Review

In ihren Anfängen machte die Hamburger Band Lord Of The Lost insbesondere Gothic Rock Fans zwar schon durch Besonderheiten wie den charismatischen Leadgesang oder die Kombination von eingängigen Melodien und härteren, bis ins Gutturale gehenden Passagen auf sich aufmerksam, trotzdem galt man lange Zeit noch als Geheimtipp.
Das Label Out of Line erkannte aber das Potenzial der Mannen um Frontmann Chris „The Lord“ Harms und nahm die Truppe unter Vertrag. Das erste Album erschien und mit ihm zeichneten sich erste kleinere Erfolge ab. Weitere Alben mit inzwischen zu Klassikern der Gothic Metal Szene gewordenen Hits folgten ebenso wie unermüdliche Tourneen und Festivalauftritte.
Ihren jetzigen Status bei Fans und in der Musikbranche festigt das Quintett nun mit dem aktuellen Output „From The Flame Into The Fire“, das noch einmal ordentlich einen draufzusetzen vermag.

Denn unüberhörbar greift hier die harte Seite von Lord Of The Lost um sich und entfacht im wahrsten Sinne des Wortes aus einer kleinen Flamme ein magisches Feuer. Dieses brennen die Jungs mittels satten 13 Songs ab und bieten durch die uns vorliegende „Deluxe Edition“ einen weiteren Silberling, der es in sich hat.

Beginnen wir aber mit der regulären CD-Version.
Die Singles „Afterlife“ und „La Bomba“ dürften alle Fans schon auswendig können, kam man an ihnen doch einfach nicht vorbei. Das wundert nicht, denn während mit „Afterlife“ ein typischer leicht melancholischer und eingängiger Goth Rock Song abgeliefert wird, sorgt „La Bomba“ mit Salsa-Elementen und der Kombination aus Death Metal und Gothic Rock für frischen Wind in der Szene.
Einmal mehr heben sich Lord Of The Lost damit von Genrekollegen wie H.I.M. und The 69 Eyes, mit denen sie oftmals am Anfang ihrer Karriere verglichen wurden, ab.

Es ist aber der Opener „Fists Up In The Air“, mit dem die Band schon zu Beginn für Aufsehen und Hinhören sorgt.
Bedächtig und mit Pianomelodie begleitet startet das orchestral anmutende Intro des Titels, dem sich bald gutturale Vocals, treibende Drums und harsche Gitarren anschließen. Stimmlich und die dezenten Breaks betreffend assoziiert man „Fists Up In The Air“ phasenweise sogar mit Elementen des Industrial Metals und Dub Steps. Das Ganze wird auf harmonische Art miteinander kombiniert, sodass ein vielversprechender Auftakt vollbracht ist.

„Kingdom Come“ gibt sich schließlich nicht weniger überzeugend. Knackige 3:34 Minuten brennt sich die Melodie des teils stampfenden, teils sirenenhaften Songs in die Gehirnwindungen. Der verzerrt geschrieene Gesang, den man im härteren Electro-Sektor ebenfalls des Öfteren antrifft, wechselt sich mit der klaren, aber dunkel intonierten Gesangsstimme ab.

Wieder mehr ‚gen Gothic Rock tendiert das nicht gerade balladeske Züge aufweisende, dafür aber gefühlvoll gesungene „Six Feet Underground“. Sicherlich schmelzen dabei zahlreiche weibliche Fanherzen.
„Six Feet Underground“ bestätigt zudem, dass man auch heute noch mit simpler Songstruktur und schönen Melodien ganz einfach potenzielle Hits zaubern kann, die vor allem durch ihre Schlichtheit gefallen.

Eine tatsächliche Ballade folgt dann mit „Go To Hell“. Das sehr schwere und berührende Lied erstreckt sich über knapp 4 Minuten und wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Zu verdanken ist dies abermals insbesondere Harms‘ Stimme, doch auch die Instrumentalfront steht ihrem Frontmann in nichts nach. So ist das Gitarrensolo des Songs nicht gerade spektakulär, aber auch die simple Wiederholung der Melodie des Refrains verfehlt seine Wirkung nicht.

Obwohl jeder der noch folgenden Songs andere Akzente setzt, sich anderer Genres bedient, um letztlich dennoch wie aus einem Guss zu klingen, würde es den Rahmen dieses Reviews sprengen, auf alle Titel separat einzugehen. Es sei aber gesagt, dass Lord Of The Lost die Hörer auch weiterhin mit Abwechslung bedienen und stets ihr Händchen für Melodien beweisen. Wie hart die Songs also rein musikalisch auch ausfallen mögen, Platz für Eingängigkeit und berührende Momente findet das Quintett immer.

