Review

Zwei Jahre nach dem letzten Album „Scare Force One“ von Lordi gibt es für alle Liebhaber der Monstertruppe mit „Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ endlich wieder neues Material. Der zunächst etwas verwirrende, aus Lordischen Wortneuschöpfungen bestehende Albumtitel macht aber durchaus Sinn, denn das neueste Werk der Finnen läuft auch musikalisch auf einen Zweikampf hinaus. Zwei völlig unterschiedliche Parts, eben die beiden Teile „Theaterror“ und „Demonarchy“, erwarten den Hörer.

Wenden wir uns zunächst den Songs in der Rubrik „Theaterror“ zu.

Fast schon zum Standard eines Lordi-Albums gehörend gibt es ein passendes Intro, diesmal in Form einer verstörenden Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Und wer meinte, Lordi hätten es über die Jahre verlernt, richtig zündende Songs zu schreiben, wird gleich darauf mit „Let’s Go Slaughter He-Man“ eines Besseren belehrt. Kennt noch jemand die 80er Jahre Action-Figurenserie „Masters of the Universe“? Genau hierauf spielt der Song textlich – und natürlich auch mit einem Augenzwinkern, erkennbar schon im Untertitel „I Wanna Be The Beast-Man In The Masters Of The Universe“ – an. „Let’s Go Slaughter He-Man“ hat unglaublich viel Tempo und Drive, dazu noch einen extrem eingängigen Refrain. Mit diesem Song haben Lordi einen wirklichen Ohrwurm kreiert, der zugleich ein heißer Anwärter auf den Sommerhit des Jahres ist.

Im totalen Gegensatz dazu steht das folgende „Hug You Hardcore“. Dominiert von einem bohrenden, monotonen Gitarrenriff ist der Track insgesamt eher rhythmusorientiert. Der Song braucht sicherlich ein paar Durchläufe länger, um zu gefallen.

Bei den anschließenden Liedern wird das Tempo wieder mehr forciert und der Fokus verstärkt auf Melodie in Strophe und Refrain gerichtet. Alles in allem bekommt man typische Lordi-Kost zu hören, die einfach Spaß macht und zum Mitbangen im heimischen Wohnzimmer animiert.
Abgerundet wird der erste Teil des Albums durch die Ballade „Mary Is Dead“, der man gerne lauscht, der aber auch irgendwie das gewisse Etwas fehlt.

Doch es steht ja noch der zweite Teil des Albums namens „Demonarchy“ zum musikalischen Battle bereit.

Diesmal gibt es ein rein instrumentales Intro, welches direkt in den Song „Demonarchy“ übergeht. Doch verwundert wird man hier beim erstmaligen Hören seinen Ohren nicht trauen und eventuell Zweifel an der eingelegten CD hegen. Das soll Lordi sein?! Mit brachialer Gewalt schlägt einem ein stark progressiv geprägter Heavy Metal-Kracher entgegen, der aus genannten Gründen kurz verwirrt, einen dann aber richtig packt. „Demonarchy“ erweist sich aufgrund seiner Power und seiner interessanten Songstruktur für den zweiten Teil als optimaler Einstieg.

Es folgen fünf weitere Songs im „neuen Stil“, die allesamt eine unbändige (und auch ungeahnte) Kreativität der Band offenbaren. Breaks sowie Tempo- und Melodiewechsel sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit des Hörers zu keiner Sekunde nachlässt. Und wenn man glaubt, Lordi haben sich in ihren eigenen komplexen Songstrukturen hoffnungslos verloren, schütteln sie immer noch einen eingängigen Refrain aus dem Ärmel, der dem jeweiligen Song den nötigen Rahmen verleiht. Einzig die Reibeisen-Stimme von Mr. Lordi himself erinnert hier noch an den bekannten Lordi-Sound.

Doch auch die Tracks selber weisen einen sehr unterschiedlichen Charakter auf. „The Unholy Gathering“ beinhaltet z.B. einige balladeske Parts und erinnert aufgrund seiner düsteren Grundstimmung an alte Alice Cooper Songs. „Heaven Sent Hell On Earth“, „And The Zombie Says“ und „Break Of Dawn“ sind dann wieder mehr nach vorne gespielt, während das abschließende „The Night The Monsters Died“ einige Musical-Elemente enthält.

Lordi (Copyright: Lordi)

Lordi (Copyright: Lordi)

Nachdem Lordi sich konzeptionell und vor allem musikalisch auf den letzten Alben etwas festgefahren hatten, wirkt „Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ wie eine Befreiung aus dem selbst auferlegten Korsett. Einem sehr guten „Theaterror“-Teil mit eher traditionellem Lordi-Sound wird mit „Demonarchy“ ein in allen Belangen begeisternder Part mit komplexen Songstrukturen und vielen progressiven Elementen gegenübergestellt. Keyboard-geprägter Hard & Heavy Rock vs. Progressive & Heavy Metal könnte somit das musikalische Battle auch tituliert werden. Wer gewinnt? Das mag der Hörer ganz nach seinen eigenen Präferenzen entscheiden. Nur ein Sieger steht bereits fest: Lordi!

Mit „Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ beweisen Lordi wirklich Mut und haben ein Album am Start, das man ihnen in dieser Form nicht zugetraut hätte. Wir sind begeistert – starke 4,5 Punkte sind der mehr als verdiente Lohn.

Video

Tracklist

01 SCG8 One Message Waiting
02 Let’s Go Slaughter He-Man (I Wanna Be The Beast-Man In The Masters Of The Universe)
03 Hug You Hardcore
04 Down With The Devil
05 Mary Is Dead
06 Sick Flick
07 None For One
08 SCG VIII Opening Scene
09 Demonarchy
10 The Unholy Gathering
11 Heaven Sent Hell On Earth
12 And The Zombie Says
13 Break Of Dawn
14 The Night The Monsters Died

Details

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Label: AFM Records
Vö-Termin: 16.09.2016
Spielzeit: 64:26

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde