Review

Ein Best-of der etwas anderen Art

Für ihr dieser Tage erscheinendes zehntes Studioalbum haben sich die finnischen Monsterrocker Lordi etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Der „Killection“ betitelte Silberling wird nämlich als fiktionale Best-of-Scheibe angepriesen. Was genau das sein soll, erklärt Frontmann und Mastermind Mr. Lordi himself wie folgt:

„Killection“ ist ein fiktionales Compilation-Album geworden. Es umfasst all die Songs, die LORDI zwischen Anfang der 70er und 1995 geschrieben hätten, hätten sie damals schon existiert. Und wie sich das für eine gute Compilation gehört, befindet sich auch noch ein brandneuer Song aus dem Jahr 2019 darauf.

Eine rockgeschichtliche Reise 

Und so nehmen Lordi die Hörer auf eine über 50 Minuten dauernde rockgeschichtliche Reise mit.

Songs im Sound der 70er Jahre (wie „Blow My Fuse“ oder „Apollyon“) mischen sich mit Titeln aus der Glam Rock-Ära. Zu diesen zählen zweifelsfrei „Zombimbo“ oder auch „Like A Bee To The Honey“. Über keyboardlastige Mainstream-Nummer der 1980er („Up To No Good“) reicht das musikalische Spektrum von rockigen Stadion-Titeln („Horror For Hire“) bis hin zu fast schon Death Metal-artigen Kompositionen („Evil“).

Um dem Spirit der jeweiligen Ära nahezukommen, haben Lordi die Songs in unterschiedlichen Studios mit authentischen Instrumenten und Amps der damaligen Zeit aufgenommen. So haben die Songs der 70er Jahre beispielsweise den leicht dumpfen Klang, wie man es aus Originalaufnahmen von damals kennt. Hammond-Orgel und auch ein Saxophon (!) findet man natürlich genauso im Sound wieder, wie es seinerzeit üblich war.
Süßliche Keyboard-Klangteppiche prägen die Songs, die der Ära der 80er Jahre entsprechen, die seinerzeit unter dem Label Hair Metal sehr erfolgreich waren.
Die Songs der 90er Jahre klingen dann meist schon sehr typisch nach Lordi und zeigen derart die musikalischen Ursprünge der Band. Zu hörende Referenzen an Kiss, Meat Loaf oder Alice Cooper bleiben nicht unbemerkt – und das ist sicherlich auch so gewollt.

Präsentation im Rahmen einer Rock-Radio-Show

Das ist aber noch nicht alles. Die Präsentation dieser musikalischen Zeitreise erfolgt im Rahmen einer Rock-Radio-Show des Senders „SCG 10“ (sic!), die damit quasi das Grundgerüst der gesamten CD bildet. Es gibt diverse Zwischenmoderationen und Call-ins – eben alles, wie es sich für eine richtige Live-Radiosendung gehört.
Und Lordi wären natürlich nicht Lordi, würde der Zuhörer während der Sendung nicht Zeuge einiger paranormaler und grusliger Ereignisse werden.

(Fun-Fact am Rande: Achtet beim Intro mal auf die dargebotenen Songs. Wer erkennt die dort im Retro-Gewand gespielten Lordi-Hits?!)

Lordi (Copyright: Eero Kokko)

All dies zeigt, wie viel Herzblut und Liebe zum Detail die Finnen in „Killection“ investiert haben. Die Hörer können sich somit auf eine musikalische Zeitreise durch sämtliche Gefilde der Rockmusik freuen, die den musikalischen Zeitgeist der verschiedenen Musik-Jahrzehnte perfekt einfangen bzw. nachbilden.

Fazit

Dem Konzept geschuldet ist „Killection“ damit natürlich deutlich Rock-lastiger geworden als die letzten Lordi-Veröffentlichungen (wie etwa „Sexorcism“, „Monstereophonic: Theaterror vs. Demonarchy“ oder „Scare Force One“). Nichtsdestotrotz ist es aber auch das bis dato abwechslungsreichste Album der Finnen. Ob einem dabei sämtliche Songs und/oder musikalische Ären zusagen, steht auf einem anderen Blatt.

Ein interessantes und spannendes Album ist „Killection“ allemal geworden; vor allem für jene, die Rockmusik in ihrer gesamten Stil- und Spannweite lieben.

 

Video

Tracklist

01 Radio SCG 10
02 Horror For Hire
03 Shake The Baby Silent
04 Like A Bee To The Honey
05 Apollyon
06 SCG10 The Last Hour
07 Blow My Fuse
08 I Dug A Hole In The Yard For You
09 Zombimbo
10 Up To No Good
11 SCG10 Demonic Semitones
12 Cutterfly
13 Evil
14 Scream Demon
15 SCG10 I Am Here

Details

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Label: AFM Records
Vö-Termin: 31.01.2020
Spielzeit: 52:40

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde