Review

Was Lo! mit „The Tongueless“ abliefern, ist keine einfache Kost. Zwar befinden sich auf ihrer EP nur vier Songs, die haben es aber in sich.

Die vier aus Australien stammenden Grindsludger wissen, wie der Hase läuft, und haben mit Pelagic Records einen mittlerweile bekannten Partner an ihrer Seite.
Ihr Mix ist roh, sehr roh und voll kreischendem und keifendem Stoner-Gewalze mit ordentlichen Grindbezügen. Doch geht diese Konstellation wirklich auf und haben wir es hier mit einem neuen Stern am Sludge Metal Himmel zu tun?

Naja, soweit würde ich nicht gehen. Lo! lassen sich auf ihrer Scheibe ziemlich viel Zeit; die Songs brauchen immer erst eine Weile, bis sie in Fahrt kommen, aber dann kommt es knüppeldick.
„No Contrition“ tritt dem Hörer zum Beispiel erst nach ca. zwei Minuten direkt ins Gesicht. Hier fällt schon der kompromisslose Mix auf. Der Bass knurrt irgendwo zwischen präsent und zurückhaltend, wogegen der Fronter Sam Dillon so dermaßen fies und gemein „singt“, dass man sich das Gesicht vom Körper ziehen will.

Gleiches gilt für den zweiten Song „Orca“. Mein persönlicher Favorit und eindeutig der stärkste Song der Platte. Die dissonanten Gitarrenklänge in Verbindung mit dem blastigen Skank Beat sind der Oberkracher. Die zwischendurch eingestreute Rock- und Grind-Attitüde kommt authentisch rüber.
Zeit für Zwischenspiele bleibt so gut wie in jedem Song. Das macht auch ein wenig die Faszination an Lo! aus, denn sie brechen mit diesen lässigen Parts den eher rabiaten bösen Kern auf.
„Orca“ wird zum Ende hin auch noch sehr atmosphärisch, Gangshouts und Gitarreneffekte sind dafür verantwortlich. Ehrlich gesagt kenne ich keine Band, die so klingt. Grandioser Song.

Bei „Litmus Beings“ finden wir uns sofort im Hause The Ocean wieder. Man teilt nicht nur ein Label, sondern auch einen gewissen Musikgeschmack, nur Lo! sind etwas Hardcore-lastiger und expliziter in ihrem Sound.
„Litmus Beings“ vermittelt zudem ein wenig mehr Hoffnung, denn der Mittelteil kommt sehr melodiös daher. Ungewohnt, aber es passt sehr gut zusammen, man mag es kaum glauben.

Lo! (Copyright: Lo!)

Lo! (Copyright: Lo!)

„Megafauna“ hat natürlich schon mal einen geilen Namen und bildet den Abschluss von „The Tongueless“. Erst ziemlich ruhig daherkommend, knallt er dem Hörer nach anfänglichem Rumgespiele aber mal sowas von ins Gesicht. Doom in seiner besten Form wird uns geboten, in Verbindung mit derbem Gekeife, aber dafür sich ständig wiederholendem Riffing, das eher in Hypnose versetzt als Bäume ausreißt. Der Track ist ordentlich gemein und bildet einen grandiosen Abschluss.

Fazit: Man kann es den Jungs nur gönnen. Bereits 2011 kam die erste Scheibe raus und niemand hier bei uns hat von ihnen gehört. Das sollte sich definitiv ändern, denn Lo! bringen frischen Wind in die Szene rund um den Doom oder Sludge Metal. Eine kompromisslose Produktion ohne Klick oder mehrere Versuche, bis es perfekt klingt, tragen dazu bei. Die Sympathie steigt, denn man merkt, wie viel Arbeit und Herzblut die Mannen in die Band stecken. Mehr davon!

Video

Trackliste

01 No Contrition
02 Orca
03 Litmus Beings
04 Megafauna

Details

Lo! – Homepage
Lo! – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 13.02.2015
Spielzeit: 17:11

Copright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Marcus