Review

Aus Tschechien kommt eine gehörige Welle Cyber Metal tsunamiartig auf Deutschland zu, für die die Band Liveevil mit ihrem Album „Black Tracks“ sorgt. Schnell, harsch und immenses Livepotenzial versprechend überfluten Industrial Beats, metallische Riffs, energisches Drumming, vielseitiger Gesang, aber auch süßliche Synthies die Hörer. Eine Mischung, die, stünde man auf Namedropping, an dieser Stelle sicherlich Bands wie Lord of the Lost, Pain, Rammstein, Lindemann oder den aufstrebenden Newcomer Enemy I auf den Plan rufen würde. Ihnen kommen Liveevil stilistisch nahe, während die Band mit ihrem Sound und der Produktion von „Black Tracks“ den internationalen Standards in keiner Weise nachstehen.

Schon der Opener „Ended Run“ wartet mit allem auf, was Liveevil zu bieten haben. So kommt die Band schnell zur Sache, spielt ihren ersten der insgesamt neun „Black Tracks“ auf den Punkt und liefert gleich zu Beginn einen Ohrwurm ab. In dichter, kraftvoller Produktion verpackt man repetitive lyrische Phasen, die durch weibliche Backing Vocals unterstützt werden. Trotz seiner Spielzeit von 4:28 Minuten wirkt „Ended Run“ äußerst kurzweilig – dies jedoch im positiven Sinne.

Diesem Eindruck schließen sich auch die folgenden Titel an, was dazu führt, dass „Black Tracks“ zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, sondern stattdessen zum mehrmaligen Konsum einlädt. Die Melodiosität unterstützt dieses schnell aufkommende Verlangen, denn ob der einfachen Songstrukturen, die lediglich durch die elektronischen Elemente und Samples an Komplexität gewinnen, reiht sich Hit an Hit, die sich umgehend im Gehörgang festsetzen.

Aus diesem homogenen Cyber Metal Agieren sticht einzig der Rauswurf „We Stand Alone“ heraus, in dem auf Atmosphäre gesetzt wird. Hypnotisch und entschleunigt bietet „We Stand Alone“ dem Hörer erstmals die Gelegenheit für eine Verschnaufpause, doch schnell wird man feststellen, dass ein Kracher – wie durchgehend zuvor geboten – einfach sehr viel mehr Spaß gemacht und sich zudem besser in das akustische Gesamtbild des Albums eingefügt hätte. Sicherlich ein Titel, mit dem Liveevil ihre Vielseitigkeit unterstreichen wollten, sich letztlich aber keinen Gefallen damit getan haben.

Liveevil (Copyright: Liveevil)

Liveevil (Copyright: Liveevil)

Sieht man aber von „We Stand Alone“ einmal ab, ist es schwer, weitere Kritikpunkte an „Black Tracks“ zu finden.
Hymnisch schließt sich dem gelungenen Opener der Song „Amper“ an. Stampfend und mit Blick in die Gothic Rock Richtung ebnet sich anschließend „Devilation“ mit leicht verzerrtem dunklen Gesang seinen Weg, dem „Midnight Bay“ auf ähnliche Weise folgt. Mit „Tomorrow’s Call“ wird es gegen Ende noch einmal deutlich gotischer, worauf sowohl der warme Klargesang als auch die dezentere Verwendung der elektronischen Zugaben deuten. „Hypercharger“ spielt hingegen gelungen mit lieblichen Synthies, die stets in harten Passagen münden, in denen auch gesanglich die gutturale Keule ausgepackt wird. Mit ganz strengem Blick bliebe daher nur noch der Song „Vibes“, in dem ein loopartig eingesetztes Sample gleich am Anfang derart ausgereizt wird, dass es einigen Hörer den Gesamthörfluss stören oder unterbrechen könnte. Dies ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau, denn davon abgesehen liefern Liveevil mit jedem Song eine Punktlandung ab, was dazu führt, dass die Band auch in unseren Landen längst nicht mehr als Geheimtipp gelten sollte.

Video

Tracklist

01 Ended Run
02 Amper
03 Devilation
04 Vibes
05 Midnight Bay
06 Encounter
07 Hypercharger
08 Tomorrow’s Call
09 We Stand Alone

Details

Liveevil – Homepage
Liveevil – Facebook

Label: MetalGate Records
Vö-Termin: 00.00.2016
Spielzeit: 36:58

Copyright Cover: MetalGate Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde