose Your Way (Revision; Bonustrack)
10 Swan Killer (Revision; Bonustrack)

Details

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Label: Membran / neo
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 47:40

Copyright Cover: Membran



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde