Review

In ihrer Heimat gilt Lee Aaron nach insgesamt zwölf Alben als Rock-Ikone, weltweit machte sie vor allem durch ihr Album „Metal Queen“ auf sich aufmerksam. Ihre musikalischen Wege führten sie aber nicht nur in den Rock- und Metalbereich, sondern auch in die Jazz-Gefilde. Mit „Fire and Gasoline“ widmet sie sich nun wieder einer rockigen Ausrichtung und jene präsentiert die Rockröhre auf insgesamt elf Songs.

Ihren Status als Rockröhre scheint Lee Aaron dann auch auf Albumlänge permanent lauthals herausschreien zu wollen, denn wenn es „Fire and Gasoline“ an einem nicht mangelt, dann an Lautstärke. Manchmal ist aber bekanntlich weniger definitiv mehr und so können die hier konsequent gebrüllte Power und die insgesamt hohe Lautstärke der Aufnahmen schon mal an den Nerven der Hörer zerren, zumal die Tracks in einer schieren Soundwand einiges an Dynamik einbüßen. Untypisch für ein Rockalbum, aber hier empfiehlt es sich, erst einmal den Lautstärkeregler herunterzudrehen.

Was sich dann offenbart sind zwar abwechslungsreiche Titel, ihnen fehlt es aber insgesamt an Kreativität, Innovation und auch an textlichem Ideenreichtum. Allzu belanglos, vorhersehbar und klischiert fällt „Fire and Gasoline“ in diesen Belangen aus. Entsprechend repräsentieren unschlagbare Zeilen wie „Boys like girls and girls like boys“ den beschränkten Horizont der inhaltlichen Ebene der Songs. Zugegeben, es muss nicht immer anspruchsvolle nobelpreiswürdige Kost sein, die man den Hörern darbietet, aber etwas Sinn und Verstand und weniger Klischees (wie z.B. im balladesken Titel „50 Miles“) dürften die Texte auch auf einer partytauglichen Rock-CD schon besitzen, der nicht unbedingt Glaubwürdigkeit verliehen wird, wenn eine gestandene Frau im zuckersüßen Ton von „Bad Boyfriend“s singt.

Lee Aaron (Copyright: Lee Aaron)

Lee Aaron (Copyright: Lee Aaron)

Leider gibt sich Lee Aaron auch musikalisch auf dem neuen Album relativ begrenzt. Die Mehrheit der Titel spielt sich im Party-Rock Sektor ab, der zwar durchaus gute Laune verbreiten könnte, wenn denn die immense Lautstärke nicht wäre, davon abgesehen aber zusätzlich sehr belanglos und erneut vorhersehbar ausfällt.
„Wanna Be“ bildet diesbezüglich eine kleine Ausnahme, denn zu Beginn leitet man den Track jazzig mit tieferen und weniger aufgesetzt wirkenden Vocals ein, während sich immer deutlicher Pop-Punk-Rock-Attitüden ihren Weg bahnen. Doch auch hier besticht Lee Aaron nicht mit ihrem Mitteilungsbedürfnis, das stark an Teenie-Tagebucheinträge und Kitsch erinnert.

Da sich nach hinten raus auch noch die eher ruhigeren Titel aneinanderreihen, nimmt die mitreißende Wirkung von „Fire and Gasoline“ genauso konstant ab wie die Aufmerksamkeit der Hörer. Was bleibt, ist ein Album einer erfolgreichen Musikern, die ihr Potenzial hinter erhofften akustischen Verkaufsargumenten versteckt. Für die seichte Rock-Unterhaltung zwischendurch geeignet, nicht mehr, eher leider sogar weniger.

Video

Tracklist

01 Tom Boy
02 Fire And Gasoline
03 Wanna Be
04 Bitter Sweet
05 Popular
06 50 Miles
07 Bad Boyfriend
08 Heart Fix
09 Nothing Says Everything
10 If You Don’t Love Me Anymore
11 Find The Love

Details

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Label: Frontiers Music / Soulfood
Vö-Termin: 25.03.2016
Spielzeit: 48:27

Copyright Cover: Frontiers Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde