Review

Ein gutes Jahr nach „Ultraviolence“ erscheint Lana Del Reys neuestes Album „Honeymoon“. Die Sängerin und Songwriterin setzt damit ihren musikalischen Weg, den sie auf „Ultraviolence“ eingeschlagen hat, nahtlos fort. Auch „Honeymoon“ besticht durch eine durchgehend düster-melancholische Stimmung, die sich durch sämtliche Tracks des Albums zieht.

Auf der einen Seite ist da die sehr langsame Ballade „Terrence Loves You“ und der minimalistisch inszenierte Titeltrack „Honeymoon“ mit seinem fast schon repetitiven Refrain. Beides Songs, die den Hörer unmittelbar und direkt berühren, da der Fokus ganz klar auf Lana Del Reys Stimme liegt, mit der sie quasi Seele und Gemüt des Hörers streichelt.

Auf der anderen Seite finden sich melodiestarke Nummern wie das Blues-Gitarren-dominierte „Gods Knows I Tried“ und die Abschiedsballade „Salvatore“ neben Stücken wie „24“, welches durchaus das Flair einer „James Bond“-Titelmelodie versprüht.

Vereinzelte, leicht poppige Anleihen findet man noch in „Music To Watch Boys To“ und dem bereits als Single erschienenem „High By The Beach“. Gerade letzterer Song hat auf jeden Fall das Zeug zum Lana Del Rey-Klassiker.

Und dann gibt es da noch „The Blackest Day“, eine wahre Dark Pop-Perle, die den Hörer einfach mit sich reißt und vor dem es kein Entrinnen gibt. Für mich vielleicht der beste Song des Albums, da Lana Del Rey hier alles aufbietet, was die Faszination ihrer Musik ausmacht.

Anders als viele andere Sängerinnen hat Lana Del Rey wieder an allen Songs – mit Ausnahme der Coverversion des Nina Simone Klassikers „Don’t Let Me Be Misunderstood“ – aktiv mitgeschrieben.
In den Lyrics findet man neben den typischen Lana Del Rey-Themen wie Herzschmerz und Verlangen, erfüllte und unerfüllte Liebe diesmal auch zunehmend surrealistische Zeilen und Passagen.

Außer Frage steht auch Lana Del Reys gesangliche Leistung. Ihre Stimme – nur selten elektronisch durch Hall-Effekte oder Vocoder bearbeitet – überzeugt sowohl in den Tiefen als auch in den Höhen und strahlt durch ihr spezielles Timbre eine gewisse Intimität aus, der man sich nur schwerlich entziehen kann.

Große musikalische Spielereien sucht man auf „Honeymoon“ ebenfalls vergebens. Meist wird sich auf ein Minimum der Instrumentierung beschränkt, das dem den Songs innewohnenden Retro-Charme zugutekommt.

Lana Del Rey (Copyright: Neil Krug / Universal Music)

Lana Del Rey (Copyright: Neil Krug / Universal Music)

Lana Del Rey bewegt sich mit ihrem aktuellen Werk „Honeymoon“ im Großen und Ganzen im Rahmen des Erwarteten. Musikalische Überraschungen bleiben leider aus. Das Album besteht – sieht man mal von „Music To Watch Boys To“ ab – ausschließlich aus langsamen und sehr langsamen Balladen, irgendwo zwischen Dark Pop, Blues, Soul und Chanson. Diese werden jede für sich nahezu perfekt präsentiert, wirken aber auf Albumlänge vielleicht für den einen oder anderen Hörer zu eintönig. Hier wäre etwas mehr Abwechslung, was das Tempo des jeweiligen Songs angeht, durchaus wünschenswert gewesen.

Wer auf gefühlvolle, düstere Songs voller Schwermut und Melancholie steht, darf bei Lana Del Reys „Honeymoon“ aber bedenkenlos zugreifen. Einfach zurücklehnen und genießen!

Video

Tracklist

01 Honeymoon
02 Music To Watch Boys To
03 Terrence Loves You
04 God Knows I Tried
05 High By The Beach
06 Freak
07 Art Deco
08 Burnt Norton (Interlude)
09 Religion
10 Salvatore
11 The Blackest Day
12 24
13 Swan Song
14 Don’t Let Me Be Misunderstood

Details

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Label: Universal Music
Vö-Termin: 18.09.2015
Spielzeit: 65:35

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde