Review

Bereits während der ersten Töne des Openers „Long Way“ erahnt man, dass es sich bei der CD „Never don’t not“ von der Band The Les Clöchards um eine ganz besondere Scheibe handelt. Und das nicht nur aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein zum großen Teil via Crowdfunding produziertes Album handelt, sondern weil sich darauf ausschließlich Coverversionen befinden, die mit viel Liebe zum Detail umarrangiert wurden und so teilweise einen ganz neuen Stil bekommen haben.

So ist „Long Way“ beispielsweise eine Neuinterpretation des Klassikers „It’s a long way to the top“ von AC/DC, dem The Les Clöchards einen deutlich Blues-Einschlag verpasst und ihm fast sämtliche Hard Rock-Elemente genommen haben. Dennoch behält der Song insbesondere durch Bass und Drums seinen ursprünglichen Drive. „Long Way“ ist damit ein hervorragender Einstieg in diese CD.

„Dude“ versetzt den Hörer nahezu umgehend (zumindest geistig) nach Jamaika, denn diese Nummer ist definitiv an den Reggae angelehnt und hat damit ebenfalls nichts mehr mit dem Original, „Dude looks like a Lady“ von Aerosmith, gemein – außer den Lyrics. Eine ziemlich gelungene Interpretation, bei der es massiv schwerfällt, die Beine stillzuhalten, da man bei dem Rhythmus einfach mit muss. Sehr lohnenswert ist auch das instrumental eingeläutete Zwischenspiel im Mittelteil.

Heimliches Highlight auf „Never don’t not“ ist aber eine Ballade. Hartgesottene Fans sollten schon während der ersten Sekunden hellhörig werden und auch der Titel „666“ verrät es bereits: The Les Clöchards haben sich Iron Maidens „The Number of the Beast“ vorgenommen und einen leisen, verträumten Titel daraus gemacht. Kleine Akzente sorgen dafür, dass man die ganze Zeit bei der Stange bleibt. Dieses balladeske Arrangement ist derart gut gelungen, dass sich selbst Maiden Fans ohne Probleme damit anfreunden dürften.

The Les Clöchards (Copyright: Felix Groteloh, www.fg-photowork.com)

The Les Clöchards (Copyright: Felix Groteloh, www.fg-photowork.com)

„Dirty Dancing“ in Jamaica? Auch „Time of my Life“ ist wieder reggaeesk gespielt und macht Lust auf Sonne, Strand und (Einkaufs)tüten. Den Text dieses Klassikers sollte eigentlich jeder kennen und so ist es kein Wunder, dass man bereits binnen weniger Sekunden mit dem ungewohnten Rhythmus klarkommt und diesen Titel fröhlich mitsingt. Abermals haben es sich The Les Clöchards nicht nehmen lassen, immer wieder ein paar instrumentale Spielereien einfließen zu lassen, um das Ganze ein wenig aufzulockern.

Sehr geil ist auch „Virgin“, im Original „Like a Virgin“ von Madonna. Dieser Titel startet extrem gemächlich und wird abgesehen von ein paar kleineren Einlagen nur begleitet von Bass und Drums. Im Verlauf wird die Instrumentalisierung schnell umfangreicher und auch das Tempo steigt ein wenig an. Ab der Mitte eskalieren The Les Clöchards jedoch unerwartet und geben richtig Gas. Dieser Wechsel erfolgt zwar relativ abrupt, wurde aber dennoch hervorragend inszeniert.

Abschließend bleibt festzustellen, dass The Les Clöchards alles richtig gemacht haben. Einzig die Tatsache, dass man auf dieser Scheibe viele unterschiedliche Genres findet, könnte Hörer mit weniger breitem Musikgeschmack abschrecken.

Video

Tracklist

01 Long Way
02 Do You love me
03 Dude
04 Love Baby
05 Everything Counts
06 666
07 Time of my Life
08 Buttercup
09 No one knows
10 Virgin
11 Girls

Details

The Les Clöchards – Homepage
The Les Clöchards – Facebook
The Les Clöchards – Twitter

Label: Eigenproduktion – Nur über die Bandwebsite erhältlich!
Vö-Termin: Juni 2013
Spielzeit: 44:40

(Copyright Cover: The Les Clöchards)



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.