Review

„Then They Came For Us“ ist wie ein Schlag ins Gesicht. Ein Schlag, der wachrüttelt und gleichzeitig so stark betäubt, dass man hinterher gar nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Der Begriff Post Rock umfasst nicht mal mehr annähernd die Musik der Norweger Línt, die zwischen atmosphärischen Soundsphären und fast schon poppigen Hymnen ihre acht Songs für sich finden.

Regelmäßig zeigt die Band auf ihrem Album, dass sie sich musikalisch keinerlei Schnitzer erlaubt. Der Aufbau der Titel ist stets progressiv, doch niemals zu überrollend, sodass die Zuhörer auch vor einer längeren Spielzeit nicht zurückschrecken müssen. Zugänglichkeit und Komplexität werden auf „Then They Came For Us“ großgeschrieben.

Ein schmales Konzept, das die Jungs verfolgen und welches sie erstaunlicherweise immer wieder unter einen Hut bekommen. Große Soundgebilde werden von instrumentalen Eingebungen jeglicher Art geprägt und zeugen von diversen Variationen. Besonders in den ruhigen Passagen fallen Kleinigkeiten (wie die dezenten Akzente auf dem Schlagzeug) auf.

Doch auch rockig geht es auf dieser Platte zu. An dieser Stelle sei zu bemerken, dass Línt gerne mal etwas härter verfahren, dies aber in einem sehr angenehmen Stil verpacken. Man hat zu keiner Zeit das Gefühl, als würde eine enorme Aggressivität die Musik dominieren. Stattdessen werden diese Songs mit Elementen geschmückt, die das genaue Gegenteil bewirken.

Doch sobald Línt auf den Zug der Melodien aufspringen, wird es erst so richtig angenehm. Sanft betten sich diese in den Gehörgängen ein und sorgen für ein allgemeines Wohlbefinden. Das klingt jetzt womöglich sehr klischeebehaftet, hört sich aber nicht so an. Ohne dass die Band dabei in eine schmusige oder kitschige Schiene abdriftet, folgt hier ein Highlight nach dem anderen, an das man sich nach Ablauf des letzten Titels gerne noch erinnert.

Auf der instrumentalen Seite schon sehr ausdrucksstark rundet der Gesang „Then They Came For Us“ zusätzlich noch ab. Auch hier dominiert wieder ein sehr ansprechender Klang; meist etwas soft, aber stets passend. Und vor allem gliedert sich das Organ sehr gut in den allgemein äußerst atmosphärischen Kontext von Gitarre und Bass ein.

Línt (Copyright: Magnus Haaland Sunde)

Línt (Copyright: Magnus Haaland Sunde)

Im Laufe des Albums finden Línt immer wieder etwas Neues, das sie in ihr Projekt einbinden können. Manchmal melancholisch und manchmal auch sehr experimentell stecken sie sich ihre eigenen Grenzen vollkommen neu und der Hörer bekommt von Song zu Song schnell ein völlig anderes Bild von der Band.

„Then They Came For Us“ kann man somit jedem ans Herz legen, der Wert auf anspruchsvolle Musik legt, die immer noch etwas mehr aus sich heraus holt. Aber auch denjenigen, die einen leichten Einstieg in solch einen Sound benötigen, ist die Veröffentlichung zu empfehlen.

Ein Album, das Spuren hinterlässt.

Video

Trackliste

01 Variesque
02 Mierka
03 Trips
04 Meisel
05 Blank Tapes
06 Mirkeldunkel
07 Polar
08 Then They Came For Us

Details

Línt – Homepage
Línt – Facebook

Label: Popup Records
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 42:17

Copyright Cover: Popup Records



Über den Autor

Christopher