Review

Die Letzte Instanz meldet sich zurück. „Im Auge des Sturms“ heißt das neue Album der Band, welches im Vorfeld schon ziemlich gehyped wurde. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Scheibe zu werfen, um zu sehen, ob dieser Trubel gerechtfertigt war.

Bereits der Opener „Alles anders“ klingt sehr gut. Nach einer kurzen melodischen Introsequenz entpuppt sich diese Nummer als kantiges, vielschichtiges Stück, welches vor allem durch eine große Komplexität überzeugt. Von harten Momenten bis hin zu romantischen Passagen findet sich in diesem Song eine unglaubliche stilistische Bandbreite, ohne dass „Alles anders“ wirr oder unstimmig klingt. Der Refrain, welcher sich auch schön mitsingen lässt, hält das akustische Gefüge zusammen, an dem man selbst nach diversen Durchläufen noch eine Menge Spaß haben kann.

„Traum im Traum“, zu dem auch ein Video gedreht wurde, welches ihr am Ende dieses Reviews findet, startet äußerst streicherlastig. Mit Einsatz des Gesangs baut sich eine dramatische Atmosphäre auf, die sich im starken Refrain entlädt. Diese Struktur ist zum einen spannend und zum anderen verleitet sie massiv dazu, den Song auf möglichst hoher Lautstärke abzufeiern, denn insbesondere der Refrain geht gut ab.

„Im Auge des Sturms“, der Titeltrack, wird von einem wundervollen instrumentalen Intro eröffnet. In dieses schleicht sich der Gesang und fügt sich in die harmonische Atmosphäre hervorragend ein. Obwohl man aufgrund des Titels mit einer eher druckvollen Nummer rechnet, bleibt „Im Auge des Sturms“ durchgehend ruhig und balladesk und wird lediglich im Refrain geringfügig lauter. Ein wunderbares Stück zum Zurücklehnen und Träumen.

„Asche“ ist einer der vier Bonustracks, die sich auf der vorliegenden „Limited Edition“ dieses Albums finden. Hierbei handelt es sich um einen dynamischen Titel, der von der ersten Sekunde an amtlich Gas gibt. Insbesondere die Drums fallen schnell ins Auge respektive Ohr, denn diese sind perfekt gespielt. Allerdings machen auch die Passagen, welche mit geringer Instrumentalisierung daherkommen, eine Menge Laune, denn diese überzeugen durch eine innovative Struktur.

Letzte Instanz (Copyright: Letzte Instanz)

Letzte Instanz (Copyright: Letzte Instanz)

„Nein!“ ist eine rockige Nummer, die beweist, was für dynamische Songs die Letzte Instanz schreiben kann. Denn dieser Titel gibt vom ersten bis zum letzten Moment Vollgas und geht dementsprechend ab. Insbesondere live wird dieser Kracher sicherlich eine Menge Spaß machen.

Ein wenig klingt insbesondere das Opening von „Welche Wahrheit“, ein weiterer nur auf der „Limited Edition“ dieses Albums vorzufindender Song, nach klassischem, rauem Rock. Die Letzte Instanz beschränkt sich musikalisch auf das Nötigste und dreht erst im Refrain so richtig auf, was durch diesen Aufbau dann auch die gewünschte Wirkung hat und den Hörer effektiv zum Eskalieren anregt.

Auf der „normalen“ Version von „Im Auge des Sturms“ ist nach dem Song „Zusammen“ Feierabend. Dieser täuscht seine Hörer wieder ein wenig, denn eigentlich schließt man von diesem Titel auf eine romantische Ballade, die Letzte Instanz serviert jedoch eine Mid-Tempo Nummer, die vor allem durch den hymnischen und choral vorgetragenen Refrain zu überzeugen weiß. Einige harte Gitarrenpassagen geben dem Ganzen zusätzlich die richtige musikalische Würze.

Zusätzlich finden sich auf der „Limited Edition“ von „Im Auge des Sturms“ noch zwei opulente Liveversionen, nämlich „Blind“ und „Winterträne“, die vor Gastmusikern nur so strotzen und richtig Bock auf den nächsten Konzertbesuch bei der Letzten Instanz machen. Die Mehrinvestition, um sich die „Limited Edition“ zuzulegen, lohnt sich also bei „Im Auge des Sturms“ auf alle Fälle.

Die Letzte Instanz hat ein Album an den Start gebracht, welches vor allem durch hohen Abwechslungsreichtum, der nicht zuletzt auf komplexe und tiefgründige Songstrukturen basiert, überzeugt. Aber auch Kracher vermisst der geneigte Fan auf dieser Scheibe nicht. Man kann guten Gewissens behaupten, dass diese CD nicht nur optisch, sondern auch und vor allem inhaltlich absolut rund ist.

Video

Tracklist

01 Alles anders
02 Ganz egal
03 Traum im Traum
04 Deuxieme mouvement
05 Das letzte Mal
06 Der Panther
07 Im Auge des Sturms
08 Koma
09 Asche (Limited Edition only)
10 C3H5
11 Nein!
12 Verweht
13 Die Zeit
14 Opus III
15 Welche Wahrheit (Limited Edition only)
16 Zusammen
17 Blind (Live) (Limited Edition only)
18 Winterträne (Live) (Limited Edition only)

Details

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Label: Drakkar
Vö-Termin: 29.08.2014
Spielzeit: 70:48

Copyright Cover: Drakkar



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.