Review

Der Alternative-Sektor wird diesen Monat um ein weiteres Album bereichert. Dieses trägt den Titel „Luctor Et Emergo“ und wurde erzeugt von der niederländischen Band Lesoir. Außerdem ist es eine weitere Platte, die sich in die Galerie der oft genutzten „Flügel spreizenden Insekten auf Albencover“ einreihen kann. Man darf sich also auch auf eine Menge Altbewährtes einstellen. Dabei kann die Truppe auch durchaus anders, wie sie an den ständig aufkommenden experimentellen Ansätzen beweist.

Bereits nach „Battle“ stellt sich eine drückende Grundstimmung ein. Lesoir lassen es mit ihrem Rock smooth, aber bestimmt angehen. Die weibliche Stimme pumpt ihre Lyrics gut in den Beat hinein. Dieser Track macht den Hörer schon neugierig auf „Luctor Et Emergo“.

Um eins vorwegzunehmen, musikalisch klingt die Platte einwandfrei. Die Instrumente sind gut arrangiert und auch der Gesang braucht sich im Verlauf nicht zu verstecken. Lesoir setzen ihre Ideen gut um, was zudem auch noch die Gehörgänge erfreuen dürfte.

Aber auch wenn sich alles so gut anhört, hat man das Gefühl, dass Lesoir auf ihrem Album immer wieder die Richtung wechseln. So was ist natürlich keinesfalls verkehrt. Es ist aber etwas anderes, wenn man abwechselnd jeden Song entweder stark alternativ oder nach Schema F gestaltet. „Going Home“ hat dieses melancholische Gitarrenriff zu Beginn, doch sobald es zum Refrain geht, glänzen Lesoir mit stumpfem Akkordgewitter.

Darauf folgendes „(A Lady Named) Bright“ weist eine Mischung aus psychedelischen Bass und Gitarren über groovigen Drums auf. Auch die Verzerrungen in Richtung Ende zeigen, dass die Band aus wenigen Ressourcen eine Menge herausholen kann.

Abrupt herausgerissen wird man mit „Hold On To Fascination“, ein Titel, den man in solcher Form schon von diversen anderen Bands gehört hat. Einfache Struktur und es wird stark an Variation gespart.

Lesoir (Copyright: Harry Heuts)

Lesoir (Copyright: Harry Heuts)

Versteht mich nicht falsch, wie schon erwähnt, die Songs sind gut. Aber dadurch, dass Lesoir in regelmäßigen Abständen verschiedene Stile einbringen, klingt „Luctor Et Emergo“ oft sehr einseitig und berechenbar. Auf der anderen Seite macht es gerade den experimentellen Teil der Platte oft unterhaltsamer. Auf „My Perfect Self“ beispielsweise spielt der Synthi mit dem Stereosound und die Stimmung schwingt im gesamten Song stark um. Gleich darauf folgt der Titeltrack „Luctor Et Emergo“, der aus gedämpften Saiten, verzerrtem Bass und Schlagzeug besteht. Über dem Panflötenspiel legt sich kein Gesang, sondern ein Sample. Es klingt einfach nur spannend und spornt für mehr an. So hätte das ganze Album klingen sollen. Nicht etwa durchgehend instrumental, aber überraschender und viel kreativer.

„Luctor Et Emargo“ ist keine schlechte Platte, sie ist sogar weit entfernt davon. Viele der angesprochenen Punkte sind auch oft subjektiver Natur. Es ist eben schade, wenn man Zeuge davon wird, dass Lesoir sich auch über dem Standard bewegen können. Hätte man sich für einen durchgehend experimentellen oder einen eingängigen Weg entschieden, wäre das Ganze eine Spur besser rübergekommen. So kann man immerhin sagen, dass für jeden etwas dabei ist. Dennoch eine Platte, die musikalische Glanzleistung birgt und an den richtigen Stellen ins Ohr geht.

Video

Trackliste

01 Battle
02 Going Home
03 (A Lady Named) Bright
04 Hold On To Fascination
05 Single-Eyed
06 Press Play From Start
07 In Reverse
08 My Perfect Self
09 Luctor Et Emergo
10 Flawless Chemistry
11 Room For One More

Details

Lesoir – Homepage
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Label: Glassville Records
Vö-Termin: 20.03.2015
Spielzeit: 54:17

Copyright Cover: Glassville Records



Über den Autor

Christopher