Review

Durch Crowdfunding und die Liebe der Fans zur Musik kann man so einiges erreichen. So entstand auch die neue Platte „Twist and Turn“ der Kölner Band Lingby. Atmosphärischer und melancholischer Indie verkörpert hierbei Rock und Pop miteinander. Auf Lingbys ganz eigene elegante Art und Weise.

Die ersten beiden Titel „Swans“ und „This Takes Me Out“ sind zu Beginn nur ein kleiner Aperitif auf das, was noch folgen wird. Aber schon jetzt fällt auf, dass Lingby aus weniger mehr machen können. Die Klänge sind oft sehr zurückhaltend und ziehen sich in einem verfolgbaren Tempo durch die Titel. Ebenfalls ertönen Blechblasinstrumente im Hintergrund. Und an dieser Stelle muss man sagen, dass sich dieser kontrastreiche Klang wirklich sehr gut in den Sound einfindet.

Das Album startet erst richtig ab „Two“. Der Rhythmus wird etwas weiter angezogen und die elektrischen Gitarren kommen hier gut zur Geltung. Obwohl der Song generell sehr geradlinig ist, wird er durch kleinere Passagen immer aufgelockert und wirkt überhaupt ein wenig poppig.

Auf „Twist and Turn“ geben sich sowohl weibliche als auch männliche Stimmbänder die Ehre. Erstere sprechen die Gehörgänge auf Anhieb an. Sehr weich, aber auch mit einer gewissen Bestimmtheit auf den Lippen. Diese wird zudem oft durch eine deutlich höhere Tonlage unterstützt. Der männliche Gesang will zunächst noch nicht so ganz zünden, da er sehr dünn klingt. Aber spätestens ab „Like A Stone“ wächst man immer wieder ein Stück mit ihm zusammen. Seinen Höhepunkt findet er auf „If Anything“. Dort klingt er sehr gefasst und auch eine Spur breiter.

Ab der Mitte macht die Platte ihrem Namen „Twist and Turn“ alle Ehre. Die Gitarren auf „House Of Glass“ werden schwerer und die Synthis etwas düsterer. Diesen Song teilen sich die beiden Stimmen, wobei die weibliche Spur die männliche gut untermalt.

Lingby (Copyright: Christian Faustus)

Lingby (Copyright: Christian Faustus)

Lingby verschaffen sich selbst immer viel Raum, in dem sich eine Menge Atmosphäre wiederfindet. Alle Instrumente spielen im Einklang miteinander. Es passiert eigentlich nie viel in den Titeln, da die benötigten Melodien ihren Teil beitragen und sich dann wieder zurückziehen. Umso spannender wird es dann, wenn diese Strukturen durch Soli oder Ähnliches aufgebrochen werden. Die Band bleibt immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten und bereitet für den Zuhörer dadurch eine angenehme Zugänglichkeit.

Ein paar Schwächen finden sich allerdings dann doch. Wie zum Beispiel der Song „Forgiveness“, der durch das Fehlen von Abwechslung beim ersten Durchgang mehr wie ein Lückenfüller wirkt. Auch braucht der Titeltrack zum Schluss einen Moment, bevor er richtig warm laufen kann. Aber wenn es dann erst einmal zur epischen Klimax, die einem Orchester gleicht, kommt, bietet er einen würdigen Abschluss der Platte.

„Twist and Turn“ ist ein dezentes, aber effektives Album. Es besitzt ein paar Stellen, die sich etwas dahin schleppen, aber wenn Lingby auffallen wollen, fallen sie auch auf. Im Laufe des Albums konnte ich, so komisch es auch klingt, nicht darum herumkommen, mir Lingby wie eine moderne, melancholischere Art von ABBA vorzustellen. Die Titel sind zwar Indie, aber an den richtigen Stellen catchy, nicht zuletzt durch die klare Elektronik.
Eine wirklich erwachsene Platte, die nicht zu viele Ausschweifungen in andere Richtungen unternimmt. Für alle, die einen bodenständigen Sound bevorzugen.

Video

Trackliste

01 Swans
02 This Takes Me Out
03 Two
04 Be Still
05 Forgiveness
06 Like A Stone
07 House Of Glass
08 Impatience
09 If Anything
10 Twist and Turn

Details

Lingby – Homepage
Lingby – Facebook

Label: Fleet Union
Vö-Termin: 27.03.2015
Spielzeit: 42:35

Copyright Cover: Fleet Union



Über den Autor

Christopher