Ist man dann am Ende angelangt, dürfen sich Käufer der „Deluxe Edition“ noch über eine Bonus-CD freuen.
Und ein Blick auf die Tracklist genügt, um festzustellen, dass hier wahre Meister am Werke waren, um den Remixfassungen und unterschiedlichen Versionen bereits bekannter Songs der Band ihren eigenen Stempel aufzudrücken.
Subway to Sally, Rabia Sorda, Ost+Front, Darkhaus, A Life Divided, Formalin, die Letzte Instanz, Coppelius und Massiv in Mensch sind nur einige der vielen Namen, die zeigen, dass nicht nur im eigenen Out of Line-Stall Unterstützung gesucht und gefunden wurde, sondern auch außerhalb des Labels namhafte Projekte ihren Beitrag für die auf CD 02 befindlichen 17 Nummern leisten wollten.

Lord Of The Lost (Copyright: Lord Of The Lost)

Lord Of The Lost (Copyright: Lord Of The Lost)

Der außergewöhnlichen Stimmfarbe Chris Harms ist es dabei allerdings zu verdanken, dass einige Neuinterpretationen immer noch eindeutig nach Lord Of The Lost klingen; so zum Beispiel bei „See You Soon“ im „Subway to Sally Remix“.

Anders klingt das Ganze dann schon bei Rabia Sorda, die Harms‘ Gesang ihre eigene Stimmgewalt entgegen halten.

Insgesamt wurde hier auch, was die Songauswahl angeht, eine abwechslungsreiche Tracklist zusammengestellt, die sich nicht nur auf ein bestimmtes Album der Hamburger konzentriert, sondern sich Titel unterschiedlicher vergangener Veröffentlichungen vornimmt.

Heraus sticht allerdings am deutlichsten der Remix von der Letzten Instanz, der man eine derartige Variante von „Die Tomorrow“ gar nicht zugetraut hätte. Interessant und überraschend!

Mit dieser Vielfalt an Interpretationen (von harschen Industrialbeats über sanfte Akustikklänge bis hin zu swinglastigen Versionen) finden auch jene Hörer Gefallen an einigen Titeln der Bonus-CD, die üblicherweise nichts mit Remixen anfangen können.

Es fällt also insgesamt äußerst schwer, Kritik an „Into The Flame Into The Fire“ in vorliegender Version als „Deluxe Edition“ zu finden. Daher geben wir doch einfach an dieser Stelle die Suche auf und verteilen die Punkte – und zwar 5 an der Zahl! So kann es weiter gehen.
Es sei aber noch angemerkt, dass sich mit Lord Of The Lost eine Band entwickelt hat, die viele Stile und Elemente anderer Künstler (wie beispielsweise The 69 Eyes oder Marilyn Manson) in ihre Musik einfließen lässt, trotzdem aber stets eigenständig bleibt und mit einem hohen Wiedererkennungswert gesegnet ist. Wer bisher immer nach Innovationen und Mut in diesem Genre suchte, der wird auf „From The Flame Into The Fire“ fündig werden, denn hier bleiben die Hamburger nicht länger seicht und Goth-rockig, sondern gehen mit jedem Song einen Schritt weiter.

Trailer

Video

 

Tracklist

CD 01: „From The Flame Into The Fire“

01 Fists Up In The Air
02 Kingdom Come
03 La Bomba
04 Afterlife
05 Kill It With Fire
06 Six Feet Underground
07 Go To Hell
08 Odium
09 My Own Shadow
10 Bitch
11 I’ll Sleep When You’re Dead (feat. Douglas Blair of W.A.S.P.)
12 Holy F (feat. Nina Jiers of Neopera)
13 In A Perfect World

 

CD 02: „From The Rain Into The Flood“

01 See You Soon (Subway To Sally Remix)
02 Kill It With Fire (But Kill It Good – Rabia Sorda Version)
03 Eure Siege (Ost+Front Version)
04 Heart For Sale (Darkhaus Remix)
05 Die Tomorrow – The Day After (Remix by Letzte Instanz)
06 Blood For Blood (A Life Divided Club Remix)
07 Sex On Legs (Formalin Club Mix)
08 Prologue (Mental Breakdown Remix)
09 I’ll Sleep When You’re Dead (Massiv in Mensch Remix)
10 Nothing Words Can Say (Noodlz Remix)
11 My Heart Is Black (The Law Remix)
12 Break Your Heart (Stahlmann Rebuild Mix)
13 Do You Wanne Die Without A Scar (Hell Boulevard Version)
14 My Own Shadow (Latexxx Teens Version)
15 Blood For Blood (Ein Walzer für Klarinette und Pianoforte by Le Comte Caspar von Coppelius)
16 Die Tomorrow (Swing Tomorrow Version by Rocksin)
17 Sex On Legs (Hotel Lounge Version)

Details

Lord Of The Lost – Homepage
Lost Of The Lost – Facebook
Lost Of The Lost – Twitter

Label: Out of Line 
Vö-Termin: 23.05.2014
Spielzeit: 52:26 (CD 01) + 67:29 (CD 02)

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde