Review

Das Ein-Mann-Projekt +Liturgy Of Decay+ veröffentlicht sein erstes Album namens „First Psalms (Psalms of Agony And Revolt – First and Early Shape)“ und stellt damit auf zehn Songs das selbstkreierte Genre „Flamboyant Gothic Metal“ vor.

Atmosphärisch, sinfonisch und mystisch möchte Iokanaan, der Kopf hinter +Liturgy Of Decay+, in seinen Titeln klingen. Startet man mit dem Opener „Mental Damage“ sieht man dieses Vorhaben auch bereits als gelungen an, denn effektiv wird mit schleppenden Phasen und orchestraler Untermalung eine melancholische Atmosphäre aufgebaut, die auch im weiteren Verlauf des Albums konstant aufrechterhalten wird.

In ihrer Schwermut drücken einige Titel dabei stark aufs Gemüt des Hörers (u.a. „Symphony Of Curses“), an anderer Stelle setzt der Einsatz von Trommeln durch Weltmusik-Nuancen einen rituellen Akzent im Sound von +Liturgy Of Decay+ („Tales Of Betrayals“) und verleiht der oftmals im positiven Sinne lethargisch wirkenden Musik auf „First Psalms“ hörbare Dynamik.

Aufwühlend und zum Teil anstrengend wird es auf dem Album immer dann, wenn innerhalb der Titel die einzelnen Komponenten anschwellen, um schließlich wieder abzuebben. Die damit einhergehende Steigerung der Lautstärke und Intensität verfehlt ihre Wirkung nicht, diese Augenblicke wirken allerdings einige Male zu überladen. So wissen vor allem die ruhigen und leiseren Parts zu überzeugen, die man nach allzu vollgepackten Tracks umso mehr zu schätzen weiß.

Insgesamt spart das Album „First Psalms“ nicht gerade an Epik. Jene drückt sich zudem in den Songlängen aus. +Liturgy Of Decay+ nimmt sich Zeit, um sich musikalisch auszudrücken und alle Elemente und Effekte unterzubringen.

+Liturgy Of Decay+ (Copyright: +Liturgy Of Decay+)

Ein Vor- und Nachteil gleichermaßen, denn vielmals trägt dies nicht nur zur interessanten, entdeckungswürdigen Seite der Titel, sondern auch zur Überfrachtung einiger Songs bei. Indem die immer gleiche Stimmung und ein ähnliches bedächtiges Tempo vorherrschen, fällt es teilweise außerdem schwer, gravierende Unterschiede in den Songs auszumachen, sofern nicht neue Elemente wie beispielsweise die bereits erwähnten Trommeln in den betreffenden Track integriert werden. Es herrscht damit ein stets gleicher Grundtenor in musikalischer und atmosphärischer Hinsicht vor, der auf Albumlänge durchaus mehr Abwechslung vertragen hätte.

Ausschließlich positiv fällt dagegen die Gesangsstimme auf, die zum auserwählten Genre wie die Faust aufs Auge passt und sowohl energisch sowie eindringlich als auch gefühlvoll die Lyrics an die Hörer zu transportieren versteht.

Für diejenigen, die in einer gesunden Melancholie ein Maß an Ästhetik finden und sich darüber hinaus für getragenen, sinfonisch geprägten Gothic Metal begeistern können, ist ein Probehören von „First Psalms“ ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Video

Tracklist

01 Mental Damage
02 Symphony Of Curses
03 Suffering The Idyll
04 Suffering The Ideal
05 Dispossessed (SIC NOC LVCEAT)
06 The Temptation Of Being
07 The Last March
08 Tales Of Betrayals
09 Tristiana
10 Dolores (My Lonely Failure)

Details

Liturgy Of Decay – Bandcamp
Liturgy Of Decay – Facebook

Label: D-Monic Records
Vö-Termin: 15.10.2016
Spielzeit: 55:44

Copyright Cover: D-Monic Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde