Review

Dieses Mal befassen wir uns mit gesangsarmer Musik aus Frankreich. Ein Schlagzeug und zwei Gitarren reichen oftmals aus, um seinem persönlichen Sound Ausdruck zu verleihen. So auch L’Effondras mit ihrer selbstbetitelten Platte voll mit instrumentalem Post-Rock, vermischt mit etwas experimentellem Noise und Drone. Und eins sei gesagt, dieses Album ist sehr lang. Und die gefühlte Spieldauer ist sogar noch länger.

Davon darf man sich allerdings nicht abschrecken lassen. L’Effondras bringen hier echt ein paar nette Ideen zum Besten. Es ist allerdings so, dass sie das Stichwort „Wiederholung“ wohl ein wenig zu ernst genommen haben. Die Riffs ziehen sich durch Songs, die ohnehin schon so lang sind, oft monoton durch. Es gibt jetzt jene, deren Aufmerksamkeitsspanne dafür zu kurz ist und die leicht ungeduldig werden. Und es gibt jene, die diese hypnotischen Klänge durchaus zu schätzen wissen und sich in ihnen verlieren.

Aber immerhin werden die eingängigen Tonabfolgen mit einem groovigen Schlagzeug kompensiert. Die Drums setzen an den passenden Stellen ebenfalls dezent Akzente, durch kurze Laute von Becken oder Snare, um den Takt zu halten. „L’Ange Rouge“ ist mit 13 Minuten der durchgehend längste Song. Aber obwohl sich auch hier der Kreis zunächst nicht zu schließen scheint, zeigt sich L’Effondras durchaus abwechslungsreich. So variiert man auch in der Spielweise oder im Rhythmus.

Diese Platte beginnt ihre Titel immer mit unterschiedlichen Melodien und Strukturen, verfällt aber dann in ein anstrengendes Muster. So kann beispielsweise der Noise-Rock zu Beginn von „Caput Corvi II“ die Geduld des Hörers wirklich auf die Probe stellen. Allerdings geht auch dieser Doom-Part in smoothe Klänge über.

L’Effondras (Copyright: Garance Li)

L’Effondras (Copyright: Garance Li)

Umso überraschender scheint es, dass „L’Aure Des Cometes“ bereits nach guten drei Minuten endet. Der Titel war bis dahin der wohl „fröhlichste“ der gesamten Platte, mit seinem leicht bluesigen Groove. Nach einiger Wartezeit geht es aber weiter mit einem Hidden Track, auf dem es entgegen der eigentlichen Grundstimmung ganz anders zugeht. Hier überwiegt die Energie mit rockigen Einflüssen.

An dieser Stelle kann man nun geteilter Meinung sein. Durch so viel Recyclen bekommt man schließlich locker zehn Minuten totgeschlagen. Aber geschieht das auf Kosten des Hörgenusses? Dies muss man für sich selbst entscheiden. Es ist schließlich nicht so, dass L’Effondras einen mit sinnloser Akustik beschallen, sondern hinter den Songs steht immer ein Konzept.

Leichte Kost ist „L’Effondras“ auf keinen Fall. Sollte man sich aber diesem Bollwerk doch entgegenstellen wollen, sollte man eine Menge Geduld und vor allem Zeit mitbringen. Für Fans dieser Art Musik sollte sich dies lohnen, da es an Qualität keinesfalls mangelt. Vielleicht in Zukunft die Songs etwas kürzer halten, damit die innovativen Riffs im entsprechenden Maße vorkommen und dadurch etwas Besonderes bleiben.
Ach, und falls sich jemand fragt, was es mit dem „☉“ vor dem Bandnamen auf sich hat, das wir zugunsten der leichteren Lesbarkeit unseres Reviews weggelassen haben, das ist ein Symbol der Astrologie, welches die Sonne darstellt.

Video

Trackliste

01 L’Heure Du Loup
02 Amrha
03 La Fille Aux Yeux Orange
04 L’Ane Rouge
05 Caput Corvi I
06 Caput Corvi II
07 L’Aure Des Cometes

Details

L’Effondras – Homepage
L’Effondras-Facebook

Label: Dour et Doux / Atypeek Music
Vö-Termin: 00.02.2015
Spielzeit: 1:12:52

Copyright Cover: Dour et Doux / Atypeek Music



Über den Autor

Christopher